Fischsterben befürchtet - Feuerwehr belüftet Seen im Kreis Viersen

Hitzeperiode : Algen – Feuerwehr muss Seen belüften

Der Sauerstoffgehalt in den Seen im Kreisgebiet ist durch die Hitze stark gesunken. Ein Fischsterben droht. Blaualgen haben bereits mehrere Gewässer befallen. Jetzt reagieren die Feuerwehren.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Nettetal und Schwalmtal haben damit begonnen, stehende Gewässer zu belüften. „So einen Einsatz hatten wir seit mehr als 30 Jahren nicht mehr“, erklärte Leo Thoenissen, Stadtbrandmeister von Nettetal. Grund: Weil seit Wochen kein Regen fiel und durch die anhaltend warmen Temperaturen ist der Sauerstoffgehalt in den Seen und Weihern dramatisch gesunken. Seit Donnerstagmorgen, 9 Uhr, pumpten Thoenissen und elf weitere Einsatzkräfte mit Sauerstoff angereichertes Wasser in drei Seen im Stadtgebiet – insgesamt rund 1,2 Millionen Liter. Heute und in den kommenden Tagen sollen die Arbeiten fortgesetzt werden. Bereits am Mittwoch hatte die Freiwillige Feuerwehr Schwalmtal den Weiher im Kaiserpark mit sauerstoffhaltigerem Wasser belüftet.

Dass die Situation kritisch ist, weiß man auch bei der Unteren Wasserbehörde.  Sie teilte am Donnerstag mit: „Aufgrund der anhaltenden Hitze und trockener Witterung sind die Seen im Kreis Viersen von Algen befallen.“ Erfreulich: Das einzige Badegewässer im Kreis, der Heidweiher, ist – noch – nicht betroffen. Wohl aber die Netteseen. Dort haben sich Blaualgen angesiedelt. Anders als Name und Aussehen vermuten lassen, handelt es sich nicht um Algen, sondern um Bakterien. Ihre Farbe kann je nach Art schwanken, oft erscheinen sie nicht blau, sondern grün. Kommen Blaualgen mit Haut und Schleimhäuten in Kontakt, kann es bei empfindlichen Personen zu Reizungen, Bindehautentzündungen oder Ohrenschmerzen kommen. Wird das Wasser verschluckt, drohen außerdem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, aber auch Atemwegserkrankungen. Neben Menschen trifft das Problem auch Hunde und andere warmblütige Tiere. Das Leibnizinstitut für Ostseeforschung Warnemünde warnt: „Bei Tieren, die mit den Toxinen angereichertes Wasser getrunken haben, ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Todesfällen gekommen. Bekannt ist dies von Rindern, Hunden und Enten.“ Der Kreis Viersen weist  darauf hin, dass keiner der Netteseen ein Badegewässer ist. Wegen der Wetterlage sei die Entstehung von Algenblüten auf allen Gewässern möglich.

Bereits vor Wochen entstanden auf dem Hariksee Grünalgen. Seit vergangener Woche entfernt der Schwalmverband sie so weit wie möglich. Vollständig können die Algen allerdings nicht entfernt werden, so dass bei einer vermehrt auftretenden Algenblüte und anschließendem Absterben auch ein Fischsterben nicht auszuschließen ist. Bei derzeitiger Windrichtung würden sowohl die Algen als auch möglicherweise tote Fische in Richtung Südosten geschwemmt werden.

Die Freiwillige Feuerwehr Nettetal nutzt für die Belüftung das Wasser der Seen selbst. „Wir pumpen das raus; führen es durch ein Strahlrohr mit Luftmantel, wodurch der Sauerstoffanteil steigt“, erklärte Thoenissen. Zudem steige der Sauerstoffgehalt der Seen auch an, weil das Wasser mit großem Druck in den See zurückgesprüht wird. Thoenissen erklärt: „Dabei wird auch Luft mitgerissen und sorgt dafür, dass der Sauerstoffanteil im Seewasser steigt.“

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