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Kreis Viersen: Falscher Schmuck: Die Maschen der Betrüger

Kreis Viersen : Falscher Schmuck: Die Maschen der Betrüger

Trickbetrügereien mit unechtem Schmuck sind offenbar gerade in Mode. Jede Woche zeigen arglose Kunden dem Juwelier Rainer von Weidenfeld Schmuckstücke, die sie auf der Straße erhalten haben. In der Regel sind es Fälschungen.

Zwei bis drei Mal pro Woche kommt es vor, dass Leute enttäuscht das Geschäft von Rainer von Weidenfeld verlassen. Nicht, weil der Juwelier nicht das passende Schmuckstück für sie hätte. Sie wollten wissen, was beispielsweise der Ring wert ist, den sie kürzlich gefunden haben. Die Antwort des Juweliers lautet in der Regel: "Nichts! Der Ring ist gefälscht."

"Seit einem Dreivierteljahr kommt es ständig vor, dass Kunden mit unechtem Schmuck zu mir kommen", sagt der Juwelier von dem alteingesessenen Goldschmiedehaus in der Viersener Innenstadt. Ein Blick genügt dem Experten, um die Fälschung zu erkennen. Die Lupe muss er dafür selten zücken.

Die Art und Weise, wie die Leute zu dem gefälschten Schmuck kommen, läuft bei der Polizei unter Trickbetrug und Trickdiebstahl. Mehrere Methoden sind bekannt.

Erste Masche - Autobahngold: Eine anscheinend hilfesuchende Person steht gestikulierend am Autobahnrand. Wenn ein hilfsbereiter Passant anhält, erzählt der "Hilfesuchende" eine mitleiderregende Geschichte, dass er eine Panne habe, aber kein Bargeld und dringend zu einem Termin respektive Krankenbesuch oder Todesfall müsse. Im Tausch oder als Pfand für das Geld zum Tanken bietet er Schmuck an, den er am Körper trägt. Nicht selten werden die Ketten oder Ringe als Erbstücke ausgewiesen, und nicht selten gibt die Person ihre Visitenkarte dazu ab. Viele Menschen fühlen sich darauf hin verpflichtet zu helfen. In aller Regel erweist sich der Schmuck als wertloser Tand. "Bei dieser Art des Trickbetrugs wird die Hilfsbereitschaft der Menschen ausgenutzt. In Viersen hatten wir an Pfingsten an der Autobahnauffahrt zu Dülken einen solchen Fall", sagt Harald Moyses, Sprecher der Polizei im Kreis Viersen.

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Die Fälle von "Autobahngold" werden beim Landeskriminalamt (LKA) registriert. Die Täter kommen laut LKA in der Regel aus Südosteuropa. "2013 lagen die Zahlen für NRW im zweistelligen Bereich, ebenso wie in der ersten Hälfte dieses Jahres", sagt LKA-Sprecherin Heidi Conzen. "Die Bedeutung dieser Art des Trickdiebstahls würden wir aber als rückläufig einstufen. Es sind derzeit andere Betrugsmaschen auf dem Vormarsch."

Zweite Masche - der Kettentrick: Trickbetrüger fragen meist Senioren nach dem Weg oder zeigen ihnen eine Karte. Während das Opfer in ein Gespräch verwickelt wird, tauschen die Täter echten Schmuck gegen gefälschten aus oder sie bedanken sich überschwänglich, um dabei den Schmuck zu vertauschen. Sechs Fälle verzeichnete die Polizei im ersten Halbjahr 2014 im Kreis. "Im vergangenen Jahr hatten wir acht Fälle", berichtet Moyses.

Dritte Masche - die Finderlohn-Abzocke: Sie wird meist nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Mehrere betrogene Kunden haben dem Viersener Juwelier aber davon berichtet. Sie funktioniert in etwa so: Auf der Straße fällt ein Gegenstand zu Boden. Ein argloser Passant bückt sich und findet einen massiv aussehenden Goldring. Zeitgleich bückt sich als Finder ein anderer Passant, der Trickbetrüger. Damit es keine Diskussionen um das Fundstück gibt, bietet der Täter an, der andere Finder solle ihm 20 oder 50 Euro geben als Finderlohn und dafür den Schmuck behalten. Auch in diesen Fällen ist der Schmuck immer gefälscht. "Vielen Leuten ist das peinlich. Sie gehen damit nicht zur Polizei, zumal sie den Ring ja eigentlich auch auf dem Fundamt hätten abgeben müssen", erzählt von Weidenfeld. Vorsicht und ein gesundes Misstrauen sind angebracht, sobald auf der Straße Schmuck ins Spiel kommt. "Es gibt für Laien Erkennungsmerkmale, mit deren Hilfe sie gefälschten Schmuck erkennen können", sagt der Juwelier. Eines betrifft breite Goldarmbänder mit Ornamenten. "Wenn auf der Rückseite dieser Armbänder kleine Vierecke ineinander verschränkt sind, so dass es wie Burgzinnen aussieht, können Sie davon ausgehen, dass es eine Fälschung ist", sagt er. Ein zweites Erkennungsmerkmal ist der Stempel. Gefälschter Schmuck weist oft zwei Stempelaufdrücke auf: einmal in Karat und einmal den Goldgehalt in 1000 Teilen. "Bei den gefälschten Ringen ist dies häufig ein 750er- und ein 18-Karat-Stempel", erklärt der Juwelier. In Deutschland werde ausschließlich die Angabe in 1000 Teilen gestempelt, andere Länder wiederum hätten noch den Karatstempel. Mit dem Doppelstempel sei die Fälschungen international verwendbar. "Die falschen Stempel sind außerdem oft grob und unsauber an den Konturen, weil sie gegossen sind, während echte Punzierungen sehr fein sind, weil sie in das Edelmetall eingeschlagen werden". sagt von Weidenfeld.

Im Umlauf seien derzeit Siegelringe ohne Stein, aber mit unscharfem Motiv sowie schwere schlichte Goldringe, so von Weidenfeld. "Anders als Modeschmuck werden diese Stücke produziert, um Menschen zu täuschen. Da steckt richtig kriminelle Energie hinter."

Sind Sie selbst bereits einmal Opfer eines solchen oder ähnlichen Trickbetrugs mit unechtem Schmuck geworden? Unter www.facebook.com/rp.viersen können Sie uns von Ihren Erfahrungen berichten.

(RP)