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Freunde von Kanew aus Viersen ohne Hilfstransport im Dezember

Vereine in Viersen : Freunde von Kanew sagen Transport ab

Seit 28 Jahren leistet der Verein Freunde von Kanew Hilfe in der Ukraine. In diesem Jahr findet erstmalig kein Hilfstransport im Dezember statt, der letzte Transport war im Oktober. Jetzt sind die Speditionskosten zu hoch.

Normalerweise sind es im Jahr drei Transporter, die von Dülken aus in Richtung Kanew rollen. Dafür sorgen seit 28 Jahren die Freunde von Kanew. Doch in diesem Jahr werden die Menschen in Kanew vergeblich auf den dritten Transporter und seinen Inhalt warten, der gerade das Weihnachtsfest ein großes Stück schöner gemacht hätte.

In diesem letzten Transporter eines Jahres befinden sich nämlich auch immer die Weihnachtspäckchen, die unzählige von Bürgern nicht nur aus Viersen für die Menschen in der ukrainischen Stadt mit viele Liebe packen. Denn es sind gerade die vielen zwischenmenschlichen Begegnungen, die das Vereinsleben der Freunde von Kanew prägen. Im Lauf der Zeit sind etliche Freundschaften zwischen den Menschen in Kanew und denen im Kreis Viersen entstanden. Zu Weihnachten drückt sich das in den Paketen aus, mit denen eine persönliche Freude gemacht werden soll. Doch nun ist es den Freunden von Kanew nicht möglich, den Transport umzusetzen. Die Speditionskosten sind explodiert. Sie haben sich verdoppelt.

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Normalerweise kostet ein Transport in die Ukraine zwischen 2400 und 2600 Euro. Nun liegen die Kosten der Spedition, die die Hilfsgüter transportiert, bei über 5000 Euro. „Es ist einfach zu teuer. Das ist Geld, das wir lieber in Hilfsgüter investieren würden als in einen einzigen Transport“, sagt der Vereinsvorsitzende Paul Schrömbges. Davon abgesehen, fällt es dem Verein schon nicht leicht, die Gelder für einen normalen Transport aufzubringen. Denn auch hier ist er rein auf Spenden angewiesen. So können die Bürger in diesem Jahr keine Weihnachtspakete ins Dülkener Lager bringen. Die Freunde von Kanew hoffen, dass sich die Lage im neuen Jahr entspannt und die Speditionskosten nicht auf diesem hohen Niveau stehen bleiben. „Sobald es uns möglich ist, wollen wir die für Dezember geplante Hilfslieferung nachholen. Wir stehen in einem ständigen Austausch mit der Spedition“, sagt Schrömbges.

Das Lager in Dülken hat derzeit indes noch ausreichend Platz, um weitere Hilfsgüter aufzunehmen, die möglicherweise von Unternehmen und anderen Unterstützern gespendet werden. Mohammad Faruq Faruqi, der das Lager leitet, kann noch Material unterbringen. Die Weihnachtspakete mit Lebensmitteln  können natürlich nicht angenommen werden, da es in den Sternen steht, wann es wirklich wieder nach Kanew geht.

Im Oktober bewegten sich die Transportpreise noch im normalen Niveau. So ging turnusmäßig ein Lastwagen mit elf Tonnen Material in die Partnerstadt. Am 4. Oktober fuhr die Spedition los, um drei Tage später anzukommen. „Wobei die Zolldeklarationen immer umfangreicher werden“, berichtet Schrömbges. Auf dem letzten Transport befanden sich unter anderem viele Fahrräder und Gehhilfen der unterschiedlichsten Art für Senioren. Dazu kamen Material für die Schulen sowie Schuhe und Bekleidung. „In Kanew herrscht nach wie vor bittere Armut. Das Land befindet sich im Krieg und die Menschen leiden darunter“, erzählt Schrömbges von der aktuellen Situation, die von den ukrainischen Mitarbeitern vor Ort durchgegeben wird.

Die Menschen brauchen nach wie vor humanitäre Hilfe und die wollen die Freunde von Kanew auch leisten. Schrömbges spricht von einer großen Unterstützung durch die Bürger in Viersen und Umgebung. Er hofft, dass dies so bleibt, auch wenn jetzt erstmalig mit einer jahrzehntelangen Tradition gebrochen werden muss.