Viersen: Erst philosophieren, dann frittieren

Viersen: Erst philosophieren, dann frittieren

In der Galerie im Park konnten die Besucher essbare Skulpturen erstellen — mit Messer und Witz

"Ich lass' mich von der Kartoffel inspirieren." - "Für Grobmotoriker ist das hier aber eine Herausforderung!" - "Ist das eine Rakete oder eine Babyrassel?" - "Oder doch eher ein Bleistift?" - "Ohne meine Brille seh' ich gar nichts." - "Liegen die Pflaster bereit?"

Ein Kartoffel-Maya von Teilnehmerin Sandra Inglis. Auch gut mit Mayo. Foto: Busch Franz-Heinrich sen.

Etwa ein Dutzend Gäste haben am Dienstagabend den Weg in die Städtische Galerie gefunden, wo ein langer Tisch hergerichtet ist, um "high end"-Fritten herzustellen. Ein großer Korb mit Kartoffeln wird herumgereicht. Mit Messer und Humor machen sich die Gäste gemeinsam mit Künstler Matthias Schlamp ans Schnitzwerk.

Schlamp gelingt es, Kunst im wahren Sinne des Wortes greifbar zu machen. In der Ausstellung "Künstler auf Reisen" in der Städtischen Galerie, nimmt er mit Objekten aus seinem Projekt "Mythos-Grill" teil. Schlamp sammelt "alltagsarchäologische" Dinge aus Imbissstuben: eindimensionale griechische Säulen, vorgetäuschte Schlusssteine und ähnliches.

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Er schafft einen arkadischen Ort, einen fiktiven Sehnsuchtsort, den auch heute noch unbewusst Reisende suchen, ob sie nun in die Dominikanische Republik fliegen, mit dem Campingwagen unterwegs sind oder sich auf eine Bildungsreise begeben. In Viersen stand Schlamp bereit, nicht nur humorvoll und tiefgründig über dieses Arkadien in der Gegenwart zu reflektieren, sondern auch zum Frittieren einzuladen.

Ob nun Rassel, Rakete, Bleistift, ob Boot, Maske, Haus oder Ohr: die "high-end"-Kartoffelobjekte gelangten in die Fritteuse und von dort über den Umweg über das Fotoshooting in den Magen der Kreativen. Urkunden für die Teilnehmer des Mythos-Grill-Gestaltungswettbewerbs lag auch bereit. Die hohe und die alltägliche Kultur treffen sich bei Schlamp, ohne dass das eine das andere veralbert. Der Künstler hat noch viele Ideen dazu im Gepäck, auf die man sich freuen kann. Denn es ist sehr wohltuend, der Kunst einmal unbefangen und lachend zu begegnen und dabei interessante Anregungen mitzunehmen.

(f-r)