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Frauen organisierten jahrzehntelang Adventsbasar in Schwalmtal-Lüttelforst

Erlebnisse beim Adventsbasar in Lüttelforst : Als ein Chinese für 100 Euro Kekse wollte

Zentnerweise Kekse, jede Menge Likör und Marmelade: Die Frauen vom Adventsbasar in Schwalmtal-Lüttelforst haben seit mehr als fünf Jahrzehnten regelmäßig auf ein Wochenende hingearbeitet. Ihre schönsten Erinnerungen und Erfolge.

Zwei Zentner Kekse in 30 verschiedenen Sorten, 200 Gläser Marmelade, 150 Fläschchen Likör, ein Zentner Kartoffelsalat – Resi Birker, Edith Hubertz, Hildegard Michels und Margrit Wynhoff erinnern sich noch sehr genau an viele Details ihrer Basare.

Edith Hubertz ist 86 Jahre alt, Margrit Wynhoff 78 Jahre – beide sind die Frauen der ersten Stunde des Adventsbasars in Lüttelforst. Sie waren jetzt ins Bauerncafé Bolten in Schwalmtal-Lüttelforst gekommen. Gemeinsam mit etwa 30 weiteren Gästen, weit mehr Frauen als Männer. Sie hatten sich versammelt, um ein wenig zu feiern.

„Viel geschafft – viel gelacht – viel geholfen“ mit diesem Motto wäre eigentlich schon alles gesagt: Seit 1971 hat ein Kreis der katholischen Frauengemeinschaft Lüttelforst einmal jährlich ein Wochenende lang einen Adventsbasar auf die Beine gestellt  – es ging ums Basteln, Handarbeiten, Backen und Kochen und um die Organisation bis hin zum Verkauf. „Der Nachmittag soll die Wertschätzung für die Arbeit der Frauen ausdrücken“, erklärte Ria van de Flierdt-Bonsels.

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Sie hat die Kaffeetafel für die Besucher in das Programm der elften Natur- und Kulturtage Lüttelforst des Fördervereins Kultur und Tradition Lüttelforst aufgenommen. „Der Basar ist eine Institution“, sagt van de Flierdt-Bonsels. „Die Frauen haben die Not in der Welt gesehen und sich solidarisch erklärt.“ Denn die Erlöse gingen in den ersten Jahren an die Leprahilfe – beim ersten Basar 1971 kamen 3000 DM zusammen. Später wurden die Einnahmen aufgeteilt und Kirchenprojekte wie der Ankauf von Krippenfiguren unterstützt oder Geld an die Schwalmtaler Tafel, das Kinderhaus Viersen und weitere lokale soziale Einrichtungen gegeben.

„Wer erinnert sich denn noch an lustige Anekdoten?“, fragte van de Flierdt-Bonsels bei dem Treffen. Da fiel den Frauen das Aachener Ehepaar ein, dessen Tradition es war, jährlich am ersten Advent nach Lüttelforst zu fahren, das begehrte Weißbrot („Nachts um 3 Uhr haben wir angefangen zu backen“, so Resi Birker) zu kaufen, Kaffee zu trinken, spazieren zu gehen und dann wieder nach Aachen zurückzufahren. Oder die Geschichte mit dem Bus voller chinesischen Touristen, der durch Schwalmtal fuhr: Ein Gast stieg aus, besuchte den Basar und wollte eine Tüte Kekse kaufen, hatte aber nur einen 100-Euro-Schein. Gegen diesen wollte er – sich des Wertes dieses Geldscheins offenbar nicht bewusst – die Kekse eintauschen. Die Frauen schenkten sie ihm schließlich. „Ich habe mich immer auf das Basarwochenende gefreut“, erklärt Wynoff. „Wir sind alle befreundet und hatten viel Spaß miteinander.“ Allerdings: „Es gab auch mal Streit“, geben Birker und Michels zu. „Wenn die Nerven angespannt waren und ein falsches Wort fiel. Aber nach zehn Minuten war wieder alles vergessen.“

Und weil „Nach dem Basar vor dem Basar ist“, trafen sich die Frauen immer schon ab Januar, um zu häkeln, zu stricken, zu nähen und zu basteln. Als die Mode sich änderte, fiel das Gestrickte und Gehäkelte weg. Stattdessen gab es Betonfiguren, Essbares, Blaudruck und Adventskränze. Und noch mehr: „Ich habe ein Jahr lang Trödel gesammelt, aufgearbeitet und auf dem Basar verkauft“, erinnerte sich Wynhoff. So viel Arbeit, so viel Engagement. Warum das alles? „Aus Dankbarkeit, weil wir gesund sind“, sagt die 78-Jährige und ergänzt: „Damit es den Kindern, die wir unterstützen, gut geht.“ „Es macht einfach viel Spaß und wir waren froh, dass wir uns treffen konnten“, erklärt Birker. Und auch Hildegard Michels bestätigt: „Die Gemeinschaft ist schön.“