Viersen Dieter Könnes sieht beim Ansehen des Sports noch Aufholbedarf

Viersen · Unter der Überschrift "Im Sport steckt Bildung" hat der Kreissportbund am Mittwoch zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. Mit dabei ist auch der TV- und Radiomoderator aus Viersen.

 Moderator Dieter Könnes.

Moderator Dieter Könnes.

Foto: I.FUCHS

Wer regelmäßig die Programme des WDR einschaltet, dem wird der Name Dieter Könnes schon mal begegnet sein. Sowohl im Fernsehen als auch im Radio moderiert der 45-jährige Süchtelner die Servicezeit, zudem setzt er sich mit dem TV-Format "Könnes kämpft" regelmäßig für Verbraucherrechte ein. Seit Anfang 2015 präsentiert er auch noch beim Bezahlsender Sky die Handball-Champions League. Dass da sein Terminkalender gut gefüllt ist, kann nicht überraschen.

Doch den 1. Februar hat Könnes sich schon lange ganz dick angestrichen. Denn am Mittwoch will er unbedingt dabei sein, wenn der Kreissportbund Viersen (KSB) im Forum des Kreishauses ab 18 Uhr zur Diskussionsveranstaltung "Im Sport steckt Bildung" einlädt. Als ehemaligem Handballer auf Regionalliga-Niveau und studiertem Sportwissenschaftler ist es ihm eine Herzensangelegenheit, sich für eine stärkere Wahrnehmung des Sports als gleichberechtigter Akteur im Bildungssystem einzusetzen. "Die Bedeutung des Sports wird generell unterschätzt", sagt Könnes. Wobei er dabei den Sportbegriff nicht zu eng gefasst haben, sich nicht auf Sportunterricht oder sportspezifischen Fähigkeiten beschränken möchte. Ihm geht es um die positiven Effekte von Bewegung im weitesten Sinne. "Andere Länder sind da schon viel weiter. In Japan zum Beispiel bieten Großkonzerne am Mittag Erholungsräume mit Bewegungsmöglichkeiten an, damit Angestellte Kraft tanken können", erklärt Könnes und ergänzt: "Es gibt genug Studien, die die positiven Effekte von Bewegung auf die Entwicklung des Gehirns belegen." Deswegen findet er es auch gut, dass der Landessportbund im Herbst 2015 die Kampagne "Das habe ich im Sport gelernt" auf den Weg gebracht hat. Deren Schwerpunktziel ist es, Sportvereine neben Kindergärten, Schulen und Universitäten als Bildungsakteure auf Augenhöhe zu positionieren. Ein Ziel, dass für Könnes gerade in unserer immer technisierteren Welt an Bedeutung gewinnt: "Wir können uns dem gesellschaftlichen Wandel nicht entziehen. Und es bleibt dabei: Was Kinder nicht lernen, können sie als Erwachsene nur noch sehr schwer nachholen."

Könnes selbst ist im Alter von elf Jahren über den Schulsport zum Handball gekommen. Damals hatte er so viel Spaß im Unterricht, dass ihm ein Klassenkamerad empfahl, mal beim Handballtraining des ASV Süchteln vorbeizuschauen. Ein Tipp, für den Könnes noch heute dankbar ist. Denn als Mannschaftssportler habe er einen Großteil seiner sozialen Kompetenz mit auf den Weg bekommen. "Da habe ich schnell gelernt, dass man sich in einer Gruppe ein- und teilweise auch unterordnen muss, um gemeinsam etwas zu erreichen. Ich habe erkannt, dass mich in schwierigen Situationen andere auffangen, dass ich auf andere angewiesen bin", erinnert sich Könnes. Vor diesem Hintergrund sei es ihm auch immer leichter gefallen, in Gruppen außerhalb des Sports Fuß zu fassen. Insofern sei der sozial-pädagogische Lerneffekt beim Sport noch höher zu bewerten als die körperliche Komponente. Dabei sieht er auch keinen Widerspruch zu einer weiteren Lektion, die ihn der Handball gelehrt hat. Nämlich die, dass er extrem leistungsorientiert denken musste, um sich in höheren Spielklassen zu behaupten. "Das hat ein Trainer wie einen Chip bei mir eingepflanzt, das hat mich extrem geprägt", erklärt der 45-Jährige und ergänzt: "Konkurrenz belebt das Geschäft und man steht vor der Frage: Stecke ich den Kopf in den Sand oder krempele ich die Ärmel hoch? Das hat mir auch im Beruf geholfen." Dass im Sport manchmal im übertragenen Sinne auch die Ellenbogen ausgepackt werden mussten, um seine Position zu behaupten, hat Könnes jedenfalls nicht davon abgehalten, jede Menge Freunde beim Handball zu gewinnen. Auch mit Gegenspielern von früher hat er freundschaftliche Bande geknüpft. "Schließlich lernt man im Sport auch Respekt und Anerkennung der gegnerischen Leistung", betont Könnes.

Vor diesem Hintergrund war es für ihn auch so wichtig, seine beiden Söhne möglichst früh mit Vereinssport in Kontakt zu bringen. Wegen der nach wie vor guten Kontakte zum ASV Süchteln, lag es nahe, die beiden mal beim Handball reinschnuppern zu lassen. Inzwischen sind sie schon zwei Jahre dabei, und die Begeisterung hat auch sie gepackt. Wenn Dieter Könnes fragt, ob sie sich mit ihm ein Spiel der ersten ASV-Mannschaft anschauen, dann sind sie sofort dabei. Und auch bei ihnen lassen sich schon Lerneffekte erkennen. "In unserer immer stärker digitalisierten Welt wird vieles beliebiger. Wenn ich dann sehe, dass einer meiner Söhne anfängt, seine Spiele in einen Kalender einzutragen, und so beginnt, sein Leben zu strukturieren, dann ist das einfach nur klasse. Ganz abgesehen davon, dass die Jungs schnell merken, dass sie sich an Regeln halten müssen", sagt Könnes. Damit, dass er diese Begeisterung bei seinen Söhnen geweckt hat, schließt sich für ihn ein Kreis. Und aus eigener Erfahrung weiß er, dass auch in der Schule die Basis für so eine Entwicklung gelegt werden kann.

Deswegen geht er auch mit gewissen Erwartungen in die Diskussionsrunde am Mittwoch, wenn sich Sportvereine und Bildungsträger begegnen. "Ich fände es klasse, wenn wir uns in der Runde darauf verständigen könnten, dass die Bedeutung des Sports größer ist, als er sich im Stundenplan wiederfindet und wenn die Veranstaltung der Startschuss für ein Projekt sein könnte", sagt Könnes. Hört sich ganz danach an, als könnte der Mittwoch einen spannenden Abend bringen.

(RP)