Die Verwaltung des Kreis Viersen will bis 2040 CO2-frei werden

Kreis Viersen : Ziel: Kreisverwaltung bis 2040 CO2-frei

Landrat Andreas Coenen stellte jetzt die Klimastrategie des Kreises Viersen vor. Entscheiden muss die Politik.

Der Landrat des Kreises Viersen hat ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben. Er will, dass die Kreisverwaltung bis zum Jahr 2040 „klimaneutral“ wird. Im Klartext: dass sie kein Milligramm des Treibhausgases CO2 produziert. Zum Vergleich: Aktuell liegen die energiebedingten CO2-Emissionen der Liegenschaften noch bei rund 2000 Tonnen pro Jahr. Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, ist ein radikaler Umbau der Kreisverwaltung notwendig – ob bei der Strom- und Energieversorgung der Liegenschaften des Kreises, bei der Mobilität der Mitarbeiter oder beim Einkauf von Materialien.

„Hitzeperioden, Starkregen, Stürme und sogar ein Orkan haben uns in den vergangenen Jahren vor Augen geführt, dass der Klimawandel auch im Kreis Viersen angekommen ist“, betont Coenen. „Die endgültigen Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Die Folgen treffen uns jedoch alle und vor allem nachfolgende Generationen“, sagt der Landrat. „Deswegen müssen wir handeln – schnellstmöglich und weitreichend.“

Die Kreisverwaltung soll ihre CO2-Emissionen deshalb innerhalb von 20 Jahren auf null reduzieren. „Das ist ein griffiges und messbares, aber auch ein ambitioniertes Ziel“, sagt Coenen. Er sieht die öffentliche Verwaltung in der Pflicht: „Wir haben das Fachwissen und viele Möglichkeiten. Es ist jetzt der Zeitpunkt, Verantwortung zu übernehmen, voranzugehen und zu zeigen: Klimagerechtes Handeln ist aus ethischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen geboten.“

Um den CO2-Ausstoß zu senken, habe der Kreis Viersen bereits in der Vergangenheit einiges umgesetzt – so bezieht er seit vier Jahren zertifizierten Ökostrom. Allein dadurch seien die energiebedingten CO2-Emissionen um fast 1000 Tonnen pro Jahr reduziert worden. Auch Photovoltaik und Solarthermie auf den Dächern der Liegenschaften wurden installiert. Kurzfristig will der Kreis beim Erdgas auf Öko-Gas umsteigen. „Das kann allerdings allenfalls eine Übergangslösung sein“, sagt Coenen. Stattdessen sollen nach und nach Heizungsanlagen ausgetauscht werden und beispielsweise Wärmepumpen die Beheizung sicherstellen.

Im Bereich des nachhaltigen Bauens soll der Kreis eine Vorreiterrolle einnehmen. Mit dem Kreisarchiv entsteht aktuell ein Gebäude nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung, das mehr Energie erwirtschaftet als es verbraucht. Dass die Kosten für den nachhaltigen Bau mit 14,7 Millionen Euro deutlich über der ersten Schätzung aus dem Jahr 2016 liegen – damals war von einem Betrag zwischen 8,9 und 10,7 Millionen Euro die Rede –, hat zumindest die SPD vergrätzt. Auch das neue Straßenverkehrsamt und die neue Förderschule West, die in der Nachbarschaft des Kreishauses am Ransberg in Dülken gebaut werden sollen, will der Landrat in nachhaltiger Bauweise errichten lassen. Die Digitalisierung könne helfen, das Ziel zu erreichen, ist der Landrat überzeugt. Schon heute arbeiten Dutzende Mitarbeiter der Kreisverwaltung im Homeoffice. Coenen: „Wir werden künftig auch Konferenzen verstärkt per Video abhalten.“

Die neue Klimastrategie ziele dabei nicht nur ins eigene Haus. Ein wichtiger Baustein sei die Fortschreibung des integrierten Klimaschutzkonzeptes, sagt Coenen. Kooperativ mit den teilnehmenden Städten und Gemeinden soll der Schwerpunkt dabei ebenfalls auf Maßnahmen mit hohem CO2-Einsparpotenzial liegen. Die Viersener Stadtverwaltung empfiehlt dem Viersener Rat, sich auch an dieser Fortschreibung zu beteiligen. So könnten Synergieeffekte genutzt werden. Die Entscheidung soll am Montag, 27. Januar, im Hauptausschuss fallen.

Neben dem Klimaschutz ist die Anpassung an die Klimafolgen eine zweite Säule der Strategie des Kreises. „Aktuell setzen einige Städte und Gemeinden bereits einzelne Maßnahmen um. Ein kreisweites Konzept fehlt allerdings bislang“, sagt Andreas Budde, Technischer Dezernent des Kreises Viersen. „Wir möchten bei den Maßnahmen Synergien nutzen, um vor allem die Bürger, aber auch Infrastruktur, Sachwerte und die Natur vor den negativen Folgen des Klimawandels zu schützen.“ Auch dieses Feld bearbeitet der Kreis Viersen sowohl hausintern als auch mit unterschiedlichen Partnern kreisweit.

Zum Nulltarif ist die klimaneutrale Kreisverwaltung allerdings nicht zu haben. Ein Dutzend neue Stellen – 6,5 in diesem Jahr, 5,5 im Jahr 2021 – will der Landrat dafür in der Stadtverwaltung schaffen. Und auch die Vorbereitungen für die geplante E-Mobilität findet sich bereits an diversen Stellen im Haushaltsentwurf – beispielsweise für Wallboxen, also Ladestationen für Elektroautos.

Im Zuge der Haushaltsberatungen werden die Parteien also auch über die Klimastrategie des Landrats beraten. Und am Ende entscheiden, ob sie tatsächlich so umgesetzt werden soll. Voraussichtlich im März wird der Haushalt verabschiedet.