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Freispruch für Viersener im Prozess wegen versuchten Mordes

Urteil gefallen : Freispruch im Prozess wegen versuchten Mordes

Der Viersener muss in eine Entzugsklinik.

Im Prozess wegen versuchten Mordes durch Brandstiftung ist am Donnerstag ein 36-jähriger Viersener vor dem Landgericht Mönchengladbach freigesprochen worden. Er muss jedoch in eine Entzugsklinik. Damit folgte die Kammer den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Der Angeklagte hatte die Brandlegung am vorletzten Prozesstag eingeräumt. Am Tatabend habe er Papier angezündet und auf den Teppichboden geworfen. Als er seine Wohnung in Viersen-Süchteln kurz darauf verlassen habe, habe es bereits eine starke Rauch- und Flammenentwicklung gegeben.

Laut eigenen Angaben habe er über eine Gefährdung anderer nicht nachgedacht, obwohl er kurz darauf an die Türen zweier Nachbarn geklopft habe, um sie zu warnen. Sein direkter Nachbar wurde nur durch Zufall von einem Feuerwehrmann gerettet, der privat in der Nähe des Tatortes unterwegs war und von einer Passantin auf das Feuer aufmerksam gemacht wurde.

Bei dem Brand in Süchteln im Juli 2019 entstand ein Sachschaden von 500.000 Euro, das Haus ist bis heute nicht bewohnbar. Angeklagt war der Viersener wegen versuchten Mordes aus Heimtücke, schwerer Brandstiftung sowie versuchter Brandstiftung mit Todesfolge. „Wer ein Wohnhaus in Brand setzt, weiß, dass Feuer nicht beherrschbar ist“, so der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Der Nachbar habe nicht mit dem Feuer rechnen können, sei arg- und wehrlos gewesen. Alle Vorwürfe träfen daher zu.

Der Angeklagte habe sich jedoch zum Tatzeitpunkt im Zustand einer cannabis-induzierten psychotischen Störung befunden. Durch den Drogenmissbrauch zutage gekommene Wahnvorstellungen sollen letzten Endes zu der Brandstiftung geführt haben: „Der Angeklagte vermutete Männer und Monster im Keller, fühlte sich bedroht“, erklärte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers in seiner Urteilsbegründung. „Sein Tatmotiv war, diese Bedrohung durch das Feuer beseitigen zu wollen.“ Der Angeklagte hatte in seiner Einlassung erklärt, dass er keinen anderen Ausweg gesehen habe, um sich zu schützen. Erst in der Haft habe er bemerkt, dass er halluziniert habe.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel, somit ist das Urteil rechtskräftig.