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Ehemaliger Bezirkspolizist aus Viersen-Dülken denkt gerne an seine Dienstzeit zurück

Mensch und Stadt : Vom Polizeidienst in den Ruhestand

Mehr als 20 Jahre lang war Neu-Rentner Wolfgang Vagts Bezirkspolizist in Dülken. An die Zeit denkt er gerne zurück.

Seit sechs Wochen befindet sich Bezirkspolizist Wolfgang Vagts, der über 20 Jahre lang im Polizeidienst gearbeitet hat, im Ruhestand. Der gebürtige Dülkener trat 1974 in den Polizeidienst ein und wurde sechs Jahre später in seinem Heimatkreis eingesetzt. Er startete beim Dülkener Wachdienst, wechselte danach zur Wache in Viersen und arbeitete später in der Direktion Verkehr. Ab 1998 kümmerte sich Vagts beim Bezirksdienst in Dülken um die Belange der Bewohner in seinem Viertel.

Der enge Kontakt zu den Leuten hat ihm an seiner Arbeit immer besonders gut gefallen, erzählt Vagts: „Als Bezirkspolizist hat man mehr Zeit, sich um jeden einzelnen Fall zu kümmern, auch der Druck ist nicht so hoch wie in anderen Abteilungen.“ Während seiner Zeit als Polizist habe er eine Verbindung zu den Leuten seines Bezirks aufgebaut: „Es ist schön, durch Dülken zu laufen und alte Kunden zu treffen, die sich bei mir bedanken, und das, obwohl ich sie teilweise vier Mal eingebuchtet habe“, erzählt Vagts. Auch beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt komme es regelmäßig vor, dass er auf alte Bekannte stoße und sich länger mit ihnen unterhalte.

Als Vagts vor sechs Wochen seine Rente antrat, war er davon ausgegangen, dass er von nun an mehr Freizeit hätte. Dem war aber nicht so: „Ich bin schon seit mehreren Jahren im Karnevalsverein tätig und organisiere zusammen mit zwei Anderen den jährlichen Rosenmontagszug in Dülken.“ Deshalb sei Vagts während der Karnevalszeit total eingespannt gewesen und habe von seinem Ruhestand noch nicht so viel mitbekommen. Die jetzt neu dazugewonnene Zeit weiß er zu schätzen: „Ich kann mich endlich um Projekte am Haus kümmern, die ich vorher immer weg geschoben habe.“ Trotz der vielen Aktivitäten vermisst der gebürtige Dülkener seine Zeit als Bezirkspolizist. „Man bekommt nicht mehr alles mit. Alleine in den letzten sechs Wochen hat sich Vieles in der Stadt verändert, wovon ich gar nichts wusste“ – daran müsse er sich erst gewöhnen. Die Zusammenarbeit und den Umgang innerhalb des Teams habe er immer sehr zu schätzen gewusst. Mit den meisten seiner Kollegen stand er fast 16 Jahre lang im Dienst, gemeinsam haben sie ganz unterschiedliche Fälle gelöst.

Rückblickend seien ihm besonders die tragischen Momente in Erinnerung geblieben, einer davon aber ganz besonders, erzählt Vagts: „Vor ein paar Jahren ereignete sich ein tödlicher Verkehrsunfall, betroffen waren fünfjährige Zwillinge. Mit diesem Fall hatte ich noch lange zu kämpfen.“ Nach solch einem Ereignis sei es besonders wichtig, sich mit den Kollegen auszutauschen und darüber zu reden, nur so könne man das Geschehene verarbeiten und sich auf neue Fälle konzentrieren, sagt Vagts. Dem Bezirkspolizisten sei es immer sehr wichtig gewesen, die Arbeit nicht in sein persönliches Umfeld zu tragen, das lasse sich aber nicht immer vermeiden. Für eine ruhige Nachbetrachtung fehle oft die Zeit, man müsse direkt „umswitchen“ und sich auf den nächsten Fall konzentrieren.

Gerne erinnert sich Vagts an ein Ereignis, das ihn positiv überrascht hat: „Vor ein paar Jahren war ich auf Fußstreife an der Mariensäule in Dülken unterwegs und mir kam ein Mann mit Haftbefehl entgegen, nach dem wir schon länger suchten. Als ich ihn festnehmen wollte, probierte er zu flüchten. Sofort hielten drei Fahrzeuge an, die Leute stiegen aus und halfen mir, den Täter festzuhalten.“ Die Hilfsbereitschaft dieser Menschen wisse er bis heute zu schätzen.

Bei einem anderen Fall erlebte Wolfgang Vagts eine für ihn ziemlich paradoxe Situation: „Während meiner Düsseldorfer Zeit, das war noch vor 1980, hatten wir es mit einem Doppelmord zu tun, der Täter hieß mit Nachnamen ‚Engel‘, das werde ich nie vergessen.“ Auch wenn Vagts während seiner Zeit als Bezirkspolizist mit den verschiedensten Fällen zu tun hatte, konnte er aus allen eine Sache für sich mitnehmen: „Am wichtigsten ist es, Mensch zu bleiben. Einen guten Polizisten macht es aus, dass er Verständnis für die Lage der Betroffenen mitbringt und auf ihre Bedürfnisse eingeht.“ Beim Umgang mit dem Täter beruft sich Vagts auf folgende Redewendung: „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.“ Je nachdem, wie ein Täter sich verhalte, müsse man unterschiedlich reagieren.