Schwalmtal: Fischwanderung im Garten

Schwalmtal : Fischwanderung im Garten

Der Schwalmverband weihte gestern eine weitere Fischtreppe ein. Acht aktive Mühlen gibt es an der Schwalm. Die Mühlrather Mühle ist die fünfte, an der die Fische nun den künstlich angelegten Höhenunterschied überwinden.

Ralf Mocken, Besitzer der Mühlrather Mühle, und Thomas Schulz vom Schwalmverband ziehen die metallene Absperrung in die Höhe. Gurgelnd sucht sich das Wasser der Schwalm seinen Weg. Es läuft nun nicht mehr nur über die beiden Mühlräder, sondern auch durch die neue Fischaufstiegsanlage.

85 Meter weit schlängelt die sich durch den Garten der Familie Mocken. 70 Zentimeter pro Sekunde legt das Wasser zurück, schnell sieht es aus, als sei die Schwalm hier schon immer geflossen. Seit Juli war die Anlage inoffiziell in Betrieb, für die offizielle Eröffnung wurde sie gestern noch einmal geleert.

Acht verschiedene Arten

Die vielen Fische, die dabei gefunden wurden, landen für die Zeit der Feier in einem Aquarium. Acht verschiedene Arten konnten unterschieden werden. Gründling und Hasel sind dabei, auch der Flussbarsch ist vertreten. Vor einigen Wochen noch hat Mocken einen Aal gesichtet. Dessen Wanderzeit endet aber Ende September. Thomas Schulz erinnert in seinem Vortrag an die Zeit der Schwalm vor 1000 Jahren, als sich der flache Fluss durch einen dichten Erlenwald schlängelte — teilweise bis zu einem Kilometer breit.

Aber schon vor 900 Jahren wurden die ersten Mühlen an der Schwalm gebaut, veränderten die Landschaft. Für die allermeisten Tiere war hier Endstation. "Mit der Anlage sind nun 87 Prozent der Schwalm wieder durchgängig für die Fische", sagt Schulz stolz. Nur am Oberlauf, auf dem Gebiet der Stadt Wegberg, gebe es drei Mühlen, die noch Hindernisse darstellten.

"Lebendige Gewässer" wolle man in NRW haben, sagt Hans-Josef Düwel vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Düsseldorf. Gewässer seien so prägend für das Land, dass sie vielerorts — wie auch in Schwalmtal — Namensgeber für die Orte seien. Man wolle nicht zurück zur Urzeit, auch die Mühlen stellten wichtiges Kulturgut dar. Es gehe aber darum, den Lebensraum lebenswert zu machen — auch für Menschen.

Die Familie Mocken hat jetzt zwar einen Garten, durch den sich malerisch die Schwalm schlängelt, aber sie hat für den schwierigen Ausgleich zwischen allen Interessen auch Kompromisse machen müssen. So ist es nur noch begrenzt möglich, den Stromgenerator zu betreiben, der seit Jahrzehnten in Betrieb ist. Auch der Aalfang ist nur noch eingeschränkt möglich. Beides nämlich fordert einen starken Wasserabfluss über die Mühlräder. Oberhalb der Mühle fürchteten die Anrainer, der Wasserspiegel könne sinken und ihnen die Ufer und Stege beschädigen.

Unterhalb muss noch genug Wasser ankommen, weil sonst der Hariksee, der an einigen Stellen ohnehin zu verlanden droht, nicht genügend gespeist wird. In Präzisionsarbeit haben der Schwalmverband und das Ingenieurbüro CDM aus Düsseldorf diesen Spagat hinbekommen: Gerade so viel Wasser, dass die meisten Fischarten aufsteigen können, läuft durch die Treppe.

(hah)
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