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Brüggen: Etwas gegen die Tristesse tun

Brüggen : Etwas gegen die Tristesse tun

Bracht soll wieder schöner werden. Deshalb hat die Gemeinde ein Büro beauftragt, das einen Dorfentwicklungsplan aufstellen soll. Der Großteil der Ideen für die Zukunft soll von denen kommen, die es betrifft – den Brachtern selbst.

Bracht soll wieder schöner werden. Deshalb hat die Gemeinde ein Büro beauftragt, das einen Dorfentwicklungsplan aufstellen soll. Der Großteil der Ideen für die Zukunft soll von denen kommen, die es betrifft — den Brachtern selbst.

In der Markt- und der Königstraße, dem einstigen Zentrum von Bracht, habe sich Tristesse breit gemacht, sagt Brüggens Bürgermeister Gerhard Gottwald. Er erzählt, dass es eine Generation gegeben habe, in der viele Bürger Geschäfte dort betrieben. Doch die Kinder und Enkel dieser Leute übernahmen die Geschäfte nicht. Viele Läden mussten schließen. "Dabei ist der Zusammenhang des Ortskerns verloren gegangen", sagt Gottwald.

Die Gemeinde will etwas gegen diese Entwicklung tun. Die Gemeinde hat das Aachener Planungsbüro Urgatz beauftragt, einen Dorfentwicklungsplan zu erstellen. Das kostet 36 500 Euro netto, 40 Prozent davon hat die Bezirksregierung als Förderung genehmigt. Den Rest zahlt die Gemeinde.

Der Dorfentwicklungsplan soll verschiedene Ideen enthalten, wie Bracht schöner und belebter werden könnte. "Der Ort soll etwas bieten können", sagt Astrid Urgatz, die Projektleiterin. "Die Menschen müssen sich sicher fühlen können in ihrem Umfeld." Sie erklärt, dass dies vor allem durch Neubaugebiete in vielen Orten verloren gegangen sei — das soziale Gefüge sei nicht mitgewachsen. Für die Verschönerung von Bracht soll nun erst das soziale Gefüge geschaffen werden, bevor der Ort auch baulich verändert wird.

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Dafür binden Urgatz und zwei ihrer Kolleginnen vom Planungsbüro die Brachter Bürger ein: In einer Bürgerversammlung und einem Workshop (siehe Info-Kasten) sollen sie Vorschläge dafür liefern, wie sie sich Bracht wünschen würden.

Astrid Urgatz hat vor einigen Jahren bereits in Born die Dorfentwicklung begleitet. Die Gemeinde hatte sie vor sieben Jahren eingeleitet. Inzwischen wurden dort der Dorfplatz umgebaut, markante Punkte umgestaltet und ein Spielplatz eröffnet. Zwischen 100 000 und 120 000 Euro habe die Gemeinde Brüggen dafür ausgegeben, schätzt Dieter Dresen, Leiter der Brüggener Bauverwaltung. "Die Borner haben handwerklich viel mitgearbeitet", sagt Gottwald. Der Verschönerungsprozess von Born sei noch nicht abgeschlossen, aber es habe sich viel getan.

Auch für Bracht sehen Bürgermeister und Planer Perspektiven. So sucht die Verwaltung gerade nach jemandem, der das Hotel König pachtet. "Dort ein Café unterzubringen, wäre traumhaft", findet Gottwald. Er hält es für möglich, dass der Brachter Ortskern die Versorgung für die 6700 Einwohner übernimmt. Genügend Kaufkraft gäbe es, allerdings kauften viele Menschen woanders ein.

Laut der Planerin Astrid Urgatz muss das nicht so sein — gerade angesichts hoher Spritpreise überlegten sich heute viele, ob sie zum Einkaufen weite Wege mit dem Auto in Kauf nehmen. Auch Kinder und ein Teil der Senioren seien nicht mobil, für sie solle es deshalb Geschäfte geben. Sie glaubt außerdem, dass sich Investoren für solche Geschäfte finden könnten. Schließlich habe nach der Wirtschafts- und Finanzkrise kaum jemand Lust dazu, sein Geld auf der Bank liegen zu lassen. "Alle investieren in Immobilien."

Bis die Dorfentwicklung in Bracht abgeschlossen ist, könne dies mehr als zehn Jahre dauern. Aber das Beispiel Born zeige, dass sich wirklich etwas bewegen lasse, sagt Gottwald.

(RP/rl)