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Gegen Lebensmittelverschwendung: Facebook-Nutzer teilen ihr Essen miteinander

Gegen Lebensmittelverschwendung : Facebook-Nutzer teilen ihr Essen miteinander

Die 370 Mitglieder der Gruppe "Foodsharing Viersen" verschenken untereinander ihre übrig gebliebenen Lebensmittel.

Nach einer am Freitag veröffentlichen Studie der Umweltorganisation WWF zur Lebensmittelverschwendung gehen in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren. Rund 60 Prozent der Abfälle fallen in der Wertschöpfungskette an, 40 Prozent werfen die Verbraucher weg. Pro Person sind das etwa 90 Kilogramm im Jahr. Facebook-Gruppen wie "Foodsharing Viersen" möchten dem entgegenwirken.
Der Begriff Foodsharing hat seinen Ursprung bei der gleichnamigen internationalen Initiative, die 2012 entstanden ist. Dabei können Privatpersonen ihre Lebensmittel als sogenannte virtuelle Essenskörbe auf einer Website anbieten, wo sie auf einer Karte öffentlich angezeigt werden. Wenn sich jemand dafür interessiert, kann er sich bei der Person melden. Dabei geben die Nutzer ihre Nahrungsmittel immer gratis ab.

Nach diesem Prinzip funktionieren auch die Facebook-Gruppen, die sich seit einigen Jahren in vielen Städten organisieren. Während sie in Großstädten wie Berlin oder Mainz über 12.000 Mitglieder haben, sind es bei der Gruppe "Foodsharing Viersen", die Isabel Halfpap (36) im September erstellt hat, noch rund 370.

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Wer zu viel Essen eingekauft oder gekocht hat, was aber noch gut ist, schreibt das in die Facebook-Gruppe. "Mag jemand Wachsbrechbohnen? Stehen nur rum. Müssten aber in St. Tönis abgeholt werden. Zwei Gläser", schreibt zum Beispiel ein Mitglied. Wenn jemand die Lebensmittel noch haben möchte, meldet er sich bei der Person und klärt über Privatnachrichten Genaueres zur Abholung.

Wie die Gruppe entstanden ist, berichtet die Gründerin Isabel Halfpap: Die Dülkenerin arbeitet bei einer Seniorenbetreuung und hatte dort einen alleinstehenden Kunden, der selbst nicht besonders gerne koche, erzählt sie. Da sie oft mehr Essen als nötig zubereite und das nur ungern wegschmeiße, habe sie diesem Kunden angeboten, ihm etwas von ihrem gekochten Essen abzugeben, was er dankend annahm. So sei sie erstmalig mit dem Konzept Foodsharing in Kontakt gekommen. Sie habe dann auf Facebook geschaut, ob es im Kreis Viersen Gruppen gibt, in denen Leute ihr Essen teilen. "Leider gab es da nichts. Deshalb dachte ich, mache ich einfach selbst eine Gruppe auf", sagt die 36-Jährige. Sie erzählt, sie habe schon häufiger ihr Essen in der Gruppe abgegeben und auch von anderen Mitgliedern welches bekommen. "Bisher hat es mir immer gut geschmeckt und auch von meinen Tauschpartnern habe ich noch nichts Negatives gehört. Die Stimmung in der Gruppe ist recht entspannt."

Auch Gruppen-Mitglied Julia Wintel (32) ist begeistert: "Ich finde die Gruppe super, weil einfach zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden." Vor allem den lokalen Charakter findet sie praktisch: "Eigentlich müsste es solche an Regionen gebundene Facebook-Gruppen viel häufiger geben."

Obwohl die Lebensmittel von meist fremden Personen kommen, hat Halfpap dabei keine Bedenken: "Die meisten gekauften Lebensmittel sind ja verschlossen, zum Beispiel, wenn man jemandem eine Packung Kekse schenkt." Wintel sieht das ähnlich: "Ich finde es zwar gut, das zu hinterfragen, aber ich denke, wer Mitglied in der Gruppe ist, hat da generell keine Befürchtungen."