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Brüggen: Er macht's noch einmal

Brüggen : Er macht's noch einmal

Porträt Bürgermeister Gerhard Gottwald (60) tritt zum letzten Mal bei der Kommunalwahl am 30. August an. In die ausgehende Ära fallen Großprojekte wie Mehrzweckhallenbau und Erschließung des Sportzentrums Bracht.

"Mach's nochmal" steht auf den Wahlplakaten, die Gerhard Gottwald mit seiner Frau Alexa eigenhändig in der Burggemeinde aufgehängt hat. Das war die Bitte der CDU. "Es macht noch Spaß und es gibt einiges zu tun", versichert der Bürgermeister seine Bereitschaft, auch nach 42 Dienstjahren, davon 20 als Chef im Brüggener Rathaus, weitere fünf Jahre im Amt zu bleiben. "Danach allerdings ist Schluss", sagt er entschlossen.

Meilensteine für Brüggen

In seine letzte Amtsperiode fallen Meilensteine in der Gemeindegeschichte: Im Frühjahr soll Baubeginn für die Mehrzweckhalle in Brüggen sein, das Konjunkturpaket hilft bei Errichtung eines Energiezentrums für Rathaus und Schulen. Bracht erhält einen Kunstrasenplatz, und für den Umbau der Zufahrt zur Sportanlage ist der Plan fertig, der Zuschussantrag gestellt. Das Gesundheitszentrum Borner Straße hat für Gottwald "eine sehr große strukturelle Bedeutung, und die Einsprüche Einzelner geben nicht die breite Basis wieder".

2007 und '08 waren mit Gewerbesteuer-Rekordeinnahmen "die besten Jahre seit Bestehen der Gemeinde". Für Gottwald der Beweis: "Die Rahmenbedingungen stimmen. Die Firmen haben Erfolgsstorys gehabt." Das Brachter Gewerbegebiet Christenfeld will die Gemeinde bis zur B 221 erweitern, zur Expansion von Ziegelhersteller Laumans in Bracht ist vorgesorgt, allerdings könnte der Standort Brüggen, sofern er aufgegeben wird, eine große städtebauliche Aufgabe bescheren. In der touristischen Entwicklung – die Kasematten sind neue Attraktion und zwei feste Liegen auf der Burgwiese ständig belegt – ist mit der Brachter Mühle ein Brückenschlag gelungen. Gottwald kennt die Eifersüchteleien zu Brüggen. "Die Brachter haben eine gemeindliche Infrastruktur, die für 6800 Einwohner ihresgleichen sucht", betont er. Und der Bürgermeister, seit 20 Jahren passives Mitglied der Alten Herren von TSF und TuRa, fügt augenzwinkernd an: "Im Fußball spielt Bracht jetzt immerhin eine Klasse höher als Brüggen."

Gottwald sucht den Ausgleich zum öffentlichen Leben in der Natur beim Joggen und in der Familie. Sonntags kommen die Töchter Britta (31), Anlageberaterin in Düsseldorf, Daniela (30), Wirtschaftsingenieurin in Aachen, und Sandra, die in Aachen Spanisch und Deutsch auf Lehramt studiert, zum Frühstück. "Das ist Kult bei uns." Rückzugsgebiet ist der Hang-Garten mit Frosch- und Fischteich. Ein kleiner Baum hat 150 Pfirsiche getragen, aus Feigen und Holunder kocht Alexa Marmelade. Tomaten reifen der Sonne entgegen, die auf dem Dach die neue Solaranlage speist. Während die beiden auf der Terrasse Burundi-Tee trinken (Geburtstagsgäste spendeten 6000 ­ für Pater Marius' Waisenhaus), schwärmen sie von der Hochzeit des Patensohnes in Kolumbien. Gottwalds haben der Festgesellschaft Wiener Walzer beigebracht, die Brauteltern revanchierten sich mit Salsa-Unterricht. In fünf Jahren wollen die beiden mehr reisen – gerne auch nach Burundi.

(RP)