Erika Bodewig feiert 100. Geburtstag in Niedrkrüchten

100 Jahre alt : Erika Bodewig feiert 100. Geburtstag

Aus Berlin folgte Erika Bodewig ihrem Mann ins Rheinland. Sie zog vier Kinder groß, arbeitete noch mit 71. Sie ging gern ins Theater, machte Handarbeiten, reiste. Vielleicht ist Umtriebigkeit ein Grund für ein solch langes Leben.

Wenn man Erika Bodewig fragt, was ihr Rezept für ein langes Leben ist, dann sagt die heute 100-Jährige lächelnd: „Ich weiß es auch nicht. Ich bin die erste in meiner Familie, die so alt wird.“ Vielleicht liegt es daran, dass Bodewig stets aktiv war: Erst mit 72 Jahren schied die gebürtige Berlinerin aus dem Arbeitsleben aus, hatte zuvor mit Ehemann und fünf Kindern stets viel zu tun.

Und dabei gelang es ihr, sich selbst nicht zu vergessen, wie Tochter Elke Rembges erzählt: „Meine Mutter war eine adrette Frau. Stets gut frisiert, sie trug gern Kleider und Hut.“ Deshalb sei ihr Spitzname Grace Kelly gewesen, nach dem amerikanischen Filmstar. Gern machte Erika Bodewig sich schick, ging ins Theater, wenn Komödien auf dem Spielplan standen. „Ich war oft in Düsseldorf“, erinnert sie sich.

Erika Bodewig als junge Ehefrau. Sie folgte ihrem Mann nach Neuss. Foto: Bodewig. Foto: Bodewig

Und auch in ihrer Freizeit ruhten ihre Hände nicht: „Ich habe viel Handarbeiten gemacht, gestrickt und genäht. Und ich konnte gut zeichnen“, erzählt die Dame mit dem schlohweißen Haar, die erst vor vier Jahren in das St.-Laurentius-Altenheim in Niederkrüchten-Elmpt umzog. An den Wänden dort hängen Fotos aus ihrer Geburtsstadt Berlin und von den zahlreichen Familienmitgliedern.

Die Jubilarin mit zwei Töchtern, auf dem Arm ein Sohn. Foto: Bodewig

Reisen gehörte ebenfalls zu ihren Hobbys: Mit Ehemann Waldemar machte sie regelmäßig Urlaub im Westerwald. Der Grund war simpel: Waldemar Bodewig wollte ungern in ein Flugzeug steigen. Das tat Erika Bodewig dann nach seinem Tod vor 14 Jahren allein. Mehrmals besuchte sie Spanien, fühlte sich auf der Insel Mallorca sehr wohl. Noch mit 80 Jahren war sie dort.

Als Erika Bodewig in Berlin geboren wurde, entstand gerade die Weimarer Republik. Auch die Herrschaft der Nationalsozialisten, den Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder hat sie in den folgenden Jahrzehnten miterlebt. Heute sind ihr manche Erlebnisse aus ihrem langen Leben präsenter als andere. Ihre Kindheit und Jugendzeit etwa, die sie mit zwei Geschwistern und ihren Eltern in Berlin-Charlottenburg verbrachte. Oder ihre spätere Ausbildung zur Kinderpflegerin. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Es war schön, mit Kindern zusammen zu sein“, erinnert sie sich. Ihrem Mann, der aus Neuss stammte, folgte sie als junge Ehefrau ins Rheinland. Dort wurden die drei Mädchen und die beiden Söhne geboren. „Meine jüngste Tochter starb mit zehn Jahren bei einem Unfall. Das war sehr traurig“, erinnert sich Erika Bodewig. Eine große Familie sei ihr immer wichtig gewesen. Als die Kinder älter waren, arbeitete sie wieder – zunächst in der Schmuckabteilung, später als Betriebsrätin im Warenhaus Kaufhof. „Ich habe immer gern gearbeitet“, erzählt die Jubilarin.

Ihren Ehrentag am Mittwoch, 19. Dezember, will Erika Bodewig mit ihrer großen Familie verbringen. Dazu gehören sechs Enkel, fünf Urenkel und ein Ururenkel. Sie freut sich auf ihr Lieblingsgemüse Schwarzwurzeln – und darüber, einen dreistelligen Geburtstag feiern zu können.

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