Viersen: Ein Leben für die Kunst

Viersen: Ein Leben für die Kunst

Der Künstler Horst Meister feiert am Dienstag seinen 75. Geburtstag. Sein ganz persönliches Geschenk ist sein neues Buch.

Bilder und Skulpturen, so weit das Auge reicht. Wer das Haus von Horst Meister und seiner Frau Almut Grytzmann-Meister in Viersen betritt, hat das Gefühl, mitten in einem Museum zu stehen. "Alles meine Werke. Im Laufe des Lebens kommt viel zusammen und ich habe in den Jahren alle möglichen Techniken gemacht, vom Bild über Grafikzyklen bis zur Installation", sagt Horst Meister und deutet auf Bilder, die an der Treppe zum zweiten Stock hängen. "Erstlingswerke von mir aus dem Jahr 1969. Die hingen schon in meiner damaligen Bude, als ich Almut kennenlernte", erinnert er sich. Am Dienstag feiert er seinen 75. Geburtstag.

Kunst hat den gebürtigen Karlsruher schon immer fasziniert. Doch als Kriegskind fehlt das Geld für das Studium. Meister macht daher nach der mittleren Reife eine Lehre als Gebrauchsgrafiker und verdient sich damit das Geld für die Kunstakademie. 1955 startet er an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe in der Zeichenklasse. Kurz darauf erfolgt ein Wechsel in die Klasse von Hap Grieshaber, der damals schon ein international bekannter Holzschneider und zeitkritischer Grafiker war. "Er prägte mich mit dem Satz, dass, wenn man künstlerisch etwas zu sagen hätte, auch die entsprechenden Mittel und Wege finden würde, um das, was man zu sagen hätte, künstlerisch auszudrücken und verbreiten zu können", sagt Meister. So ließ sich Meister selber mit seiner Kunst in keine Schublade stecken. Er nahm über seine Kunst Stellung und erweckte damit oft Missfallen. "Ich mache Kunst, die hinschaut, was in der Gesellschaft passiert und es bewertet", betont Meister. Seine größte Kritikerin sei dabei seine Frau, fügt er an.

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Meister war auch erfolgreicher Bühnenbildner. Ob für das Staatstheater Karlsruhe, Bühnen in Heidelberg, Regensburg, Berlin oder Kiel, das Südwestfunk-Fernsehen oder aber ZDF-Fernsehproduktionen. Für die Berliner Kammerspiele 1983 entwickelte er so die Ausstattung zur Uraufführung der "Unendlichen Geschichte".

1969 lernt Meister seine Frau, die Schauspielerin Almut Grytzmann kennen. Für sie schreibt er zahlreiche Soloprogramme. 1981 ziehen die beiden von Regensburg nach Viersen. Ob bei Amnesty International, der Gefangenenhilfe oder dem BUND, dem das Künstlerehepaar seit Jahrzehnten angehört, die beiden engagieren sich für Randgruppen und die Natur. Dinge, die sich auch immer wieder in den Arbeiten Meisters wiederspiegeln. "Für mich ist es wichtig, diese Sprache zu haben. Ich stelle mich den Dingen, die auf mich zukommen, und zwar nicht theoretisch oder praktisch, sondern mit meiner Kunst", betont Meister. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland ziehen sich durch sein Leben. Viele seiner künstlerischen Exponate befinden sich in privaten und Sammlungen in ganz Deutschland und sogar in Jerusalem, wo seine bekannte Engelsskulptur steht. Meister entwarf auch unter anderem für die Stadt Willich das Mahnmal für die ermordeten jüdischen Bürger. Dazwischen schrieb der Wahl-Viersener mehrere Bücher, wobei sein neuestes Werk "Kunst.Macht.Politik." im Januar 2013 erscheint.

(tref)
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