Die weißen Riesen - noch nie hat Rassekaninchenzüchter Dieter van Cruchten bei der Kreisschau gewonnen

Kaninchenzüchter : Die weißen Riesen und der große Traum

Seit einem Vierteljahrhundert züchtet der Dülkener Dieter van Cruchten Kaninchen. „Aber noch nie habe ich bei der Kreisschau der Rassekaninchenzüchter gewonnen.“ An diesem Wochenende soll es glücken.

Dieter van Cruchten hat in den vergangenen 25 Jahren viel erreicht. Davon erzählen die Pokale, die der 70-Jährige auf mehreren Ebenen einer Vitrine in seinem Wohnzimmer ausgestellt hat. Noch mehr aber erzählen davon seine Blicke, die er in dem großen selbstgezimmerten Stall im Garten des Mehrfamilienhauses stolz seinen Tieren zuwirft. Den weißen Riesen. Den gelben Riesen. Den wildfarbenen Riesen. Und die haben jetzt Riesen-Hunger.

Nachwuchs bei den Weißen Riesen. „In diesem Jahr wurden nur wenige Weibchen trächtig“, sagt van Cruchten. Foto: Martin Röse

Van Cruchten packt Salatköpfe und Möhren in eine große Kiste, macht sich auf den Weg. Fütterungszeit. Er spricht mit den Tieren. Schaut genau hin, ob einem etwas fehlt. Es ist eine fast besinnliche Atmosphäre. „Wenn ich hier bei meinen Kaninchen bin, da ist die Welt in Ordnung“, sagt van Cruchten. Der Preis dafür ist hoch: Seit Jahrzehnten ist der gelernte Maler und Anstreicher nicht in Urlaub gefahren. „Ich kann die Tiere doch nicht alleine lassen.“ Im Sommer hilft der Rentner, der selbst auf einem Bauernhof in Süchteln aufwuchs, den Landwirten bei der Arbeit. „Im Gegenzug bekomme ich Stroh und Futter für die Tiere.“ Sonst wäre das Hobby kaum zu finanzieren.

Riesenkaninchen Apollo kann sich schlafend stellen. Foto: Martin Röse

Die Rassekaninchen mümmeln in ihren Ställen. Und auch van Cruchten hat an etwas zu knabbern. „Seit Jahrzehnten züchte ich nun schon Rassekaninchen und habe bei verschiedenen Schauen Preise gewonnen“, erzählt er. „Aber noch nie bei der Kreisschau der Rassekaninchenzüchter!“ Die ist an diesem Wochenende. Da soll van Cruchtens Traum in Erfüllung gehen. Einmal gewinnen!

Akribisch bereitet der 70-Jährige seine Tiere darauf vor. Er putzt die Schalen – so nennt man das, was bei Hasen Löffel heißt. Er schneidet die Nägel – eine Prozedur, die die Neun-Kilo-Kaninchen nicht gerade wertschätzen und die deshalb Schnelligkeit, Geschick und körperlichen Einsatz verlangt. Er kämmt das Fell (Trockenshampoo macht es schön weiß). All das dauert rund eine Stunde. Pro Tier. Und van Cruchten will mehr als ein Dutzend Tiere ausstellen, um seine Chancen auf den ersten Platz zu steigern.

„Natürlich hängt es von der Tagesform des Tieres ab, ob es gewinnt“, sagt er. „Und von der Vorliebe der Jury.“ Was der eine als 97,5 sieht, sei für den anderen vielleicht nur eine 96,5. Das kann dann schon der entscheidende Unterschied sein, der über Sieg und Niederlage entscheidet.

Es war van Cruchtens Onkel, der ihn noch vor der Jahrtausendwende für die Kaninchenzucht begeisterte. Vom Anfänger arbeitete er sich hoch. Heute reicht ihm ein Blick auf den Kopf, um selbst das Geschlecht eines neugeborenen Tieres zu erkennen. In zwei der selbst gezimmerten Boxen kümmern sich Muttertiere um ihre Kleinen. Erst vier Tage zuvor hat ein Kaninchen geworfen. „Insgesamt sind aber in diesem Jahr nur sehr wenige Tiere trächtig geworden sagt er. „Der Sommer war zu warm. Da werden die Kaninchenweibchen nicht heiß.“

Kann er bei so vielen Tieren den Überblick behalten? Haben alle Namen? „Nur die Besten“, sagt van Crüchten. Apollo zum Beispiel. Der kann sich sogar schlafend stellen. Preisverdächtig!

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