Viersen: Eine gefährliche Schraube

Viersen : Eine gefährliche Schraube

Es ist beim ersten Augenschein ein charmantes Rechenspiel, das FürVIE in Viersen angestoßen hat. Geld beim Stadtrat einzusparen – das hat doch was. In (Vor-)Wahlkampfzeiten kommt das immer gut an. Doch Vorsicht: Ein genauerer Blick auf dieses Thema zeigt, womit da so locker herumjongliert wird.

Es geht um unsere Demokratie. Natürlich ist Viersen auch mit 44 Ratsvertretern regierbar. Auch bei einer Reduzierung des Unkostenbeitrags um 20 Euro werden die Sitze im Rat nicht leer bleiben. Trotzdem: Es ist eine gefährliche Schraube, an der jetzt ganz plötzlich gedreht wird. Nehmen wir die monatliche Aufwandsentschädigung: 350 Euro klingt viel – ist es aber nicht. Jeder engagierte ehrenamtliche Ratsherr hat an laufenden Kosten mehr zu tragen. Von der Zeit ganz zu schweigen. Auch die 50 Euro, die stillschweigend in so manche Vereinskassen wandern, sind gar nicht erst eingerechnet. Wenn es nach FürVIE geht, soll das Ratsgeld noch knapper werden. Das heißt: Bürger, die heute bereits wenig verdienen, könnten sich künftig einen Platz im Rat noch weniger leisten. Der Rat – ein Gremium für Besserverdiener? Soll die Schere zwischen Politik und Bürgern noch weiter auseinander gehen? Fragen, auf die es zuerst ausführliche Antworten geben sollte. Sonst könnte eine solche Politik am Ende für alle wesentlich teurer werden. JOACHIM NIESSEN

(RP)