FDP will Bürgerentscheid zur Bäderfrage in Brüggen

Brüggen : FDP will Bürgerentscheid zur Bäderfrage

Nach ihrer Klausurtagung haben sich die freien Demokraten für eine interkommunale Lösung ausgesprochen. Doch die Bürger sollen mitreden dürfen, fordert die FDP. Sie will auch das Brachter Bad auf unbestimmte Zeit offen halten

Die Brüggener FDP-Fraktion will die Bürger befragen, ob sie ein gemeinsames Schwimmbad mit der Nachbargemeinde Niederkrüchten wollen oder nicht. Zwar hat die Fraktion dazu eine eigene Meinung – sie will das interkommunale Bad – doch die Bäderfrage sollte die Politik nicht allein lösen, findet Fraktionschef Andreas Bist.

Ob die FDP damit bei den anderen Fraktionen im Rat auf offene Ohren stößt, vermag er noch nicht zu sagen. Bist: „In der Politik kommt immer wieder die Diskussion auf, ob man Bürger befragen soll. Häufig wird argumentiert, dass wir doch gewählte Vertreter der Bürger sind, also stellvertretend für sie eine Entscheidung treffen. Man muss auch nicht immer die Bürger über alles entscheiden lassen, aber wir denken, dass Bürger bei so großen Dingen befragt werden sollten.“ In der politischen Entscheidung solle dann das Votum der Bürger berücksichtigt werden. Bist: „Wenn die Bürger sagen, wir wollen kein interkommunales Bad, dann haben wir ja noch weitere Optionen.“

In Brüggen und Niederkrüchten wird seit Monaten diskutiert, ob die insgesamt vier maroden Bäder aufgegeben, saniert oder neu gebaut werden oder ob beide Kommunen gemeinsam ein großes Bad errichten sollten. In Brüggen sind derzeit beide Bäder – das Hallenbad an der Hochstraße in Brüggen und das Lehrschwimmbecken am Südwall in Bracht – in Betrieb. Das Brachter Bad soll Ende 2018 aufgegeben werden. In Niederkrüchten wurde das Freibad mit Blick auf die notwendige Sanierung in diesem Sommer nicht geöffnet. Im Hallenbad in Elmpt sollen Badegäste bald wieder schwimmen können.

Den Antrag auf einen Ratsbürgerentscheid hat die FDP schon an Bürgermeister Frank Gellen (CDU) geschickt. Danach soll der Rat in seiner Sitzung am 2. Oktober beschließen, einen Bürgerentscheid zum möglichen Bau eines interkommunalen Bades durchzuführen. Die Verwaltung solle dazu eine geeignete Ja-Nein-Frage erarbeiten und dem Rat für die nächste Sitzung zur Abstimmung vorlegen. Außerdem soll die Verwaltung einen Termin für einen Bürgerentscheid vorschlagen.

Mit dem Antrag auf einen Ratsbürgerentscheid verknüpft die FDP die Hoffnung, dass die Bürger umfassend über die Bäderproblematik in der Gemeinde informiert werden. Bist: „Es wird oft in die eine oder andere Richtung diskutiert, ohne die Fakten zu kennen.“ Das Thema sei emotional aufgeladen, „wir hoffen, es dadurch wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen“.

Die freien Demokraten selbst halten ein interkommunales Bad für die beste Lösung, erklärt Bist. In der Klausurtagung habe seine Fraktion über die Zahlen und Fakten diskutiert, die das Architekturbüro Krieger vorgelegt habe, und das Vorhaben mit anderen Modellen verglichen. Bist: „Für uns ist ein interkommunales Bad für den Steuerzahler langfristig am günstigsten.“ Zwar stehe die Summe von 21 Millionen Euro für den Bau im Raum, „aber man muss auch sehen, dass sich zwei Gemeinden die Kosten teilen, das sind zehn Millionen Euro für jeden“, so Bist. Auch seien die Folgekosten für das interkommunale Bad geringer als für einzelne kleinere Bäder in den beiden Gemeinden.

In Niederkrüchten hat sich der Rat bereits für die interkommunale Lösung ausgesprochen. Dort wartet man derzeit auf ein Signal aus Brüggen. Denn erst, wenn die Politik in Brüggen entschieden hat, ob sie ein interkommunales Bad will oder nicht, wissen auch die Niederkrüchtener, ob sie nun mit dem interkommunalen Bad planen können oder überlegen müssen, ob und wie es mit Freibad und Hallenbad weitergehen soll. Viele Bürger dort unterstützen die Initiative von zwei Niederkrüchtenern, die mit einer Online-Petition und Unterschriftenlisten für den Erhalt des Freibads werben. In Brüggen beschäftigt sich der Betriebsausschuss am Donnerstag, 6. September, mit dem weiteren Vorgehen für die Planung des interkommunalen Bades, für den Rat steht das Thema am Dienstag, 2. Oktober, auf der Tagesordnung. Bürgermeister Frank Gellen empfiehlt den Fraktionen, die Verwaltung zu beauftragen, die weitere Planung für ein interkommunales Bad mit Niederkrüchten voranzutreiben und dazu Anträge auf Zuschüsse zu stellen.

Nach Einschätzung der Verwaltung sichere ein solches Bad das (schul-)sportliche Angebot, trage dem demografischen Wandel Rechnung, verbessere die Lebensqualität, stärke Tourismus und Naherholung und gebe den Gemeinden die Chance, „sich im Wettbewerb mit anderen Kommunen prägnant zu positionieren und ihr Profil zu schärfen“.

(biro)
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