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Viersen: Entdecken, was du kannst

Viersen : Entdecken, was du kannst

Der Maler und Aktionskünstler Aloys Cremers startet den Versuch einer "Viersener Malklasse". Einmal in der Woche kommen Menschen zusammen, denen er "das Schwierigste" beibringen will: Sie sollen nicht mehr denken.

DÜLKEN Sorgfältig bereitet Aloys Cremers in einem Raum der Dülkener Privatschule "Sprungtuch" seinen Einführungsabend für die "Viersener Malklasse" vor. Mit der Schere drittelt er Haushalts-Schwämmchen, aus Einwegtellern macht er mit Farben Paletten. Rot, Lila, Gelb, Ocker, Grün, Hell- und Dunkelblau, Weiß und Schwarz. In der Mitte des großen Tisches liegen leere Pappen.

Knapp ein Dutzend Interessenten sind gekommen. Wer mag, erhält einen Plasktikumhang. Denn hier wir mit Acrylfarben gearbeitet. Die lassen sich zwar einfach mit Wasser von der Haut abwaschen, auf Hemd und Bluse sorgen sie aber für bleibende Flecken. Der 59-jährige Cremers, in Nijmegen geboren, ist überrascht: "Ich habe schon über 5000 Besucher in meinen Kursen gehabt, davon waren höchstens 250 Männer. Hier sind es gleich drei."

Die stellen, wie die um den Tisch stehenden Damen, zunächst eins fest: Hier soll gemalt werden, aber es gibt keine Pinsel. "Die gibt es bei mir nie", erklärt der Künstler. Ein Pinsel sei ein Instrument, mit dem man nicht "fühlen" könne. Statt dessen werden Schwämmchen benutzt und die Finger. Denn Cremers will "das Eigene, die Handschrift" aus seinen Schülern herauskitzeln.

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Kreativität sei gefragt, erklärt er. "Was ist Kreativität? Ein Problem zu lösen. Wir haben ein leeres Blatt, da muss die Farbe drauf – das ist unser Problem." Das sollen seine Schüler nun tun, "aus dem Bauch heraus". Nicht Nachmalen, was Picasso oder Monet gemalt haben. "Jeder kann etwas anderes als der andere", sagt er. Er sei hier, um zu entdecken, was jeder einzelne könne.

Mit dem Schwämmchen verteilt er scheinbar wahllos Farbe auf einer Pappe, erklärt dem staunenden Zuschauern, das sei das Pferd, das er sehe. Sein eigenes Pferd, nicht das eines anderen, kein nachgemalter Vierbeiner. Der Schwamm taucht mal hier in die Farbe, mal dort, und während Cremers nebenbei erzählt, dass die meisten Erwachsenen verlernt hätten, ihre Bilder zu malen, verwandelt sich die Kreation aus Farben tatsächlich in einen Pferdekopf. Keinen, der aussieht wie beim "Malen nach Zahlen".

Nun dürfen die Schüler selbst ran. Farben auf die Pappe auftragen, vermischen, sehen "was da passiert". Künstler Aloys Cremers beobachtet, greift ein, zeigt, wie man mit dem Schwamm malen kann, wie aus wenigen Strichen eine Figur wird. "Halt", ruft er, "Du fängst schon wieder an, gewollt zu malen." Das soll aber nicht sein: "Bei mir lernt man das Schwierigste: nicht zu denken." Das Bild soll wie von selbst entstehen. Wenn es völlig daneben geht, "kann man immer noch ein Huhn daraus machen", sagt er – und beweist es mit wenigen Bewegungen des Schwamms.

(RP)