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Ein Dorf feiert seinen Postboten: Martin Smets letzte Tour in Born

Berufsleben in Brüggen : Born feiert seinen Postboten Martin Smets auf seiner letzten Tour

Seinen letzten Arbeitstag wird Postbote Martin Smets (65) wohl niemals vergessen: Das ganze Dorf feierte ihn mit geschmückten Straßen, Transparenten, Torte, vielen Anekdoten und einem Post-gelben-Eerlikörchen. So war Martin Smets Abschiedstour nach 51 Jahren als Postbote.

  51 Jahre war Martin Smets Postbote: Mehr als 40 Jahre davon, ganz genau weiß er es selbst nicht mehr, belieferte der 65-Jährige seine Kunden in Born mit Briefen, Karten, Paketen und Prospekten. Aber auch Postbote Smets selbst hat  Briefchen in die Kästen gelegt. „Herzlich willkommen in meinem Revier. Gruß Martin“, notierte er auf Karten, wenn jemand neu in seinen Bezirk zog.

Dass die Menschen in seinem Revier ihren Briefträger lieben, zeigten sie an seinem letzten Arbeitstag. Am Samstag wurden Transparente im Dorf gespannt, der Briefkasten war mit Ballons geschmückt, Kuchen wurden gegessen und Geschenke wurden überreicht. In einem Erinnerungsbuch heißt es unter anderem:  „Man kann sagen, dass du der beste Postbote bist, den man sich vorstellen kann (und das wird kein anderer nach dir schaffen).“

Bei Martin Smets letzter Tour war alles anders: Statt mit dem vollen Postauto loszufahren und mit einem leeren zurückzukommen, war es  umgekehrt. Die Abschiedstour führte ihn durch ein schwarz-gelb geschmücktes Born, Haverslohe und Hustenfeld. Krepppapierblümchen,  Abschiedsbriefe an den Türen: Überall zeigten die Borner ihre Verbundenheit  mit ihrem  Postboten Martin.

 Mit diesem Foto bewarb sich der 15-jährige Martin Smets.
Mit diesem Foto bewarb sich der 15-jährige Martin Smets. Foto: Smets/Semts
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Doch auch Martin Smets liebt seine Post-Empfänger: „Das ist meine Familie“, sagt er. Die Menschen sangen für ihn zum Abschied, drückten ihn, boten ihm einen Post-gelben  Eierlikör an, machten ihm liebevoll ausgesuchte Präsente. So füllte sich sein Postauto. Und dort saß eine außergewöhnliche Praktikantin: Martins Smets Tochter  Nina Krebs, die mit ihrer Mutter Birgit  die Abschiedstour organisiert hatte.

Mit einem Erinnerungsbuch, das seine Tochter gestaltet hat, hat Smets noch mehr Post erhalten.  Sie hatte den Kunden ihres Vaters vorgeschlagen, ihm zu schreiben. So ist ein Bild eines  Ausnahme- Postboten entstanden. „Wir schlagen Martin für das Bundesverdienstkreuz am Bande, alternativ am Paketband vor“, notierte etwa eine Familie. Eine andere  Geschichte: „Wie so oft, es klingelt und Martin brachte die Post und auch bestimmt eins der vielen Pakete von Familie Ecken: Ich öffnete die Türe und direkt fragte Martin: ‚Was duftet denn hier bei dir so gut?‘ Ich antwortete ganz stolz: ‚Heute gibt es Gulasch.‘ Martin lachte und fragte mich doch wirklich: ‚Mädchen, kannst du das überhaupt, lass mal gucken, ob es auch wirklich Gulasch ist.‘ Schnell durch den Flur, ab in die Küche. Ich nahm den Deckel vom Topf, ein Gulaschduft stieg auf. Martin schaute fachmännisch in den Topf und meinte: ‚Ja, das sieht aus wie Gulasch und riecht auch nach Gulasch!‘“

Vermisst wird Martin Smets schon jetzt: „In Born gibt es den Patschel-Pfad, aber wir haben vorm Haus den ,Martin-Pfad’ quer über den Rasen – Fleißarbeit von vielen Postlieferungen an uns. Ob er jetzt  verschwindet?“, fragt eine Familie besorgt. Doch eines bleibt: Viele Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Postboten – und an einen Beruf, der viel mehr war als ein Job.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein kleines Dorf feiert seinen Postboten