Diebstähle im Kreis Viersen

Prozess : Autoschieber-Bande zu jahrelanger Haft verurteilt

Im Kreis Viersen gestohlene Luxuskarossen wurden von drei Männern umgearbeitet und an Hehler weiterverkauft.

Das Landgericht Bielefeld hat drei Männer aus Osteuropa zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer gestohlene Luxuskarossen ankauften, deren Identitäten fälschten und die Fahrzeuge dann weiter verschoben. Insgesamt 19 in halb Deutschland gestohlene Autos soll das Trio so umgearbeitet haben, dass die Fahrzeuge auf Steuergeräten und Fahrgestellnummern neue Identitäten bekamen – und so zulassungstechnisch nicht mehr zu erkennen waren. Zu den so bearbeiteten Fahrzeugen gehörten ein BMW aus Schwalmtal, ein Porsche Macan aus Nettetal und ein Range Rover aus Tönisvorst, alle jeweils im Wert von 60.000 Euro. Das Landgericht Bielefeld ging davon aus, dass der Gesamtwert der Fahrzeuge bei rund 1,2 Millionen Euro lag.

Als Haupttäter war ein Lette (33) angeklagt, der in Papenburg eine Halle angemietet hatte, dorthin von einer professionellen Diebesbande die Autos liefern ließ und sich dann aussuchte, was er zum Weiterverkauf behalten wollte. Die beiden Mitangeklagten – ein zweiter Lette (33) und ein Litauer (39) – steuerten ihre Fähigkeiten beim Umprogrammieren der Elektronik und beim Beschaffen neuer, echter Papiere bei. Nach Abschluss der Umarbeitungen wurden die Autos an Hehler im Osten weiterverkauft.

Der von der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld befürchtete Mammutprozess blieb aus. Weil die Angeklagten umfassende Geständnisse ablegten, erhielten sie geringere Haftstrafen, als sie ohne Geständnis zu erwarten gehabt hätten. Der 33-jährige Drahtzieher muss wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei für sechseinhalb Jahre hinter Gitter, die beiden anderen Täter für drei Jahre und drei Monate beziehungsweise zwei Jahre und acht Monate.

Wie in der Beweisaufnahme deutlich wurde, konnten die eigentlichen Autodiebe noch nicht ermittelt werden. Die Hehlerbande hingegen hatte Pech: Eines von mehreren in Bielefeld „zwischengelagerten“ Fahrzeugen machte im März 2017 unerwartet durch das Absenden eines Notsignals auf sich aufmerksam. Da der Range Rover bereits vor Wochen als gestohlen gemeldet worden war, kam die Polizei so dem jetzt verurteilten Trio auf die Schliche. Im Dezember 2017 wurden die drei Männer auf dem Weg von Berlin nach Papenburg verhaftet. In der Halle wurden damals zahlreiche Autos sichergestellt – darunter auch der Porsche aus Nettetal und der Range Rover aus Tönisvorst. Der BMW aus Schwalmtal war bereits zuvor bei der „Überführung“ nach Berlin im Besitz eines anderen Hehlers sichergestellt worden. Von mehreren der gestohlenen Fahrzeuge fehlt bis heute jede Spur.

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