Brüggen: Eine Woche aufs Handy verzichtet

Brüggen : Eine Woche aufs Handy verzichtet

Zur Suchtprävention legten Achtklässler ihre Smartphones beiseite.

Der Kontakt zu Freunden und Schulkameraden ist schwierig, wenn man kein Handy hat. Das haben viele Schüler festgestellt, die in den vergangenen Tagen auf ihr Handy verzichteten. Achtklässler der Gesamtschule Brüggen nahmen an einem Projekt zur Suchtprävention teil. Suchtverhalten gibt es im Alltag an vielen Stellen - nicht nur von Alkohol und Zigaretten können Menschen abhängig sein. Für viele ist auch das Handy unverzichtbar.

Gestern nun erhielten die Schüler ihre Handys zurück. 29 Jungen und Mädchen sind in der Klasse, elf von ihnen hatten erst gar nicht aufs Handy verzichten wollen. Die anderen beteiligten sich mit ihrem Lehrer Jochen Paal-Schaumburg freiwillig an dem Projekt und berichteten nun von ihren Erfahrungen.

Einige Schüler stellten beispielsweise fest, dass sie die Telefonnummern von Freunden nicht "im Kopf" hatten - und erst über Festnetz bei anderen Schülern die Telefonnummer eines Freundes erfragen mussten. Auch untereinander wurden viele Dinge komplizierter: Die Klasse hat eine Whats-App-Gruppe, was mittlerweile bei vielen Schülern, Lehrern und Eltern Standard ist. Da wird mal eben schnell nach den Hausaufgaben gefragt oder auch, wie in dieser Woche geschehen, ein Treffpunkt für den Klassenausflug mitgeteilt. Der führte zum Landgericht, und weil einige Schüler den Treffpunkt nun nicht kannten, musste die restliche Gruppe auf sie warten. "Wir sind dann in Mönchengladbach zum Landgericht gegangen und haben gefragt, ob wir von dort telefonieren dürfen", erzählt Stefanie. Lehrer Paal-Schaumburg fügt hinzu: "Sonst hätten wir über die Whats-App-Gruppe kurz gefragt: ,Wo seid ihr?'" Er wurde auch von Kollegen gefragt, warum er das Projekt in der Klasse ausgerechnet in der Woche durchführe, in der die Klasse auch ihren Ausflug habe. Paal-Schaumburg gibt zu bedenken: "Wie hat man das denn vor zehn Jahren gemacht? Da ging es doch auch alles ohne Handy."

Was viele Schüler ohnehin an der Handynutzung stört: "Wenn die Leute während eines Gesprächs auf ihr Handy gucken." Auch ständige Unterbrechungen eines Gesprächs, weil das Handy Nachrichten empfängt, seien störend. Und es sei schwieriger, Gespräche mit anderen zu führen, wenn man vorab alles per Handy besprochen oder einander als Nachricht mitgeteilt habe: "Man weiß dann nicht, was man noch reden soll", sagen die Schüler.

Als die Jugendlichen die Handys gestern zurückerhielten, waren alle gleich damit beschäftigt, E-Mails und Nachrichten abzurufen. Weil jeder den Kopf gesenkt halte und auf ein Display starre, spreche man auch von der "Generation Facedown", sagt Paal-Schaumburg.

Einige Schüler stellten während der Zeit des Verzichts fest, dass es Alternativen gibt: Eine Schülerin beispielsweise erzählt, sie habe in der Woche angefangen, ein Buch zu lesen. Andere haben sich vorgenommen, das Gerät künftig weniger zu nutzen. Doch wiederholen, so der Tenor, wollen die Schüler solch ein Projekt nicht mehr.

(bigi)
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