Viersen: Fischsterben in der Niers durch Gülle?

Viersen : Fischsterben in der Niers durch Gülle?

Auf den Feldern an der Niers wurde kürzlich eine Gülle-ähnliche Substanz ausgebracht – dann starben die Fische. Der Bund für Umwelt und Naturschutz vermutet einen Zusammenhang, Fachämter bestreiten dies.

Auf den Feldern an der Niers wurde kürzlich eine Gülle-ähnliche Substanz ausgebracht — dann starben die Fische. Der Bund für Umwelt und Naturschutz vermutet einen Zusammenhang, Fachämter bestreiten dies.

Dieser dunkle Schlamm wurde auf die Erde aufgebracht. Zunächst wuchs nichts mehr. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Beim Spaziergang an der Niers zwischen Süchteln und der Eisenbahnbrücke in Richtung Neersen stieg Rosi Lehmann ein unangenehmer Geruch in die Nase. Ihr fiel ein Tankwagen mit niederländischem Kennzeichen auf, dessen Inhalt auf Güllewagen mit hiesigem Kennzeichen verladen wurde. Lehmann, Mitglied des Bund für Umwelt und Naturschutz, wunderte sich. "Der Landwirt brachte anschließend eine fast schwarze, gülleähnliche Masse auf die Wiesen gegenüber dem Pumpwerk Viersen aus. Es war kein grünes Hälmchen mehr zu sehen", erzählt sie. Sie fotografierte die Aktion.

Kurze Zeit später wurden in der Niers tote Fische gefunden, unter anderem in der Nähe des Bereichs, in dem Lehmann das Ausbringen aus den Tankzügen verfolgt hatte. Sie wandte sich an die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Viersen und gab den Vorfall an — auch, weil vor zwei Jahren ebenfalls nach dem Düngen von Wiesen an der Niers die Fische starben. Bei der Behörde versprachen ihr Mitarbeiter, sich die Stelle anzuschauen und die Sache zu untersuchen. "Doch trotz mehrmaliger späterer Anrufe erhielt ich keine weiteren Auskünfte mehr", erzählt Lehmann.

"Der konkrete Fall ist schlecht gelaufen", sagt Axel Küppers, Sprecher des Kreises. Normalerweise gehe das Amt Hinweisen immer sofort nach. Doch im Fall von Lehmann war dies aufgrund von urlaubs- und krankheitsbedingten Ausfällen nicht passiert. Ein Mitarbeiter des Technischen Umweltamts fuhr deshalb erst an die Stelle, als die Rheinische Post nachfragte. Da war kaum noch etwas zu sehen, Wasserproben aus der Niers wurden nicht genommen.

Küppers erklärt nun, dass trotz der verspäteten Prüfung kein Zusammenhang zwischen dem Fischsterben und dem Düngen der Wiesen bestehe, da "das Fischsterben fünf Kilometer südlich der Wiesen stattfand und die Fische lediglich die Niers hintertrieben". Zudem sei in Landschaftsschutzgebieten wie an der Niers die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung grundsätzlich zugelassen. "Dazu gehört auch das Aufbringen von Gülle", sagt Küppers. Ob ordnungsgemäß gedüngt wurde, lässt sich indes nicht mehr feststellen.

Auch beim Niersverband geht man davon aus, dass das eine Düngen nichts mit dem Fischsterben zu tun habe. "Der niedrige Wasserstand führte zu einer schnelleren Aufheizung des Wassers. Das hatte wiederum einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser zur Folge, woran die Fische letztendlich gestorben sind", sagt Margit Heinz, Leiterin der Pressestelle.

Eine Nachfrage bei der Landwirtschaftskammer NRW ergab, dass es sich bei der "Gülle" höchstwahrscheinlich um Gärreste aus einer Biogasanlage gehandelt habe — diese ist dunkler als Gülle, riecht anders und hat eine andere Konsistenz. Doch auch diese dürfe auf die Felder in angemessener Menge und ausreichendem Abstand aufgebracht werden. Ob dies an der Niers erfüllt war, lässt sich aber inzwischen nicht mehr klären. Immerhin: Der Kreis hat angekündigt, aus dem Versäumnis zu lernen, dass Rosi Lehmanns Beschwerde nicht nachgegangen wurde. In Zukunft wolle man sich sofort um derartige Hinweise kümmern, sagt Kreissprecher Küppers. FRAGE DES TAGES

(RP)
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