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Eine 4- für die Fahrradfreundlichkeit von Viersen

Stadt Viersen : Eine 4- für die Radfahrstadt

In Viersen haben es Radfahrer nicht leicht. Das liegt vor allem an Personalproblemen.

Radfahrer haben in der jüngsten Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) der Stadt Viersen die Schulnote 4,3 gegeben. Damit landet die Kreisstadt bundesweit auf Rang 86 von 106 Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern. Im NRW-Vergleich kommt die Stadt Viersen auf Rang 34 von 43 Städten vergleichbarer Größenordnung. In der vorherigen ADFC-Befragung im Jahr 2016 hatte die Stadt Viersen ebenfalls die Schulnote 4,3 erhalten; 2014 kam sie auf eine 4,0.

Besonders negativ bewerteten die Radfahrer die „schlechten Ampelschaltungen für Radfahrer“ (Schulnote: 5,2), „holprige Radwege“ (4,9) und das nahezu „nicht vorhandene Angebot an öffentlichen Leihrädern“ (5,0). Positiv fiel auf, dass es in Viersen eine gute Wegweisung für Radfahrer gebe (3,0), dass verhältnismäßig wenige Fahrräder gestohlen würden (3,9) und dass das Stadtzentrum recht gut mit dem Fahrrad zu erreichen sei (3,3).

Jochen Häntsch ist 84 Jahre alt und überzeugter Radfahrer. Und er kennt fast alle Mängel der Radwege in Viersen persönlich. Denn seit Jahren kämpft er mit rund drei Dutzend Mitstreitern des Arbeitskreises „Radwegenetz“ der SPD-AG 60+ für eine Verbesserung der Viersener Radwege. Häntsch rief Bürger dazu auf, ihm Mängelstellen zu melden, er besichtigte sie mit seinen Mitstreitern, kategorisierte sie und lieferte die Liste bei der Stadtverwaltung ab.

„Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist gut“, sagt er. Sowohl die neue Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche als auch ihre Vorgängerin schwangen sich gemeinsam mit Häntsch und seinen Kollegen aufs Fahrrad, um Mängelstellen in Augenschein zu nehmen – unterstützt vom Fachbereichsleiter Stadtplanung und dem Leiter der Städtischen Betriebe. „Schon drei Tage später waren die ersten Mängel behoben“, lobt Häntsch – zum Beispiel wurde ein Verkehrsschild versetzt, das mitten auf einem Radweg platziert war.

Auch die Parteien im Stadtrat sehen den Bedarf. Die CDU will ein „lückenloses, eigenständiges Radwegenetz“ in Viersen bis 2031 baulich umgesetzt haben. Allerdings soll es schon vorher losgehen: „Bis das Radewegenetz fertiggestellt ist, müssen regelmäßig verschiedene Teilschritte erfolgen, da wir bereits mit kleinen Maßnahmen größere Verbesserungen erreichen können“, heißt es in dem siebenseitigen Antrag, den die CDU-Fraktion im vergangenen Jahr an die Bürgermeisterin schickte. Im Haushalt wurden auf Antrag der CDU zusätzliche Gelder für Radwege eingestellt.

Häntsch glaubt, dass das Geld weniger das Problem ist: „Es fehlen Planungskapazitäten“, sagt er. Hinzu komme ein Zuständigkeitsproblem: „Viele Radwege befinden sich nicht in der Straßenbaulast der Stadt Viersen, sondern von Straßen.NRW. Aber auch dort, in der Landesbehörde, fehlen Planungskapazitäten. Der Markt für Personal ist leergefegt.“ Ebenfalls erschwerend: Viersens Nahmobilitätsmanager verließ die Stadt nach kurzer Zeit wieder, ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Was Viersen fehlt? „Wir brauchen ein geschlossenes Radwegenetz“, sagt Häntsch. „Aber eines, das für Radfahrer auch akzeptabel ist und keine großen Umwege erforderlich macht.“ So sei beispielsweise der Weg von Viersen nach Süchteln für Radfahrer eine Qual. „Dort stehen immer wieder Autos so geparkt, dass man als Radfahrer fast in die Mitte der Fahrbahn ausweichen muss.“ Dort komme es häufig zu gefährlichen Situationen. Erst spät gebe es an der viel befahrenen Straße einen eigenen Radweg. Häntsch ist überzeugt: „Wenn es sichere Radwege gibt, würden auch viel weniger Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren.“ Doch die Einrichtung von Radwegen sei nur das Eine. Die Pflege sei mindestens ebenso wichtig, so Häntsch. Wenn es auf die wärmere Jahreszeit zugeht, gebe es an vielen Radwegen ein weiteres Problem: Sträucher treiben aus, ragen über die Radwege, zwingen die Radfahrer dazu, auszuweichen. „Für den Rückschnitt sind die Städtischen Betriebe zuständig“, sagt Häntsch. Doch die haben derzeit mit den Wiederaufforstungen nach den großen Sturmschäden mehr als genug zu tun. Und bei Privatgrundstücken müssten die Ordnungsbehörden tätig werden und den Grundstückseigentümer zum Rückschnitt auffordern.