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Ehrenamtler der Tafel in Viersen arbeiten auch in der Corona-Krise

Corona im Kreis Viersen : Die Tafel-Helfer packen an

Auch in der Corona-Krise versorgt die Viersener Tafel ihre Kunden mit Lebensmitteln. Vor der Warenausgabe auf dem Hof an der Hohlstraße, die anders abläuft als sonst, ist viel zu tun.

Tafel-Vorsitzende Luzia Witthake stellt eine grüne bis zum Rand befüllte Kunststoffbox auf dem langen Biertisch ab. „Da hat uns ein Bauer Erdbeeren geliefert, aber lose“, sagt sie und besorgt schnell ein paar Plastikschalen. Endlich eine Aufgabe für eine ahnungslose Aushilfskraft wie mich: Erdbeeren portionieren. Also Mundschutz an, Handschuhe an und los geht’s. Es dauert nicht lange, bis Ehrenamtlerin Christa Kempers nach den rund 30 befüllten Erdbeerschalen greift. Die 73-Jährige stellt jeweils eine davon in eine grüne Kunststoffbox, in der schon Brot und Eier, Obst, Gemüse und Nudeln liegen. Eine knappe Stunde noch, bis sich die Kunden auf dem Hof der Viersener Tafel die Lebensmittel aus den fertig gepackten Kisten nehmen – so langsam wird es hektisch.

Seit Mitte April hat Witthake wegen der Corona-Krise das Abholsystem der Viersener Tafel umgestellt. Die Kunden kommen nicht mehr rein und suchen sich Ware aus, sondern werden auf dem Hof nacheinander durch einen zehn Meter langen und fünf Meter breiten weißen Pavillon geschleust. Auf Biertischen stehen für sie die Kisten bereit, ehrenamtliche Helfer stellen die Boxen hin, füllen sie zuletzt noch mit Kühlprodukten wie Jogurt oder Käse auf. Die Tafel zwischenzeitlich komplett zu schließen, kam für Witthake nicht in Frage: Die 69-Jährige möchte verhindern, dass die Kunden in der aktuell sowieso schon schwierigen Situation nicht auch noch Sorge haben müssen, dass sie nicht genug Lebensmittel kaufen können. „Sie sollen unter der Krise nicht doppelt leiden“, sagt sie.

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Ein Dutzend Helfer ist an diesem Dienstagvormittag zur Tafel gekommen, um alles für die Lebensmittelausgabe ab 13 Uhr vorzubereiten. Viele ältere Ehrenamtler bleiben derzeit lieber sicherheitshalber zu Hause, stattdessen sind neben ein paar erfahrenen Frauen und Männern vor allem Studenten, aber auch Selbstständige und Angestellte in Kurzarbeit da. Lara Boßmann, zum Beispiel: Die 25-Jährige studiert Ernährungswissenschaften an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Sie hat vor ein paar Wochen erfahren, dass die Tafel Hilfe braucht. „Ich wollte immer schon was ehrenamtlich machen, jetzt habe ich Zeit dazu“, erzählt sie und verteilt routiniert Lebensmittel in grüne Boxen. „Das macht mir Spaß, die Leute hier sind nett“, ergänzt sie.

Für Außenstehende ist es anfangs schwer nachzuvollziehen, wie die je nach Wochentag bis zu 100 Boxen bepackt werden: Wenn da jetzt schon Trauben und Bananen drin sind, kommen trotzdem noch Erdbeeren dazu? Wo sollen die Artischocken hin, wer verteilt die Mangos, holt neue Kisten, klappt alte zusammen – wer weiß, wann so eine Box voll ist und wohin dann damit? „Wir machen das nach dem Chaos-Prinzip. Aber es funktioniert“, erzählt Boßmann. „Es ist schon ein bisschen wuselig. Aber das ist sicher den Umständen geschuldet“, sagt auch Nina Aretz. Die 23-Jährige ist Studentin bei der Bundeswehr in München, derzeit aber am Niederrhein und schreibt an Hausarbeiten. Seit zwei Wochen hilft sie bei der Viersener Tafel, „das macht hier sehr viel Spaß“, betont sie.

Zwei Fahrer rücken morgens mit Transportern aus und holen bei fünf bis sechs Lebensmittelhändlern die Ware für die Tafel ab. An diesem Dienstag übernimmt Sese Wilhelm die erste Tour. Der 37-Jährige ist eigentlich kaufmännischer Angestellter eines Dachdeckerbetriebs in Dülken, „aber für die Zeit bei der Tafel stellt mich mein Chef frei“, erzählt er. Wilhelms Ware ist gegen 11.30 Uhr in die Kisten gepackt, mittlerweile sollte der zweite Wagen da sein. Doch das dauert noch bis kurz vor 12. Fahrer Sergio de Pizzol befördert kistenweise Brot und Tomaten, Jogurt, Brötchen und Saftkartons von der Ladefläche. Die Zeit ist knapp, die Helfer müssen die Ware schnell in die grünen Boxen verteilen, denn vor 13 Uhr müssen sie auch noch die Ausgabe aufbauen.

Ein paar Minuten sind am Schluss sogar noch übrig, die Helfer können durchatmen. Aber nur kurz. Denn längst warten die ersten Kunden in einer Schlange am Eingang.