Düsseldorf: Falsche Polizisten stehlen zwei Millionen Euro

Organisierte Betrüger : Falsche Polizisten verunsichern Senioren

Organisierte Betrüger haben am Montagabend gezielt im Viersener Bismarckviertel Opfer gesucht. Die Anrufe der falschen Polizisten häufen sich derzeit massiv. Den echten Fahndern bleibt nur, immer wieder zu warnen.

Telefon-Trickbetrüger suchen massiv im Kreis Viersen Opfer. Allein am Montagabend zeigten neun Anwohner des Bismarckviertels in Viersen entsprechende Anrufe an. Sieben Frauen und zwei Männer – das Gros zwischen 75 und 85 Jahre alt – erhielten zwischen 20.30 und 23 Uhr Anrufe von vermeintlichen Kommissaren. „Bei den Anrufern handelte es sich um Männer wie Frauen, alle sprachen gutes Deutsch“, berichtet eine Polizeisprecherin.

Die Masche der Betrüger: „Meist erklärte der angebliche Beamte oder die angebliche Beamtin, in der Nähe seien Einbrecher festgenommen worden.“ Diese hätten neben Diebesgut auch Listen und Fotografien, auch von den Häusern oder sogar Ehepartnern der Angerufenen bei sich getragen oder deren Namen und Adressen sowie Telefonnummern in ihren sichergestellten Handys gespeichert.

Fast jeden Tag klingelt im Kreis Viersen irgendwo ein Telefon, und ein Mann stellt sich als Kriminalkommissar vor. Meistens durchschauen die Angerufenen den Trick sofort. Entweder, weil sie durch die zahllosen Berichte gewarnt sind, oder auch, weil sie einfach wissen, dass die Kripo nicht am Telefon nach den Finanzen eines Bürgers fragt.

Viele legen einfach auf, und immer häufiger rufen sie dann auch die 110. Bei der Kreispolizeibehörde schätzt man, dass die Zahl der misslungenen Betrugsversuche deutlich höher ist. „Für viele Leute ist die Sache mit dem beendeten Gespräch erledigt“, sagt die Polizeisprecherin.

Dabei kann jeder gescheiterte Versuch den Ermittlern wichtige Erkenntnisse über die Täter bringen. Beispielsweise, dass sie ihre Technik auf die Warnungen der Polizei ausrichten. Den Trick, die Telefonnummer der Polizei im Display der Angerufenen anzuzeigen, nutzen sie beispielsweise nicht mehr so oft. Am Montagabend wurde die „110“ keinem der Angerufenen auf dem Telefon angezeigt. Stattdessen weisen die Täter darauf hin, dass die Nummer nicht sichtbar ist, eben weil sie „von der Polizei“ seien. Der freundliche Beamte sagt dann so etwas wie: „Ich lege jetzt auf, und wenn Sie einen Piepton hören, wählen Sie die 110, dann haben Sie meinen Kollegen dran.“ Die Angerufenen seien oft so verdutzt, dass ihnen gar nicht klar sei, dass die Verbindung nie getrennt wurde und sie eben nicht die Leitstelle angerufen haben. „Viele der älteren Leute liegen um 23 Uhr schon im Bett, nehmen den Anruf im Halbschlaf entgegen“, so die Polizeisprecherin.

Doch auch bei Jüngeren verfängt die Masche der Betrüger. Vor gut einem Jahr überreichte eine 56-jährige Frau aus Dülken einem angeblichen Zivilbeamten einen großen Bargeldbetrag. Zuvor hatte ein Komplize bei der Frau angerufen, sich als Kripobeamter aus Essen ausgegeben und sie gebeten, dem „Kollegen“ Bargeld zur Aufbewahrung zu geben. Haben die Täter Erfolg, bringen Kuriere einen Großteil der Beute ins Ausland. Sie wiederum bekommen die Geldpakete von Boten, die für ein Taschengeld als Abholer fungieren. Das ergaben Ermittlungen der Düsseldorfer Kripo: Zwei Männer, die im Dezember zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden, hatten für 500 Euro ein Paket in Düsseldorf abholen sollen, in das eine 80-Jährige mehr als 170.000 Euro gepackt hatte. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat ein Sonderdezernat eingerichtet, das in Zusammenarbeit mit dem LKA auch Fälle aus dem Umland übernimmt, wenn Zusammenhänge zwischen den Taten erkennbar sind. Für die Opfer ist das alles wenig hilfreich. Manche verlieren alles, was sie für den Lebensabend gespart haben.

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