Brüggen: Gefeierte Premiere bei den Festspielen

Brüggen: Gefeierte Premiere bei den Festspielen

Für Goldonis Verwirrspiel "Diener zweier Herren" verwandelte sich das Gemäuer von Burg Brüggen in eine venezianische Kulisse. Dazu bot das NiederrheinTheater sein bisher größtes Ensemble auf.

Für die Premiere von Goldonis Lustspiel "Diener zweier Herren" verwandelten sich die wehrhaften Mauern der Burg Brüggen zur Bühne mit südlichem Flair. Im fünften Jahr der Niederrheinischen Theaterfestspiele führt das NiederrheinTheater das Verwirrspiel im Stil der Commedia dell'arte an insgesamt fünf Abenden auf.

Bei der Begrüßung zur Premiere gratulierte Bürgermeister Frank Gellen zum noch jugendfrischen Jubiläum, das mit der 725-Jahrfeier der Burg zusammenfällt. "Sie haben wie der in einen stillen See geworfene Stein immer größere Kreise gezogen. Sie haben Ihre Klasse und Qualität unter Beweis gestellt", würdigte er die Arbeit der Produktionsleiter Verena Bill und Michael Koenen. Beide gründeten 2006 das NiederrheinTheater und vor fünf Jahren die Niederrheinischen Theaterfestspiele in Brüggen.

Bevor die Premierenbesucher im sonnendurchfluteten Burghof in das komplizierte Verwirrspiel um den Diener Truffaldino eintauchen konnten, erlebten sie eine besondere Herausforderung ans Freilichttheater. Für Liveschaltungen hatte ein Fernseh-Team sämtliche Stromquellen für sich belegt. Bei dieser Aufgabe bewährten sich die jugendlichen Assistenten und Praktikanten Sophia Mutschler, Christina Wouters und Tibor Zombati, die zur Endpräsentation der Sommerschauspielschule mit ihrem Bühnenspiel die Festspiele eröffnet hatten.

Mit dem größten Ensemble in der Geschichte des NiederrheinTheaters zogen die Schauspieler als fahrende Truppe von der Wiese her in den Burghof ein. Unterstützung boten Bühnendarsteller aus dem Raum Köln sowie "Eigengewächs" Florian Tröger. Vor der Bühne und über den Innenhof verteilt, kündigten die Darsteller im Stil der Vaganten das Lustspiel mit dem Handlungsort Venedig an. Das Bühnenbild bot in schlichter Ausstattung den Raum, um für das Kommen und Gehen der Akteure ein vorzeitiges Aufeinandertreffen im turbulenten Verwechslungsspiel bis knapp vor Schluss zu verhindern.

Verena Bill bewährte sich als Regisseurin, Dramaturgin und Darstellerin der Beatrice, die als Mann verkleidet Venedig erreicht. Sie gab der Beatrice ein energisches Auftreten, mit Anwandlungen von Verzweiflung und Liebe. Einzig in der zusätzlich gemeisterten Nebenrolle ließ sie das Kammermädchen Blandini etwas zu einfältig wirken. Unter Bills Regie trafen die Monologe der komischen Hauptfigur im lebhaften Kontrast auf Gruppenszenen, inklusive Action, wie den kühnen Fechtkampf zwischen Christian Stock als Florindo und Dannie Lennertz als verzweifelter Bräutigam Silvio. Michael Koenen genoss seinen Part als Truffaldino, dem er eine witzige Mischung aus Einfalt, Überforderung und Raffinesse verlieh. Denn natürlich gerät der Diener zweier Herren bald an seine Grenzen und versucht, sich mit wirren Lügengeschichten zu retten. Herausragend gab Daniel Marré den Kaufmann Pandolfo mit den schillernden Facetten von Verschlagenheit, Berechnung und cholerischer Wut, bevorzugt im wütenden Streit mit dem Dottore (Cyrus Rahbar), der um die geplante Heirat zwischen Sohn Silvio und Pandolfos Tochter Rosaura (Carmen-Marie Zens) fürchtet. Thomas Lillig im Harlekinkostüm rundete mit italienischen Liedern die Typenkonstellation des Genres ab. Als alle Verwechslungen und Täuschungen überstanden waren, brandete langer Beifall auf.

(anw)
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