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Eltern der Franziskus-Förderschule kritisieren Kreisverwaltung

Corona im Kreis Viersen : Eltern der Förderschule kritisieren Kreisverwaltung

Der Schulträger pocht auf Maskenpflicht für die behinderten Kinder im Bus – trotz Attest. Am Freitag wurden die Eltern informiert, die Regelung gilt von diesem Montag an. Lehrer gehen davon aus, dass nun jeder zweite Schüler zu Hause bleiben wird.

Viele Eltern von behinderten Kindern, die die Franziskus-Förderschule besuchen, sind verzweifelt: Am Freitag erhielten sie ein Schreiben des Schulleiters, dass von diesem Montag an Maskenpflicht in den Bussen gilt, die die Kinder zur Förderschule bringen. „Unser Kind ist schwerst mehrfach behindert. Es hat ein Attest vom Arzt, dass es keine Maske tragen kann“, erklärte eine Mutter. „Wir haben an diesem Wochenende mit ihm geübt, aber er reißt sich die Maske immer wieder runter.“ Sie verstehe die neue Anordnung nicht. „Bisher wurden die Kinder auch ohne Maske transportiert, wenn ein entsprechendes ärztliches Attest vorlag. Zumal die Kinder auch in der Schule ohne Maske unterrichtet werden.“ Was sie besonders bedrückt, ist die kurzfristige Ankündigung. „Am Freitag bekamen wir das Schreiben, die neue Regelung gilt ab Montag. Wie soll man in der kurzen Zeit etwas organisieren? Sie habe mit einer Lehrerin gesprochen. „Sie sagte mir, an der Schule gehe man davon aus, dass die Hälfte der Kinder nicht kommen wird.“

Schulleiter Ralf Leven weist in seinem Brief an die Eltern darauf hin, dass es sich nicht um eine neue Regelung handele. „Bereits in meiner Information zu Schuljahresbeginn habe ich darauf hinweisen müssen, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung notwendig und verpflichtend ist, um den Schülerspezialverkehr nutzen zu können. Eine Befreiung von der Tragepflicht, zum Beispiel über eine ärztliche Verordnung, ist nicht vorgesehen.“

Nach den Sommerferien sei eine größere Anzahl an Förderschulen aufgrund der hohen Temperaturen noch nicht zur Schule gekommen, berichtet Leven in dem Schreiben. Deshalb habe die Schule erst „in den letzten Tagen einen konkreteren Überblick über das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Bussen gewinnen“ können, heißt es zur Erklärung für die kurzfristige Ankündigung in dem Schreiben.

Und nun? Ein Rechtsanspruch auf Beförderung besteht laut Kreisverwaltung nicht. Der Kreis bietet aus Kulanz Eltern an, die ihr Kind selbst zur Förderschule bringen und ein Masken-Attest vorlegen können, die Fahrtkosten auf Grundlage einer Kilometerpauschale zu erstatten. „Ich habe keinen Führerschein, mein Mann muss arbeiten – das hilft uns gar nicht“, sagt die Mutter. Eine Bekannte hat sich jetzt unbezahlten Urlaub genommen, um das Kind zur Förderschule zu bringen. „Das geht aber auch nur drei Tage“, erklärt sie.