Meine Kulturwoche: Die Welt ist ein Lehmklumpen — tragisch, aber formbar

Meine Kulturwoche: Die Welt ist ein Lehmklumpen — tragisch, aber formbar

Kindertheater bringen oft beeindruckend klar und poetisch ernste Themen auf die Bühne. "Patricks Trick" etwa fragt danach, was eine Behinderung ist, und im Kunst-Abenteuer "Aus dem Lehm gegriffen" entstehen und vergehen Welten

Die Welt ist eine Bühne, aber manchmal auch ein Lehmklumpen oder eine Kinderfantasie. In jedem Fall eignet sich das Theater - Google hin, Youtube her -, um Lebensfragen unter ein Brennglas zu legen und die Facetten im Vergrößerungsglas zu betrachten.

In dieser Woche sind es zwei Stücke, die eigentlich für Kinder und Jugendliche gemacht wurden, die große ernste Themen poetisch auf den Punkt bringen. Am Mittwoch, 7. März, 20 Uhr, zeigt das Theater Kohlenpott aus Herne "Patricks Trick" in der Viersener Festhalle. 2016 wurde das prämierte Theaterstück von Kristo Sagor bereits einmal vor jungen Zuschauern in Viersen gezeigt. Das Thema: Menschen mit Behinderung. Die Geschichte: Patrick (11) belauscht seine Eltern und erfährt, dass er einen behinderten Bruder bekommt, der wahrscheinlich niemals sprechen können wird. Patrick will es ihm trotzdem beibringen. Er fragt Menschen um Rat, die ihm vorher Angst machten: einen kroatischen Boxtrainer, seine Deutschlehrerin, eine behinderte Gemüsefrau und einen Professor. Die Schauspieler Manuel Moser und Jan-Friedrich Scharper spielen Patrick und seinen ungeborenen Bruder, im schnellen Wechsel schlüpfen sie in die übrigen Rollen, beleuchten unverblümt, witzig, wertfrei das Thema Behinderung.

Philosophisch und handfest zugleich betrachten Thalias Kompagnons - Joachim Torbahn und Tristan Vogt - das Leben, das Entstehen und das Vergehen, die Verwandlung, den Untergang und den Neubeginn. Als Schöpfer sitzt Torbahn an einem Arbeitstisch: Am Anfang zeichnet er ein paar Spuren in die Lehmplatte - wie in Wüstensand geweht. Dann formt er Landschaften, Gewächse, Wesen, Welten - und zerstört sie wieder. Doch die Zerstörung trägt den Keim des Neuen in sich und die Botschaft: Nichts bleibt, wie es ist, alles ist vergänglich, alles ist möglich, solange der Lehm nicht aushärtet. Mit musikalischer Untermalung knetet, quetscht, biegt, schmiert, klebt, biegt und schichtet der Künstler den Ton, eines der ältesten Gestaltungsmittel der Menschheit. Und so archaisch sind auch die Geschichten, die das Knet-Stück "Aus dem Lehm gegriffen" für Zuschauer ab vier Jahre erzählt. Am Sonntag, 11. März, 15 Uhr, und am Montag, 12. März, 11 Uhr, ist das Kunst-Abenteuer in der Viersener Festhalle zu sehen.

(RP)