Viersen: Die Tricks der Telefon-Abzocker

Viersen: Die Tricks der Telefon-Abzocker

Eine Viersener Seniorin ist Trickbetrügern zum Opfer gefallen. Am Telefon gab sich ein Täter als Polizeibeamter aus

Das Handy müsse immer eingeschaltet bleiben. "Wir beobachten Sie", sagt eine männliche Stimme am Telefon. Die Rentnerin fährt zum vereinbarten Treffpunkt in Viersen. Dort erscheint ein junger Mann; gepflegt, schlank, angeblich im Auftrag der Kriminalpolizei. Die Seniorin übergibt ihm einen Umschlag mit mehreren Tausend Euro.

Nun ist das Geld weg. "Ich könnte mich im Nachhinein dafür ohrfeigen", sagt die Frau. "Aber sie haben mich um den Finger gewickelt." Die Viersenerin ist Trickbetrügern zum Opfer gefallen. "Dabei ist von richtigen organisierten Banden auszugehen", sagt Antje Heymanns, Sprecherin der Kreispolizei. Systematisch wählen Betrüger aus Telefonbüchern Nummern aus, mit denen Vornamen verbunden sind, die auf ein höheres Alter hindeuten. Die Anrufer geben sich als Polizisten aus und versuchen, den Angerufenen Geld und Wertsachen zu entlocken.

Für die Viersenerin begann es am Freitagmorgen. Im Display ihres Festnetztelefons erschien die Nummer 02162 110. Der Anrufer gab sich als Polizeibeamter aus. "Angeblich wurde in anderen Häusern in der Nachbarschaft eingebrochen", erinnert sie sich. "Er fragte, ob ich Bargeld zu Hause hätte. Ich hatte keins." Der Mann verwies auf die Giro- und Sparkonten der Frau. Er nannte den Namen der Bank sowie auch die genaue Anzahl und Art der Konten. "Ich weiß nicht, woher die das alles wissen konnten", sagt sie und schüttelt den Kopf. "Da war ich schon stutzig." Anschließend soll der Mann sie dazu gedrängt haben, das Geld in Sicherheit zu bringen. Ausgerechnet ein Mitarbeiter der Bankfiliale, bei der die Betroffene Kundin ist, habe nämlich den Einbrechern Tipps gegeben, bei welchen Kunden Beute zu holen sei. "Ich durfte den Anruf nicht unterbrechen", sagt die Seniorin. "Als ich das einige Male versucht habe, wurde ich direkt zurückgerufen. Er fragte, warum ich aufgelegt hätte."

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Sie vereinbarten einen Treffpunkt und ein Passwort. Während der Autofahrt musste sie das Handy weiter eingeschaltet lassen - auch nach der Übergabe. Angeblich wollte der falsche Beamte so sicherstellen, dass der Seniorin auf der Rückfahrt nichts zustößt. "Zu Hause habe ich die richtige Polizei angerufen", sagt sie. Am Abend erhielt die Viersenerin wieder einen Anruf von dem falschen Polizisten. "Er fragte, ob alles in Ordnung sei", sagt sie. "Ich sagte, dass ich mein Geld zurückhaben möchte." Der Anrufer versicherte, dass die Angelegenheit bis Montag geklärt sei - und meldete sich tatsächlich. "Angeblich bräuchten sie aber nun Hilfe, das Geld wieder zu beschaffen, da der Anführer der Falschgeldbetrüger im Ausland sitze", sagt die Rentnerin. "Ich solle eine Überweisung tätigen. Da habe ich aufgelegt."

Die Hoffnung der Seniorin, ihr Geld zurückzubekommen, ist gering. Die Suche nach den Tätern gestalte sich sehr schwierig, heißt es von der Polizei. "Meist gibt es keine Zeugen oder Spuren, manchmal haben die Betroffenen nicht viele Erinnerungen", sagt Heymanns. Außerdem trauen sich nicht alle Opfer, zur Polizei zu gehen: "Oft schämen sich die Leute, dass ihnen so etwas passiert ist." In den vergangenen zehn Tagen sind der Polizei weit über fünfzig derartige Betrugsfälle gemeldet worden. In manchen sind die Angerufenen misstrauisch geworden, meldeten aber auch den gescheiterten Tatversuch. Die Beamten gehen von einer weit höheren Dunkelziffer aus.

(juz)
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