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Kreis Viersen: Freie Bahn für die Vernunft

Kreis Viersen : Freie Bahn für die Vernunft

Das Ende des Eisernen Rheins ist nach Auffassung von Bürgermeistern und Dezernenten auf deutscher und niederländischer Seite eine sehr gute Entscheidung. Sie setzen auf den Ausbau der Strecke von Venlo bis Rheydt.

Niederkrüchtens Bürgermeister Herbert Winzen ist zuversichtlich, dass das Thema Eiserner Rhein ein für allemal erledigt ist. "Ich habe ohnehin nie ernsthaft daran geglaubt, dass die von Oliver Wittke ins Spiel gebrachte Alternativstrecke entlang der A 52 jemals gebaut wird." Winzen und sein noch etwas skeptischer Schwalmtaler Kollege Reinhold Schulz ("Ich habe damit zu viel erlebt") erklärten, dass sie den Ausbau der Strecke Dülken-Kaldenkirchen begrüßen. Das sei eine große Chance für Personenverkehr auf der Schiene.

Die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, sich in den kommenden Jahren mit der Wiederbelebung der Bahnstrecke von Antwerpen aus ins Rheinland nicht mehr zu beschäftigen, ist in der Region mit großer Genugtuung aufgenommen worden. Die Vernunft habe gesiegt, heißt es. Unterstützung finden die Bundestagsabgeordneten, die stattdessen den Ausbau der Strecke Venlo-Rheydt in den neuen Bundesverkehrswegeplan hieven wollen. Er soll 2015 fertig sein und ist Voraussetzung für die folgende Ausbauplanung.

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Viersener Bedingung

Lediglich Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen zögert noch. Er verknüpft angesichts hitziger Debatten im Rat seine Zustimmung zum Ausbau der Bahnstrecke mit der Bedingung, dass die Viersener Kurve aus den Planunterlagen gestrichen werden muss. "Dieses Damoklesschwert schwebt weiterhin über Viersen. Ich erwarte möglichst schnell Klarheit, dass die Strecke gestrichen wird."

In den Niederlanden überschlugen sich gestern die Nachrichten zum "IJzeren Rijn". Für Roermonds Beigeordneten Gerard IJff, er ist Sprecher der Gemeinden, durch die der Eiserne Rhein führt, ist die Nachricht aus Berlin nur "logisch". Die Reaktivierung der alten Strecke sei unbezahlbar. Wenn der Eiserne Rhein endgültig aufgegeben werde, könne Roermond endlich wichtige planerische Vorhaben einleiten. Die Strecke verläuft ebenerdig mitten durch die Stadt.

Venlos Beigeordneter Mark Verheijen sieht bereits "neue Möglichkeiten, um von Venlo aus Nordrhein-Westfalen und den Rest Deutschlands zu versorgen." Deutschland müsse daran interessiert sein, Güterströme aus Rotterdam ins Land zu holen. Die Kapazität auf der Brabantroute Rotterdam-Venlo müsse ebenfalls erhöht werden.

Eine "gute Entwicklung" sieht der Sprecher der Venloer Unternehmerschaft, Theo Stroeken. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Logistikunternehmens Seacon mit Niederlassungen in Venlo und Duisburg erwartet auch, dass die Strecke zwischen Venlo und Rheydt ausgebaut wird. "Der Aufwand ist mit 50 Millionen Euro denkbar geringer als die Reaktivierung der eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke des Eisernen Rheins".

Die Umweltorganisation Milieufederatie Limburg, die zahlreiche Initiativgruppen gegen den Eisernen Rhein bündelt, sieht ihre jahrelange Basisarbeit bestätigt. Mehrere Natura 2000-Gebiete in den Grenzgebieten zu Deutschland (Meinweg) und Belgien (Budeler Berge) würden nun geschützt und Güterströme intelligent verteilt.

(RP)