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Viersen: Droht dem Wildgehege in Viersen das Aus?

Viersen : Droht dem Wildgehege in Viersen das Aus?

Die Stadt kann das Wildgehege auf den Süchtelner Höhen nicht mehr finanzieren. Doch: Ein 40 000-Euro-Zuschuss wurde nicht abgerufen.

Die Zukunft des Viersener Wildgeheges steht — wieder — auf der Kippe. Bereits vor zwei Jahren hatte die Verwaltung versucht, die nicht nur bei Kindern und Schulklassen beliebte Freizeiteinrichtung zu schließen. Damals fegte ein Sturm der Entrüstung durch die Bevölkerung und die Politik. Die Konsequenz: Die Rathausspitze ruderte zurück, es wurde ein Konzept zur Erhaltung der Einrichtung erarbeitet. Das Paket, das die Beteiligten in der Folgezeit schnürten, ließ fast keine Wünsche offen: vom Lehrpfad über Klanghölzer bis zum Baumtelefon — die möglichen Aktivitäten begeisterten Groß und Klein. Auch das Insektenhotel und die Einrichtung eines Werkraums für Kinder waren im Themenkatalog zu finden. Schließlich sollte ein Falkner sich aktiv beteiligen.

Um Sponsoren zu finden, führte die Verwaltung im Sommer an zwei Terminen jeweils einen "Tag der offenen Tür" durch. Und die Menschen in Viersen und Umgebung freuten sich: Kinder bekamen spielerisch die Möglichkeit, sich mit der heimischen Natur auseinanderzusetzen.

Inzwischen herrscht bei der Verwaltung jedoch Katerstimmung. "Wir haben es nicht geschafft, Sponsoren zu finden, die die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen", so Viersens Umweltdezernent Gerd Zenses mit Blick in die leere Stadtkasse. Rund 25 000 Euro werden zur Aufrechterhaltung des Betriebs jährlich benötigt.

CDU-Ratsherr Fritz Meies hat da jedoch eine etwas andere Vorstellung. "Die Sparkassenstiftung hat der Stadt Viersen 40 000 Euro für das Wildgehege zugestanden", so das Kuratoriumsmitglied. "Das Geld liegt seit mehr als einem Jahr bereit, es ist bis heute nicht abgerufen worden. Dass man als Verwaltung so unzuverlässig sein kann, ist für mich unfassbar."

Zenses räumt ein, dass hier vielleicht einiges "unglücklich gelaufen" ist. Inzwischen gibt es bei der Verwaltung jedoch neue Pläne. Sie möchte einen privaten Investor finden, der das Wildgehege künftig bewirtschaften soll. Naheliegend ist da der Betreiber des benachbarten Kletterwalds. Mehrfach führte die Stadt entsprechende Gespräche. Mit Erfolg: "Inzwischen liegt eine konkrete Absichtserklärung vor", so Zenses. Es sei ein "Sondierungsgespräch" mit dem Ziel geführt worden, ob die Vorstellungen der Stadt mit den Überlegungen und Möglichkeiten des Investors übereinstimmen. "Wenn es zu einer Privatisierung kommt, brauchen wir das Geld der Sparkassenstiftung nicht", versucht der Beigeordnete der Panne um die nicht abgerufenen 40 000 Euro noch einen positiven Aspekt abzugewinnen.

Für die Viersener Politik ist die Angelegenheit allerdings noch nicht unter Dach und Fach. Vor allem die Fraktion der Grünen hat noch einige Fragen: "Wie viele Tiere sind dort künftig untergebracht?", will Ratsfrau Renate Mihm-Werth wissen. "Und sind es überhaupt heimische Tiere, die dort künftig gehalten werden?" Auch die CDU sieht zum jetzigen Zeitpunkt noch erheblichen Gesprächsbedarf. "Ein wenig mehr Konzept und Inhalt hätten wir uns schon von der Verwaltung gewünscht", fasst Ratsherr Erhard Braun die Meinung seiner Partei zusammen.

In den kommenden Wochen kann die Verwaltung nacharbeiten. Erste Ergebnisse sollen am 21. März in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vorgelegt werden. Über die Pachtabschlüsse könnte der Haupt- und Finanzausschuss dann im März entscheiden.

(RP)