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Erste Prinzessinnen-Proklamation in Brüggen-Bracht

Brauchtum in Brüggen : Erste Prinzessinnen-Proklamation in Brüggen-Bracht

„Für mich geht ein großer Traum in Erfüllung“, sagt Nora I., die neue Regentin der Kinder-Karnevalsgesellschaft Brachter Wasserratten. Nach 50 Karnevalszügen ist es das erste Mal, dass kein Prinz auf dem Wagen stehen wird.

Der Hoppeditz wurde einen Tag verspätet vom Speicher der Brachter Mühle geholt und ins Dorfzentrum geschleppt. Im Brachter Bürgersaal machten die Tanzmädchen den noch schlummernden Hoppeditz munter, als sie ihn rüttelten und schüttelten. Er bewegte sich dann allmählich, gähnte und sprang schließlich auf. Und dann tanzte er mit ihnen auf der Bühne.

 Der Hoppeditz wurde in der Brachter Mühle geweckt und dann zum Feiern gebracht.
Der Hoppeditz wurde in der Brachter Mühle geweckt und dann zum Feiern gebracht. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Die Kinder-Karnevalsgesellschaft Brachter Wasserratten sorgte bei der Prinzenproklamation für ein Novum in der Vereinsgeschichte. Nach 50 Karnevalszügen mit einem Prinzenpaar steht nun am Nelkensamstag ganz alleine hoch oben auf dem Wagen die neue Prinzessin Nora I. (Stockbrink): „Das werde ich genießen.“ Es gab ein Prinzenpaar während der Corona-Pandemie auf Lauerstellung, das dann doch nicht mehr antrat. Verabschiedet wurde das Vorgänger-Prinzenpaar Fynn I. (Schneider) und Nele I. (Strucken) der Session 2019/20. Der Termin des Abschieds hatte sich bei den beiden nun um ein Jahr verschoben. „Einmal ist Schluss, Ihr habt eine schöne Zeit gehabt und wart ein tolles Prinzenpaar“, sagt Friedhelm Strucken, der durch den Abend führte.

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Fynn I. gab das Zepter und Nele I. das Diadem an die Prinzessin Nora I. weiter. Die beiden wünschten der neuen Regentin. „Habt eine geile Zeit mit viel Spaß und Freud‘.“ Und sie bekam den neuen Wasserratten-Sessionsorden. Die Prinzessin nahm die erste Amtshandlung vor, als sie die Orden auf der Bühne an die Mitglieder der Gesellschaft verteilte. „Für mich geht ein großer Traum in Erfüllung. Auf die Schnelle fand ich wohl keinen geeigneten Prinzen“, sagte lachend die elfjährige Brachterin, Schülerin der Klasse 6 an der Janusz-Korczak-Realschule Waldniel mit den Lieblingsfächern Englisch und Religion. „Ich habe schon mehrere Prinzenpaare begleitet. Das hat schon immer viel Spaß gemacht.“

So ganz allein ist sie aber nicht, sie hat ihre Adjutantinnen Anja Schrömges und die Ex-Prinzessin Nele Strucken zur Seite und immer das weitere Gefolge im Rücken. Nora I. trägt ein schickes Kostüm in den Wasserrattenfarben blau-weiß. „Das wurde für mich extra zugeschnitten und angepasst“, erzählt sie. Die Antrittsrede von Prinzessin Nora I, die Wasser und Fanta trinkt, am liebsten Pizza und Döner isst und Spinnen, Lakritz und Marzipan schrecklich findet, an das närrische Volk war kurz und prägnant: „Helau zusammen, ab heute möchte ich hier das Zepter schwingen, doch erst mag ich mit einem Lob beginnen: Fynn und Nele – wunderbar! Ihr wart ein super Prinzenpaar! Als Prinzessin Nora I. begrüß‘ ich euch heut’, zwar ohne Prinz – aber mit doppelt viel Freud‘. Nach der schweren Zeit wollen wir ungehindert feiern, hoffentlich ohne Einschränkungen, ohne Rumeiern. Lasst uns gemeinsam eine tolle Zeit verbringen, ohne Frust, Stress und all den negativen Dingen.“

13 Vorschläge gab’s für das Motto zum Nelkensamstagszug durchs Dohlendorf. Das närrische Volks entschied sich mit Mehrheit für den Slogan: „In Braut da fiert man Karneval, die Pandemie sie kann uns mal.“ Die Prinzessin hat künftig viele Verpflichtungen: Wenn es die Pandemie zulässt, wird sie in der neuen Session zu 20 Auftritten unterwegs sein.