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Viersen: Fesselnder Abend in der Festhalle

Viersen : Fesselnder Abend in der Festhalle

Der junge Amerikaner Kit Armstrong und die Bochumer Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Steven Sloane rissen das Publikum beim dritten Sinfoniekonzert in Viersen zu Beifallsstürmen hin

"Kit Armstrong ist die größte musikalische Begabung, die mir je begegnet ist", so äußerte sich vor einigen Jahren der berühmte Pianist Alfred Brendel. Von diesem großen Lob aus berufenem Munde konnten sich die Zuhörer in der wieder einmal so gut wie ausverkauften Viersener Festhalle anlässlich des dritten Sinfoniekonzertes überzeugen.

Als Armstrong erschien, war es, als würde ein größerer Schuljunge das Podium betreten und nicht ein 24-Jähriger mit einer schon jetzt Achtung gebietenden Vita. Freundlich dem Dirigenten zunickend und bar aller Künstlerallüren, setzte er sich an den Flügel, und dann konnte das Auditorium nur noch staunen. Das großformatige Klavierkonzert a-Moll op.16 von Edvard Grieg erstand vor ihm in unbändiger musikantischer Frische.

Selbstverständlich verfügt der Gast über makellose Anschlagskultur und technische Brillanz, vor allem aber erstaunte sein reifes Eintauchen in die Strukturen des von nordischer Herbheit ebenso wie von träumerischen Kantilenen geprägten Tongemäldes. Immer war Armstrong über Blickkontakt mit dem ihn aufmerksam beobachtenden Dirigenten Steven Sloane "im Gespräch" - und dadurch auch im Einklang mit den einfühlsam begleitenden Bochumer Symphonikern.

Dieses Miteinander-Verwobensein machte die Interpretation des spätromantischen Konzertes zu einem Ausnahmeerlebnis. Die Zuhörer waren begeistert und freuten sich über eine frühbarocke Zugabe, die ein wenig zu lang geriet.

Mit der Tondichtung "Ein Heldenleben" von Richard Strauss (1864-1949) unterstrichen die Bochumer in der vom Komponisten vorgeschriebenen großen Besetzung, dass sie zu Recht zu den wichtigsten Konzertklangkörpern im Westen gehören. Sloane, seit 22 Jahren Chef des Orchesters, aber auch weltweit gefragt, ist spürbar mit "seinen" Musikern verwachsen - jede schlagtechnische Nuance wissen sie sofort umzusetzen. Die einzelnen Sätze des von autobiografischen Zügen nicht freien Opus - Strauss sah das Werk wohl als Resümee seines bis dahin geleisteten kompositorischen Schaffens an - gestalteten die Musiker in erfrischender Vielfalt, gewürzt mit beachtlichen Sololeistungen. Hier sei stellvertretend die Konzertmeisterin Christine Fischer-Eisenbrand gewürdigt, die ihr umfangreiches Solo im dritten Teil mit großem, einschmeichelndem Ton meisterte. Heikel sind auch die gefürchteten Hornpassagen, doch auch hier ist nur Lob am Platze - ebenso für die Holzbläser, denen als Ausdruck der "Widersacher des Helden" gewollt disharmonische Einwürfe zugedacht sind. Mit einer pompösen Akkordfolge endet das Werk, dessen fesselnde Wiedergabe das Publikum mit großem Applaus honorierte.

(oeh)