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„Ehrenamt sollte immer eine Win-Win-Situation sein“

Engagement in Brüggen : „Ehrenamt sollte immer eine Win-Win-Situation sein“

Eckhard Heynen (65) aus Brüggen spricht über seine Zeit beim Verein „JedermannHilfe“ und über den Mehrwert von ehrenamtlicher Arbeit.

Herr Heynen, acht Jahre waren Sie bei der „JedermannHilfe“ in Brüggen, seit 2016 Vostandsvorsitzender, nun haben Sie den Posten niedergelegt. Was machen Sie jetzt mit der freigewordenen Zeit?

EckharD Heynen: (lacht) Das ist eine gute Frage! Ich hatte mir schon frühzeitig vorgenommen, mit 65 Jahren das Ehrenamt niederzulegen, um dann mehr Zeit für schöne Dinge zu haben, vor allem, um tolle Reisen zu unternehmen.

Wohin soll es denn gehen?

Heynen Eine Zugfahrt durch die USA steht ganz oben auf der Liste oder auch eine Fahrt mit der transibirischen Eisenbahn. Für solche Zugreisen kann ich mich total begeistern.

Warum haben Sie sich im Jahr 2013 für ein Ehrenamt entschieden, warum genau für die „JedermannHilfe“?

Heynen Ich habe früher bereits als Sozialpädagoge gearbeitet, bevor ich vor zehn Jahren krankheitsbedingt in Rente gehen musste. Danach wollte ich mich noch weiter in der Gesellschaft engagieren und eine gemeinnützige, ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Auf die ,JedermannHilfe’ bin ich in unserer Gemeinde Brüggen aufmerksam geworden, habe dort meine Hilfe angeboten und unterstütze seitdem die zahlreichen Projekte. Das Prinzip der Vermittlung zwischen Hilfsbereiten und Hilfesuchenden Mitmenschen ist dabei ebenso einfach  wie effektiv.

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Auf welches Projekt, das Sie während der Zeit bei der JedermannHilfe initiiert haben, sind Sie heute noch besonders stolz?

Heynen Das ist ganz klar das Leihoma-/Leihopa-Projekt, das wir 2019 ins Leben gerufen haben. Ich sage immer gerne, dass dieses Projekt mein Baby war. Es lebt von der gegenseitigen Hilfe und dem Zusammenhalt in der Region.  Wir haben seit Beginn viele Anfragen von Familien, deren Großeltern zum Beispiel weit weg wohnen, oder bei denen die Eltern einfach eine Entlastung im Alltag brauchen. Das Ganze erforderte natürlich einiges an Man-Power und Geduld. Doch inzwischen ist es in der Gemeinde angekommen, auch wenn es manch einer noch mit dem klassischen Babysitter für einen Abend verwechselt.

Viele ehrenamtliche Organisationen leiden unter Personalnot. Ist es schwieriger geworden, freiwillige Helfer zu finden?

Heynen Natürlich hat es das Ehrenamt schwer, Leute zu akquirieren.

Wieso?

Heynen Das liegt wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass sich die Gesellschaft an sich eher auseinander lebt, worunter das Gemeinschaftsgefühl leidet. Die ,JedermannHilfe hat das große Glück, dass sich die Gemeinde Brüggen in den vergangenen acht bis zehn Jahren sehr hilfsbereit gezeigt hat. Viele Leute sind eigenständig auf uns zugekommen und deshalb können wir mit inzwischen 70 Helfern unsere Projekte am Laufen halten.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger oder den jüngeren Generationen  gerne mit auf den Weg geben?

Heynen Ein Nachfolger für meine Position steht bisher noch nicht fest, darüber wird erst in den kommenden Wochen entschieden. Was ich gerne mit auf den Weg geben möchte: Menschen, die ehrenamtlich arbeiten wollen, können sich bei vielen Organisationen, wie der ,JedermannHilfe’ melden und werden in jedem Fall helfen können.  Ehrenamtliche Tätigkeit muss immer eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sein, denn sie dient neben der Hilfe an sich auch als Möglichkeit, Wissen weiterzugeben sowie Generationen und Gemeinschaften wieder zusammen zu führen.