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Schwalmtal: Ein Bauwagen als Jugendtreff

Schwalmtal : Ein Bauwagen als Jugendtreff

Der alte Bauwagen, der im Nottbäumchen stand, ist zwischen Ober- und Unteramern aufgestellt worden. Schüler der Schule an der Schwalm strichen ihn frühlingsfrisch grün. Er soll jungen Leuten als Treffpunkt dienen.

Einen festen Regelkatalog haben sich die Jugendliche, die regelmäßig das "JuCa" in Amern besuchen, für den Bauwagen überlegt: "Kein harter Alkohol, keine Drogen, kein offenes Feuer, kein Lärm, keinen Müll", zählt Diplom-Sozialarbeiterin Astrid Gröbel vom JuCa auf. Diese Regeln haben sich die jungen Leute selbst gegeben. Ob sie eingehalten werden, auch darum müssen sich die Jugendlichen selbst kümmern, denn einen erwachsenen Aufpasser gibt es am Bauwagen nicht. "Das stärkt die Eigenverantwortung der Jugendlichen", ist Gröbel überzeugt. "Sie müssen lernen, Absprachen zu treffen, Regeln einzuhalten und Konflikte zu lösen – alles Ziele pädagogischer Bildung."

Weniger Konfliktpotenzial

Ganz ohne Konflikte, auch das weiß Gröbel, wird es wohl nicht abgehen. Doch der neue Standort des Bauwagens in der Nähe des Kranenbachcenters und Brösels Bistro biete allein aufgrund der Lage weniger Konfliktpotenzial als der frühere Standort am Nottbäumchen. "Der Bauwagen liegt zentral, ist für die Jugendlichen also gut zu erreichen, grenzt aber nicht direkt an Terrassen oder Gärten", sagt Ordnungsamtsleiter Werner Bongartz. Dass der Jugendtreffpunkt zentral liege, sei ein Wunsch der Jugendlichen gewesen, berichtet Gröbel. "Wir haben eine Umfrage gemacht, bei der sich herausstellte, dass viele Jugendliche Angst haben, einen Treffpunkt weit außerhalb aufzusuchen. Gerade wenn sie allein sind und nicht wissen, ob ihre Clique dort ist." Ein Wunsch der Jugendlichen sei auch ein Mülleimer gewesen. "Mag man kaum glauben, ist aber so", sagt Gröbel schmunzelnd, "deshalb haben wir den Mülleimer direkt neben die Tür geschraubt".

Der Bauwagen sei Anlaufstelle für junge Leute, die sich in diesem Bereich ohnehin aufhielten, berichtet Streetworker Joachim Hambücher. "Die Jugendlichen sind jetzt schon dort, sie wohnen in der Nähe. Wir haben den Bauwagen da aufgestellt, wo sie zu Hause sind." Anfangs soll der Treff montags bis freitags geöffnet werden, "wenn alles klappt, auch an den Wochenenden, aber das muss man sehen, das ist ja auch ein Anreiz", sagt Gröbel.

Als Ansprechpartner da

Um den Bauwagen und die Einhaltung der Regeln wollen sich künftig junge Leute kümmern, die jetzt im Frühjahr über das JuCa als Jugendleiter geschult werden. Eine Außenstelle des JuCa sei der Bauwagen nicht, "aber gehört mit dazu", erklärt die Sozialarbeiterin. "Wir betreuen den Bauwagen insofern mit, dass wir wissen, wer ihn nutzt und wer den Schlüssel hat." Gebe es Probleme, sei man auch als Ansprechpartner da.

Nun hoffen die Verantwortlichen von Gemeinde, offener und aufsuchender Jugendarbeit, dass sich die jungen Leute auch um "ihren" Wagen kümmern. Schüler der Schule an der Schwalm haben den Werkunterricht dazu genutzt, den Wagen grün anzustreichen, innen bietet eine umlaufende Bank genügend Sitzplätze. Hier darf gequatscht, Musik gehört und entspannt werden – die jungen Leute nennen es "chillen".

(RP)