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Viersen: Eltern helfen drogenabhängigen Kindern

Viersen : Eltern helfen drogenabhängigen Kindern

Der Elternkreis Drogengefährdeter und Drogenabhängiger kümmert sich seit 25 Jahren um Väter und Mütter, deren Kinder Drogen nehmen. Viele Betroffene plagen Schuldgefühle und die Erkenntnis, nichts für ihr Kind tun zu können.

"Warum ich? Warum mein Kind? Was habe ich falsch gemacht?" Das sind wohl die Fragen, die sich jedes Elternpaar mit einem drogenabhängigen Kind schon einmal gestellt hat. Auch Renate Bobber ging es nicht anders. Ihr Sohn war jahrelang süchtig, hat unter anderem Heroin genommen. Zu akzeptieren, dass sie nichts für ihn tun kann, war unheimlich schwer, sagt sie. Auch Rolf Schimanski und seine Frau Waltraud haben Ähnliches durchgemacht. Hilfe haben beide Familien im Elternkreis Drogengefährdeter und Drogenabhängiger im Kreis Viersen gesucht und gefunden. Das war 1994.

Auch nachdem ihre Kinder die Sucht besiegt hatten — beide Männer sind seit über 15 Jahren clean —, sind Bobbers und Schimanskis dem Elternkreis treu geblieben. Heute versuchen sie, anderen Familien zu helfen. "Wir können den Eltern nicht sagen, was sie zu tun haben. Aus der Drogensucht muss jedes Kind allein herauskommen. Aber wir können den Eltern zuhören und ihnen dabei helfen, diese schwere Situation auszuhalten", sagt Rolf Schimanski. Das größte Problem sei die Schuldfrage, sagt Schimanski. "Viele fühlen sich verantwortlich für den Zustand ihrer Kinder, geben sich selbst die Schuld." Doch das sei falsch und helfe auch nicht weiter. "Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Süchtige", sagt der Vorsitzende des Elternkreises. So grausam und so schwierig das manchmal sei: Eltern könnten nichts tun, bis ihr Kind nicht selbst beschließe, von den Drogen wegzukommen.

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Zwischen 45 und 50 Mitglieder hat der Elternkreis, der sich zweimal im Monat in Viersen trifft; 15 bis 20 kommen regelmäßig. Häufig sind es die Mütter. Väter kommen nur selten allein, meist in Begleitung der Ehefrau. Die drogensüchtigen Kinder sind zwischen 15 und 45 Jahre alt.

Viele Familien haben es geschafft. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. "Man darf nicht vergessen, dass es sich bei Drogensucht um eine Rückfallkrankheit handelt", sagt Schimanski. Bis ein Abhängiger endgültig clean ist, sei es häufig ein ständiges Auf und Ab. "Wir hatten auch schon Todesfälle. Zuletzt ist ein 17-Jähriger an seiner Sucht gestorben. Das ist auch für uns immer wieder schrecklich", sagt Renate Bobber. Manche Treffen seien "wirklich heftig". "Aber es ist wichtig, dass die Leute sich bei uns aussprechen und ausweinen können", sagt sie.

Renate Bobber ärgert sich häufig über Mitmenschen, die mit dem Finger auf Familien mit einem drogenkranken Kind zeigen und hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Diese Eltern machten schlimme Zeiten durch — viele würden von ihren Kindern bestohlen und auch geschlagen — und bekämen kaum Unterstützung. "Wenn wir ihnen nicht helfen, wer dann?", sagt sie. Auch Rolf Schimanski beklagt die mangelnde Unterstützung Suchtkranker und ihrer Familien. "Früher haben die Krankenkassen drei Wochen Entgiftung bezahlt. Heute ist es meist nur noch eine", sagt er. Das bedeute, dass viele Betroffene zwischen Entgiftung und Therapie noch einmal nach Hause müssten. Dort würden Viele rückfällig.

Wichtig ist, dass sich betroffene Familien rechtzeitig Hilfe holen. Die meisten Eltern kämen erst drei Jahre, nachdem ihre Kinder angefangen haben, Drogen zu konsumieren. Dann ist es häufig schon zu spät, weil sich Verhaltensmuster gefestigt haben. FRAGE DES TAGES

(RP)