Filament-Show in Viersen in der Festhalle

Show in Viersen : Zirkusspektakel über jugendliche Liebe

Mit klassischen Zirkusnummern in aufgepeppter Szenerie zeigten Artisten bei „Filament“ in der Festhalle Akrobatik, Theater und Tanz.

Die roten Bänder schlängeln sich von Beinen und Körper. Es wirkt, als würde die Akrobatin im freien Fall durch die Stoffbahnen gleiten. Ein geübter Griff, passend zum Rhythmus der Musik, und die junge Frau posiert in der Luft hoch über dem Boden. Applaus und Pfiffe mischen sich unter den Beat der Musik der Gruppe Florence and the Machine.

Die Artisten bei der Zirkusshow von Joseph Pinzon tragen keine auffälligen Kostüme und schrilles Make-up, sondern T-Shirts und Hosen. Doch hinter der schlichten Schale verbirgt sich eine umso buntere und meisterhafte Mischung. Beim Adelaide Fringe Festival in Australien wurde das Ensemble vor zwei Jahren ausgezeichnet. Pinzon, der die „Filament“-Show kreiert hat, arbeitete bereits auch für den Cirque du Soleil.

Die Bühne der Festhalle ist zwar mit wenigen Requisiten ausgestattet – die Künstler des Zirkusspektakels „Filament“ stehen mit ihren Tänzen, Figuren in der Luft und Salti im Mittelpunkt. Und nehmen bereits im ersten Moment die Bühne, den ganzen Raum der Festhalle komplett für sich ein.

In kleinen Stücken erzählt das Ensemble in knapp zwei Stunden in der Festhalle kurze Geschichten von Liebe und Freundschaft und dem alltäglichen Leben – aber auf eine unalltägliche Art. Lippenstift und Wimpernzange greift eine der Akrobatinnen so zum Beispiel nicht etwa mit den Händen, sondern mit den Füßen. Ein heruntergefallenes Haarband wird zum Anlass für einen Flirt, und in Tanzstücken zeigen Paare, wie aus einer ersten Begegnung Liebe wird.

Im Wechsel zwischen Solo-Acts, Nummern zu zweit oder im Kollektiv führt die akrobatische Künstlertruppe fast eine Art Theater auf. Klassische Nummern wie ein Tanz mit einem großen Ringreif, Luftakrobatik mit einem Ring und Bändern oder akrobatische Kunststücke am Bühnenboden sind in einer modernen, jugendlichen Szenerie verpackt.

Es ist dabei nicht nur eine Aneinanderreihung von Einzelnummern: Die Auftritte verschmelzen zu einer Mischung aus verschiedenen Akrobatikformen, Contemporary, Theater und Broadway-Atmosphäre. Zwar mit weniger Glamour und Glitzer als auf den ganz großen Musical-Kulissen, aber mit vielen Momenten für Gänsehaut und begeisterten Applaus, der immer wieder aus den restlos gefüllten Reihen in der Festhalle erklingt.

Die Künstler schlüpfen für die Filament-Show in die Rolle von Teenagern. Nerdig, schüchtern, übermütig, wild. Verletzt und traurig, aber zum Schluss gehören dann doch alle zusammen und die zerstrittenen Paare versöhnen sich. Die Show pendelt zwischen High-School-Musical und Zirkusshow, eine unterhaltsame Mischung. Leicht zu verstehen, unkompliziert und wandelbar.

Zwar hat jeder Artist aus der Gruppe eine Kerndisziplin – doch immer wieder zaubern die Frauen und Männer Tricks für die Nummern ihrer Mitstreiter aus dem Ärmel. Bei einer Nummer mit mehreren Hula-Hoop-Reifen schnappen die Kollegen der Artistin kurzerhand einfach ein paar der Ringe weg und zeigen ein paar Tricks, bevor die Hauptakteurin sich ihre Utensilien zurückholt.

Die Musik in der Show ist modern, Musik von The Ting Tings oder Kings Of Leon liefern den Soundtrack. Es ist der Wechsel zwischen lustig, gefühlvoll, sinnlich, komisch, überspitzt und einfühlsam, die einen beim Zusehen nicht müde werden lassen.

Die Künstlerformation, die an diesem Abend in der Festhalle begeistert, ist international. Aus Deutschland, aber auch aus Kanada, den USA und Australien ist The Circus Club zusammengestellt. Und zeigt, dass nicht nur Kostüme und opulente Ausstattung die Show machen. Ein Klappstuhl, zwei Seile, drei Artisten: Den Künstlern reicht das, um das Spektakel von zwei Frauen, die sich um denselben Mann streiten, theatralisch, komisch und dabei auch noch sexy darzustellen. Zwei Akrobaten stellen nur mit Körpersprache, Musik und Tanz die Entwicklung vom ersten Treffen bis zum ersten Kuss dar.

Die kleinen Geschichten im Stück drehen sich alle um Gefühle, die wohl jeder kennt, jeden Geschlechts, jeden Alters: Liebe, Trauer, Eifersucht, Wut. Freundschaft und Freude. Das ist mit Sicherheit ein weiterer Grund, warum an diesem Abend nicht nur junge Zuschauer zu dem Stück einen Zugang finden.

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