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Gelassenheit und Stärke üben: Welt-Yoga-Tag an der VHS Viersen

Viersen : Yoga - Gelassenheit und Stärke üben

Eine Stunde Hatha in Viersen zum Welt-Yoga-Tag

Bereits vor fast 200 Jahren war die Mischung aus Meditation und körperlichen Übungen in Westeuropa beliebt. Wir haben zum Welttag des Yoga einen Kurs besucht

Matte ausrollen, dehnen, strecken, auf den Atem achten: Seit über 30 Jahren praktiziert Monika Syben Yoga. „Ich habe das damals zur Entspannung angefangen, weil ich immer so unruhig war“, sagt die 72-jährige Kursteilnehmerin. Jede Woche habe sie als zweifache Mutter ihren Ausgleich in Asanas (Körperstellung im Yoga) und Atemübungen gesucht.

Bei der Stunde zum Welt-Yogatag, der jährlich am 21. Juni begangen wird, herrscht an der Volkshochschule in Viersen eine ruhige, friedliche Atmosphäre. Nur der Atem der Yogis, die mit geschlossenen Augen scheinbar in eine stille Trance sinken, ist zu hören. „Yoga ist mehr als nur der Körper“, sagt Yoga-Lehrer Uwe Schneider. „Nach einer Sitzung fühlt man sich körperlich sehr vital, aber mental entspannt“, sagt Schneider. Eins fällt aber auf: Schneider ist der einzige Mann im Raum. „Vielleicht ein Prozent meiner Kursteilnehmer sind Männer“, sagt er.  Warum? „Für viele ist es verunsichernd, allein mit zehn Frauen im Kurs zu sein.“ Schneider selbst sei unter anderem mit drei Schwestern aufgewachsen. „Ich glaube, dadurch habe ich ein anderes Empfinden in solchen Situationen.“

Hatha Yoga heißt die genaue Yogaform, die in dieser Stunde geübt wird. „Hatha“ steht im Sanskrit für die Kraft und die Hartnäckigkeit, die notwendig sind, um ein Ergebnis zu erzielen. Dies heißt jedoch nicht, dass die gesamten 60 Minuten nur Fitnesstraining auf Hochtouren betrieben wird. Asanas, Pranayama (Atemübungen) und Meditation sollen im Zusammenspiel helfen, Gleichgewicht in Körper und Gedanken zu finden. Wer nur 30 Minuten am Tag wandere, baue Stresshormone ab und schütte Glückshormone aus, sagt er, dies sei wissenschaftlich erwiesen.

“Yoga kann ein toller Wegbegleiter im Leben sein“, findet Schneider. Dass Bewegung glücklich macht, hätten bereits die Begründer des Yoga gewusst. Der Grundgedanke von Hatha Yoga sei „Yoga macht glücklich“. Einen wesentlichen Unterschied zu Sport gebe es aber: „Beim Yoga haben wir Zeit, wir hören auf unser Körpergefühl.“ So wird beispielsweise die Dauer der einzelnen Übungen nicht in Minuten angegeben, sondern in der Anzahl der Atemzüge. Um fit zu bleiben, aber Ausgleich zu Sportarten wie Laufen oder Krafttraining zu finden: Dafür sei Yoga sehr gut, findet Teilnehmerin Dorothee Aretz. „Angefangen habe ich ursprünglich mit Tai Chi“, sagt die 63-Jährige. Vor vier Jahren kam sie zum Yoga.

Uwe Schneider gewann seine ersten Eindrücke von Yoga 1985 auf seiner ersten Indien-Reise. Drei Jahre später brach er nach einem Arbeitsunfall erneut Richtung Fernost auf. Diesmal dauerte die Reise 18 Monate. „Mit der transsibirischen Eisenbahn über Pakistan, China, und bis hin nach Indien“, sagt Schneider. Bei einem Mönch in China habe er „für längere Zeit“ gelebt und sich in Tai Chi geübt. In der Pilgerstadt Rishikesh am Himalaya habe er drei Monate in einem Ashram, einem indischen Kloster, verbracht. „Man bot mir an, länger zu bleiben und Novize zu werden“, sagt Schneider. Er lehnte ab. „Ein Leben ohne Frau – das konnte ich mir nicht vorstellen.“ Nach seiner Rückkehr aus Indien und Nepal lernte er seine erste Yoga-Lehrerin in Deutschland kennen, die auch seine Partnerin wurde – auch heute noch. Gemeinsam leiteten sie in Mönchengladbach eine Schule für Tai Chi Chuan und Yoga. „Ich habe das nie bereut“, sagt Schneider. „Aber das ist viel Arbeit, das muss man wirklich leben. Jetzt müssen wir auch mal Zeit für unser eigenes Leben finden.“