Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Viersen richtet erstmals eine „Werkstatt Kindeswohl“ aus

Netzwerken in Viersen : Große Konferenz zum Kindeswohl

Im Kreis Viersen steigen seit Jahren die Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen. Die Stadtverwaltung ruft jetzt alle Institutionen an einen Tisch. Das Echo ist gigantisch — gut 200 Leute nehmen an dem Treffen teil.

Die Hinweise kommen meist von Verwandten oder Bekannten – Kinder sind gefährdet. Innerhalb von fünf Jahren hat sich im Kreis Viersen die Zahl der „Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls“ mehr als verdoppelt – von 234 im Jahr 2013 auf 549 im Jahr 2018. Stellten die Jugendämter im Jahr 2013 in 35 Fällen eine akute Kindeswohlgefährdung fest, waren es 2018 insgesamt 80 Fälle. In 95 Fällen diagnostizierten die Mitarbeiter eine latente Kindeswohlgefährdung, in 204 Fällen einen Hilfebedarf bei den Erziehungsberechtigten.

Der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Viersen richtet jetzt erstmals eine „Werkstatt Kindeswohl“ aus, lud dazu Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen ein: Kinderärzte, Psychiater, Polizisten, Schulsozialarbeiter, Mitarbeiter des Schulamts, Vertreter des Kreissportverbands, der NEW, auch Juristen, natürlich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Das Echo war gigantisch: Mehr als 200 Teilnehmer haben sich zu dem Treffen angemeldet, das diesen Mittwoch im „Forum“ am Rathausmarkt stattfindet.

„Es geht uns darum, mit allen Netzwerkpartnern in den Austausch zu kommen“, erklärt Viersens Sozialdezernentin Çigdem Bern. „Die Teilnehmer bringen ihre Perspektiven ein. Mir geht es darum, dass wir Anregungen, Ideen und Vorschläge bekommen, wie wir unsere Arbeit noch wirkungsvoller gestalten können.“ So sehr sich Aufgabenstellung und Herangehensweise der Beteiligten unterscheiden: „Alle haben das Ziel, bestmögliche Ergebnisse für die ihnen anvertrauten Kinder und Familien zu bewirken“, erklärt Bern.

Das vierstündige Programm ist umfangreich: Nach der Begrüßung geben die Akteure in Kurzinterviews eine Einschätzung zum Thema. Daran schließen sich Arbeitskreise an. Diese bieten Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung zu den Themen Frühe Hilfen, Inklusion, Kinderarmut und Kindeswohlgefährdung.

Der Vorsitzendes des Jugendhilfeausschusses, CDU-Ratsherr Thomas Gütgens, sagt: „Ich unterstütze das Ansinnen ausdrücklich, das Thema Kindeswohl ausführlich und von verschiedenen Seiten zu beleuchten.“ Die hohe Zahl der Anmeldungen zeige, dass damit ein Nerv getroffen wurde. Vernetzung und alltägliche Kooperation seien maßgeblich für einen guten Kinderschutz, findet Bern. Die „Werkstatt Kindeswohl“ soll den Auftakt für eine verstärkte Beschäftigung mit den Themenblöcken „Vorsorge“ und „Intervention“ bilden. Bern: „Langfristiges Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren ein gutes Handlungskonzept für die Familien in der Stadt Viersen zu erarbeiten.“