Zukunft der Rösler-Brache in Schwalmtal Entwicklung muss finanziert werden

Analyse | Schwalmtal · Die Fronten in der Diskussion um das MLP-Vorhaben auf der kontaminierten Rösler-Brache sind verhärtet. Am Montag, 1. August, läuft im Planverfahren die Frist für die Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange ab.

 Die Grafik zeigt die vier Verkehrsrouten zum geplanten Logistik- und Gewerbepark. Route 1 (55 Prozent) und 2 (45 Prozent) sollen den Wirtschaftsverkehr aufnehmen. In der am Donnerstag veröffentlichten Grafik gab es einen Fehler in der Legende.

Die Grafik zeigt die vier Verkehrsrouten zum geplanten Logistik- und Gewerbepark. Route 1 (55 Prozent) und 2 (45 Prozent) sollen den Wirtschaftsverkehr aufnehmen. In der am Donnerstag veröffentlichten Grafik gab es einen Fehler in der Legende.

Foto: DPA

Die wirtschaftliche Nutzung des brach liegenden Rösler-Areals ist eines der wichtigsten Themen in Schwalmtal. Kein anderes Thema wird derart kontrovers und auch mit Anspruch auf die Wahrheit von jeder Seite diskutiert.

Die Bürgerinitiative „Nein zum Logistikpark Rösler Draht“ wirft Bürgermeister Andreas Gisbertz (CDU) nach seinem Zuspruch zum überarbeiteten Entwurf für einen Logistik- und Gewerbepark „Wortbruch“ vor. Die Verwaltung  erklärt: „Wir müssen leider feststellen, dass die Bürgerinitiative immer wieder – bewusst oder unbewusst – mit falschen oder irreführenden Behauptungen versucht, das Projekt bei den Bürgern zu diskreditieren.“ Allein der Name der Initiative sei irreführend. Was auf dem Rösler-Areal entstehen solle, sei ein Gewerbe- und Handwerkerpark. Bereits bei der ersten Vorstellung des MLP-Projekts unter Bürgermeister Michael Pesch wurde bei einem Pressegespräch ein „Gewerbe- und Logistikpark“ vorgestellt, für kleinere und mittlere Firmen sowie Lager und Logistik.

Umstritten ist auch eine Wohnbebauung. Zwar hat die Verwaltung Berechnungen vorgelegt, aber keine Förderanträge gestellt. „Es wird wider besseres Wissen immer wieder eine Wohnbebauung ins Spiel gebracht, die in diesem Industriegebiet schlicht unmöglich ist“, so die Verwaltung. „Es wird behauptet, für eine Wohnbebauung stünden 48 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln zur Verfügung. In ganz NRW werden jährlich nur circa 8,4 Millionen Euro an solchen Fördermitteln ausgezahlt.“

Fakt ist: Das rund 12,5 Hektar große Rösler-Areal ist eine der wenigen Gewerbeflächen. Fakt ist auch: Schwalmtal braucht Jobs. Die Gemeinde hat zwar laut IHK-Standortanalyse von 2020 seit 2012 knapp 1400 sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen. Allerdings pendeln knapp 5800 Arbeitnehmer aus Schwalmtal aus, nur gut 3100 Sozialversicherungspflichtige fahren dorthin. Dass die Verwaltung Arbeitsplätze vor Ort schaffen, Firmen ansiedeln und Gewerbesteuereinnahmen generieren will, gehört unbestritten zu ihren Aufgaben.

Zwar ist auch nachvollziehbar, dass das historisch begründete Firmenareal – damals noch ohne die nahen Wohngebiete – heute für einen Logistik- und Gewerbepark mit zwei 14 Meter hohen Hallen alles andere als optimal ist. Keine Überraschung, dass Menschen dagegen protestieren. Zumal das Vorhaben 675 Pkw und Lkw pro Tag zusätzlich an Verkehr bringt, der durch Waldniel, Eicken, Steeg oder Viersen-Mackenstein seine Wege zu den Autobahnen 61 und 52 nehmen muss.

Der entscheidende Fakt ist aber: Jede Entwicklung auf der Rösler-Brache muss finanziert werden, ob durch Fördermittel oder einen Investor. Außer MLP ist aktuell niemand bekannt, der investiert, Jobs bringt und die  Altlasten saniert.

Wenn Grüne und SPD erst kurz vor der Ausschuss-Entscheidung forderten, Alternativen zu suchen, fragt man sich: Warum erst jetzt? Zeit, um eine optimale Lösung zu finden, hat es genug gegeben. Doch die einzige Option, die es jetzt gibt,  ist MLP. Und auch wenn man es bedauert: Ein Investor für einen Solarpark, einen Campus oder ein Wohngebiet ist nicht bekannt.

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