Digitalisierung an Schulen — wo steht Viersen?

Stadt Viersen : Digitalisierung an Schulen — wo steht Viersen?

Die Internetgeschwindigkeit an vielen Schulen ist lahm, Hunderte Computer sind veraltet — aber 2020 soll beim Thema „Digitalisierung an Viersener Schulen“ der Wendepunkt werden. Ein komplexes Projekt. Wie soll das genau funktionieren?

Als die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Jahr 2016 den „Digitalpakt Schule“ ankündigte, war das Ziel klar. Er sollte den Aufbruch in die digitale Schulzukunft markieren, die Bildungseinrichtungen in die IT-Moderne katapultieren – mit schnellem W-Lan, smarten Tafeln und digitalen Lernplattformen. Pech: Wanka hatte vergessen, die notwendigen Mittel im Haushalt zu beantragen. Dann gab’s ein Hin und Her, ob für den Digitalpakt das Grundgesetz geändert werden muss oder nicht – und als klar war, dass es geändert werden muss, blockierte zunächst der Bundesrat, musste der Vermittlungsausschuss das Förderprogramm retten. Erst seit 19. Mai 2019 ist der Digitalpakt beschlossene Sache, können die Kommunen die 5,5 Milliarden Euro Fördergelder abrufen. Wo steht Viersen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum ist die IT-Ausstattung an Schulen so wichtig?

„Die IT-Ausstattung entwickelt sich seit Jahren zu einem immer wichtigeren Baustein“, sagt Schuldezernentin Çigdem Bern. Nicht nur im Unterricht, auch in der Schulverwaltung. Medienkompetenz werde im pädagogischen Bereich zu einer Schlüsselkompetenz.

Welche Schulen sollen von der Digitalisierung profitieren?

Neben den sieben weiterführenden Schulen und der Primusschule auch die zwölf Grundschulen. An allen Viersener Schulen soll die Verkabelung nach einem einheitlichen Standard aufgebaut oder ausgebaut werden. Es soll dazu feste Netzwerkanschlüsse in den einzelnen Räumen geben, aber auch eine flächendeckende Versorgung mit W-Lan.

Woher weiß die Stadt, was die Schulen brauchen?

Durch Marco Schmitz. Der 46-Jährige ist seit Juli der IT-Beauftragte der Stadt für die Digitalisierung an Schulen. Er hat mit den Medienbeauftragten der Schulen gesprochen, die entsprechenden Medienkonzepte der Schulen mündeten in den sogenannten Medienentwicklungsplan. „Die Schulen haben erklärt, was sie inhaltlich wollen, ich habe das technische Know-how beigesteuert, kenne die Palette an Hardware.“ Die Zusammenarbeit mit den Schulen sei „sehr gut“, lobt Schmitz. „Das ist sehr offen, läuft Hand in Hand.“ Was ihm auffiel: Viele Rechner hatten ein älteres Betriebssystem, konnten neue Software nicht einsetzen. Nun sollen mehr als 400 neue Computer angeschafft werden. „Wir setzen auf einheitliche Standards, das erleichtert dann auch den Support.“ Und das hilft, Kosten zu senken.

War bisher alles schlecht?

„Nein“, widerspricht Thomas Küpper, Leiter der Johannes-Kepler-Realschule in Süchteln und selbst Informatiklehrer. In seiner Schule gibt’s drei IT-Räume. „Auch wenn der Haushalt eng war, hat die Politik viel Wert auf die technische Ausstattung der Schulen gelegt.“ Freilich: Die Schulen waren unterschiedlich gut aufgestellt, berichtet Schmitz.

Was soll jetzt passieren?

Drei Dinge passieren parallel. Erstens: Die Verkabelung in den Schulen wird auf Stand gebracht. „Die ersten Ausschreibungen werden im Frühjahr veröffentlicht – mit dem Ziel, die Arbeiten in den Sommerferien auszuführen“, sagt Bern. „Die Kabel werden auf den Wänden auf Putz gelegt, verschwinden dann in den abgehängten Decken“, sagt Schmitz. Die Arbeiten an vier bis fünf Schulen sind in einzelnen Paketen zusammengefasst. Davon ausgenommen sind die Schulen, an denen derzeit ohnehin Sanierungsmaßnahmen anstehen – dort wird die Verkabelung im Rahmen der Sanierung vorgenommen, um Kosten zu sparen. Das betrifft ein halbes Dutzend Schulen.

Was geschieht währenddessen?

Zum einen wird der Breitbandausbau wird vorangetrieben. „Die Mehrzahl der Schulstandorte erhält einen Glasfaseranschluss über den vom Kreis Viersen gesteuerten Netzausbau“, erklärt Schmitz. Allerdings fallen nicht alle Schulstandorte in dieses Förderprogramm. Was passiert bei denen? „Da prüfen wir, inwieweit andere Technologien eingesetzt werden können, um die Verbindungsleistungen zu erhöhen“, sagt Bern. „Entweder durch das so genannte Vectoring oder durch Kabelanschlüsse“, ergänzt Schmitz.

Zum anderen wird die IT-Ausstattung selbst – darunter 420 neue Computer, 112 neue Drucker, 21 Server, 67 Netzwerkverteiler – angeschafft.

Bis wann soll der Ausbau abgeschlossen sein?

„So schnell wie möglich“, sagt Bern. Das hängt aber auch davon ab, ob die Verwaltung Firmen findet, die die Arbeiten ausführen. „Wir sind ja immer auf die Ferien angewiesen“, erklärt die Beigeordnete. Spätestens im Jahr 2023 soll das Digitalprojekt komplett abgeschlossen sein.

Und 2023 sind dann die Rechner wieder veraltet?

„Wir sehen die    IT-Ausstattung der Schulen als fortlaufende Aufgabe“, sagt Bern. „Deshalb werden in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit den Schulen Konzepte erarbeitet, um erforderliche Standards zu definieren.“ – beispielsweise für Ersatzbeschaffungen oder den weiteren Ausbau.

Lesen Sie hier im Interview, was die Schuldezernentin über fehlende Fördergelder und die soziale Komponente der Schul-IT sagt.