Schwalmtal: Ein wilder Kräutergarten mitten in Waldniel

Schwalmtal: Ein wilder Kräutergarten mitten in Waldniel

Wildkräuter peppen die Sommerküche auf, wachsen fast überall — und liefern wertvolle Nährstoffe. Kräuter-Fachfrau Marita Offermanns zeigte im Kaiserpark, welche Kräuter es gibt und wofür man sie verwendet

Ein herber Geruch, schwer zu beschreiben, aber unvergesslich: Beim Zerreiben liegt der für Giersch typische Duft in der Luft, den viele Gärtner kennen. "Vielen ist Giersch als besonders hartnäckiges Unkraut bekannt", sagt Ökotrophologin Marita Offermanns. Ihr Tipp: "Wenn Sie es nicht gerne im Garten sehen, dann essen Sie es einfach." Mit Quark und Joghurt macht sich der Giersch gut als frische, gesunde Sommerkost.

Mit zarten, kleinen Blüten und viel grünen Blättern besetzt wachsen die Wildkräuter an ganz alltäglichen Orten. Der Heimatverein Waldniel hatte Interessenten eingeladen, mit Offermanns bei einer Kräuterwanderung im Kaiserpark die heimischen Köstlichkeiten zu entdecken. Für Heike Rohr war es die erste Wanderung dieser Art. "Ich wohne noch nicht lange hier, und das klang interessant", sagt Rohr.

"Bei Kräuterwanderungen wie dieser gilt es, nicht einfach nur mitzupflücken", sagt Offermanns. "Ich möchte den Blick der Menschen dafür schärfen, was in ihrer Umgebung wächst." Und das ist zumindest im Kaiserpark erstaunlich viel: Junge Blätter am Stamm einer Linde sind eine gute Beilage zum Salat; auf den Wiesen im Park gibt es Löwenzahn und Gänseblümchen satt - beides gut geeignet für einen knackigen Salat oder für Naschereien wie Blütengelee aus Löwenzahn.

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Am Kranenbach fühlen sich Brunnenkresse und Knoblauchsrauke wohl. Auch Brennnesseln gibt es hier in großen Mengen. Für manche der Mitwandernden an diesem Tag noch eine Erinnerung aus Notzeiten, in der modernen Küche aber "mittlerweile eine Delikatesse", sagt Offermanns. Auch das an Vitamin C reiche Scharbockskraut, früher ein bekanntes Mittel gegen Skorbut, ist hier zu finden. Aber: "Das Kraut sollte man vor der Blüte essen", sagt Offermanns. Die säuerlich und etwas scharf schmeckende Pflanze beginnt mit der Blütezeit, in ihren Blättern Giftstoffe einzulagern.

Mit Blüten und Blättern kann Bärlauch verarbeitet werden, der ebenfalls im Kaiserpark wächst. Sammelstellen für Wildkräuter sollten möglichst nicht an befahrenen Straßen liegen. Und: "Jeder sollte nur so viel mitnehmen, wie er selbst braucht", sagt Offermanns.

(juz)
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