Viersen: Ein faszinierend-funkelnder Star in der Viersener Festhalle

Viersen: Ein faszinierend-funkelnder Star in der Viersener Festhalle

Wie eine Sternschnuppe raste Sven Ratzke über die Bühne der Viersener Festhalle. Als "Starman" faszinierte er mit starker Präsenz und starker Stimme - zumindest die, die sich darauf einließen

Nach zwei-einhalb Stunden in der Viersener Festhalle schreckt man ein wenig zusammen in seinem Sessel. "Huch, schon vorbei?" Die Bühne ist leer, die Musik ist verklungen. Die Zuschauer stemmen sich aus den Sitzen, strömen zu den Ausgängen. Man reibt sich die Augen, guckt ein wenig verschreckt und fragt sich: "Was habe ich gerade gesehen? Was war das?" und wundert sich: "Warum hat das - trotz mancher Merkwürdigkeiten - so viel Spaß gemacht?"

Einfache Fragen, auf die es eine pragmatische Antwort gibt: Sven Ratzke und seine Band - dazu gehörten Christian Pabst am Piano, Haye Jellema mit Percussion und Drums sowie Florian Friedrich am Bass - hatten zum Konzert gebeten. "Starman" haben sie ihre schrille Performance aus Songs, Comedy und Kostümen genannt: "Starman" ist ein funkelnder Charakter, inspiriert von Pop-Artist David Bowie, selbst eine der schillerndsten Figuren der Musikszene.

Der Deutsch-Niederländer muss sich hinter Bowie nicht verstecken. Er gefällt mit faszinierender Präsenz, starker Stimme und abgedrehtem Humor, der von einer anderen Welt, vermutlich aber auch aus dem Weltall, zu stammen scheint. "Der Klamottenberg auf dem Klavier wird noch größer", verspricht er zu Beginn des Abends. Und das stimmt. Was nun folgt, ist eine irrsinnig-wilde Reise nach London, Berlin und New York: ein Treffen mit Andy Warhol, Champagner mit Hollywoods großer Diva Elizabeth Taylor - und dazwischen ein Abstecher in einen Container voller schleimiger, stinkender Fische und schimmelnder Kartoffelschalen. Das sind wilde Bilder, die faszinieren. Wenn man sich darauf einlassen kann. Einfach mal nicht die Sinnfrage stellen - und nur das Funkeln genießen. Alles andere lässt flüchten.

Zunächst in hautenger blauer Hose, hochhackigen Stiefeln und schwarzen Spitzenbody mit Pailletten tanzt, schreitet, windet Ratzke sich über die Bühne - eine Persönlichkeit, die fasziniert, die auch im Dunkel leuchtet. Wie ein Stern. Ganz eins ist er mit Liedern wie "Major Tom" oder "Heroes", ganz eins mit der Musik, die seine Band routiniert zuliefert.

Seit zwei Jahren tourt Ratzeke als Sternenmann über internationale Bühnen. Zwei Mal hat Ratzke etwa den Kleinkunstpreis Willemshavener Knurrhahn erhalten - 2017 für "Starman". In New York hat er begeistert, in Amsterdam Erfolge gefeiert. Und jetzt Viersen.

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Die Kreisstadt reiht sich wohl nicht ein als Perle in dieser Kette der schillernden Erfolge. Nach dem ersten Teil des Abends haben sich die Reihen deutlich gelichtet. Ratzke sieht das, kokettiert damit, lässt seinen Kopf spielerisch hektisch von rechts nach links pendeln, lädt die "hinteren Ränge und die billigen Plätze" nach vorne ein und wundert sich, dass alle sitzen bleiben ("Ach, ihr habt alle den gleichen Preis bezahlt?").

Gekonnt spielt Sven Ratzke mit dem Publikum: mal charmant, mal frech. Manfred in der ersten Reihe mag sich an diesem Abend wohl manches Mal nach einem anderen Platz gesehnt haben - immer wieder rückt der "Starman" seinen Zuschauer in den Fokus, nimmt ihn kurz mit in das Rampenlicht. Aus dem Stegreif macht Ratzke holländische Zuschauer aus, parliert fröhlich mit ihnen. Um kurz danach über einen Niederländer auf New-York-Besuch zu schwadronieren: Im orange-farbenen Trainingsanzug, mit Crogs, Gürteltasche und Käsebroten mümmelt sich diese Figur durch die Weltstadt.

Bowies Lieder aus den 1970er und 80er Jahren, abstruse Storyfetzen, die mindestens einem LSD-Trip entsprungen sein könnten, und ein Star von ungeheuerer Präsenz: Es ist eine unglaubliche, eine gewaltige Mischung, die Sven Ratzke und seine Band in Viersen geboten haben. Eine Mixtur, die jeden aus den Alltag katapultiert - den Sternen ein wenig näher.

Und Starman Sven Ratzke? Ihm hat es in Viersen gefallen. Er will wiederkommen. Mal sehen, wer sich erneut darauf einlässt.

(busch)