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Viersen: Frau Holle schneit in die Festhalle

Viersen : Frau Holle schneit in die Festhalle

Am Wochenende zieht die Volksbühne Viersen mit dem Märchen der Gebrüder Grimm in die Viersener Festhalle ein. Die letzten Proben laufen auf Hochtouren. Vier Vorstellungen sind an drei Tagen geplant.

Im Probenraum der Volksbühne Viersen in der Kulturwerkstatt herrscht Gewusel. Zwischen den einzelnen Bühnenelementen wie dem Haus von Frau Holle, dem großen Brunnen, dem Stadttor und dem Backofen treffen die Mitglieder der Theatergruppe letzte Vorbereitungen. Bernd Schüren verwandelt sich in den Brunnenmeister und Peter Gierke in den Müller Klapperrad. "Das Kleid ist nicht zum Luftholen gemacht", meint Barbara Sahl-Viergutz lachend, deren Frau-Holle-Outfit gerade von Marlies Sommer, der Regieleiterin, geschlossen wird.

Die eine sucht fehlende Klammern, der nächste ruft nach Bändern. "Darf ich mal mit der Wiese durch", sagt Schüren, der ein Bühnenelement in den Händen hält. Für die erste Szene wird nämlich mehr Platz benötigt, und die Wiese muss weichen. "Das Haus der bösen Stiefmutter Sieben steht noch auf dem Speicher, und das Dach liegt im Flur", verrät Katrin Schoel, die Vorsitzende der Volksbühne Viersen. Der Probenraum ist eindeutig für die gewaltigen Kulissen von Frau Holle zu klein. Aber auf die Bühne der Festhalle zu den vier Aufführungen von Freitag an wird alles passen.

Derweil hat es sich Frank Leetz mit dem dicken Textbuch am Rand des Probenraums gemütlich gemacht. Er ist heute Abend der Souffleur — und "der sprechende Backofen wie auch der sprechende Baum", wie er verrät. Ein letzter Blick von Sommer in die Runde: Alle sind fertig, es kann losgehen. "Der Hahn fängt an", ordnet sie an und imitiert ein dreifaches lautes Dingding. Die Theaterglocke hat geläutet.

Jutta Schreurs als Hahn baut sich vor dem imaginären Publikum auf und leitet kindgerecht in das Märchen von Frau Holle ein. Und dann geht es los. Stück für Stück stellen sich die Figuren im Spiel vor. Die böse Stiefmutter Frau Sieben alias Ellen Bohne gibt einen ersten Einblick in ihre Niedertracht, wobei ihr ihre Tochter Mariechen (Anke Bridonneau) in nichts nachsteht. Der ewig niesende Brunnenmeister der Müller samt Sohn Hans (Jan Viergutz), der in Annemarie (Sarina Langer), die Stieftochter von Frau Sieben, verliebt ist, was der Müller gar nicht gerne sieht, da "sie arm ist wie eine Kirchenmaus", und der gewiefte Bertel (Clara Sommer), der seine Ohren und Augen überall hat — das Märchen nimmt seinen Lauf.

Texte, Mimik und Gestik sitzen hervorragend. Ab und zu gibt es eine kleine Korrektur von der Regie. Herrlich anzusehen, wie Julie Hüskens als Katze Mauzeminchen im Fenster von Frau Holles Haus liegt und sich putzend beobachtet, wie Frau Holle Annemarie kennenlernt. Ein jeder der Schauspieler überzeugt in seiner Rolle und verkörpert sie bis ins Detail, selbst wenn noch Requisiten wie das Spinnrad und die Spindel fehlen und auch noch keine Brote im Ofen liegen. Eins ist sicher: Auf die Aufführungen von "Frau Holle" am kommenden Wochenende können sich die Besucher freuen.

(tref)