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Brüggen/Schwalmtal: Die Steinemaler aus dem Grenzland

Brüggen/Schwalmtal : Die Steinemaler aus dem Grenzland

Steine bemalen und von anderen finden lassen: Das ist das Hobby von Familie Poppels und Freunden. Wie sie damit anderen helfen.

Frank Poppels sieht jetzt nicht aus wie ein Mann, der Kieselsteine bemalt. Tut er aber. Mit Acrylfarbe und Serviettentechnik werden unscheinbare Steine in kleine Kunstwerke verwandelt. Sie bleiben aber nicht beim Gestalter, sondern kommen in die freie Wildbahn. „Die Steine werden ausgewildert, im Wald  oder an öffentlichen Plätzen verteilt“, erzählt der 45-Jährige. Und dort sollen sie zu Fundstücken werden. Zu Fundstücken, die den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihren Alltag ein wenig bunter werden lassen. „Im Kinderdorf Bethanien sind die Kinder verrückt danach“, schildert der Schwalmtaler. Doch verteilt werden die kleinen Kunstwerke längst nicht nur im Grenzland. „Ich habe jetzt Steine mit Minnie Mouse gamacht, die jemand ins Pariser Disneyland mitnehmen will“, erzählt der Schwalmtaler. Oft reisen die Steine noch weiter, etwa nach Spanien, Italien oder in die USA.

Eine simples Prinzip, das funktioniert. Das hat Frank Poppels nicht nur selbst in einer schweren Zeit  erfahren. Vor drei Wochen hat er die Facebookgruppe „Zapuh Stones Grenzland“ gestartet, inzwischen hat sie 224 Mitglieder. Und es werden täglich mehr Menschen, die Fotos von Fundsteinen posten, sich für ein Fundstück bedanken oder Geschichten aus ihrem Leben teilen.

 Per Zufall hat der 45-jährige Keramiker und Familienvater aus Schwalmtal ein neues Hobby gefunden – und damit nicht nur Tochter Lina (elf) und Ehefrau Nicole angesteckt, sondern auch Freunde wie Sandra Schwarz. „Sie schauten mich drei Tage komisch an und dachten sich ,Das gibt sich“, erzählt Poppels. Doch es gab sich nicht: „Es ist zu einer Sucht gworden“, ergänzt Nicole Poppels mit einem Lachen.

Doch beim abendlichen Malen im Kreis von Freunden und Familie ist es nicht geblieben - Frank Poppels ist Mitglied im Verein Zapuh (Zentrum für ambulante Palliativversorgung und Hospizarbeit) Grenzland und verknüpft sein Hobby mit der Unterstützung für den Verein mit Sitz in Brüggen.

„Franks Mutter hat unsere Arbeit sehr unterstützt, Kontakt zu Spendern hergestellt. Und sie war Ehrenmitglied“, erzählt Bettina Leweke. Sie gehört mit Birgit Reimsbach zu den Koordinatorinnen. Leitende Koorinatorin im Hospitzdienst ist Ida Kamp. „Wir sind Familie Oppels sehr dankbar für ihre Unterstützung“, sagen die Koordinatorinnen. Für sie ist die Facebookgruppe mehr als Werbung. Sie kommen in Kontakt zu Menschen, können ihre Arbeit vorstellen und sogar neue Ehrenamtler finden. „Über die Steine-Gruppe ist ein Mann auf uns aufmerksam geworden, der jetzt zum Team gehört“, sagt Leweke. Und Nicole Poppels ergänzt: „Mit Themen wie schwerer Krankheit oder Tod beschäftigt man sich ja nicht, wenn man nicht in der Situation ist.“ Ähnlich ging es auch ihrem Mann, der durch das Ehrenamt der Mutter und nach ihrem Tod eine engere Bindung zum Verein fand.

„Oft schildern uns Menschen auch persönliche Schicksale“, erzählt Nicole Poppels. Sie könnten diese zwar lesen, aber nicht professionelle Unterstützung bieten. Dafür würde sie aber den Kontakt zu dem Verein herstellen.  „Wir können nicht helfen, aber sind so etwas wie eine Plattform geworden, um Menschen an Experten zu vermitteln.“

Oft sind es Menschen, die krank sind oder einen geliebten Angehörigen verloren haben, die von ihrem Leben erzählen - und wie ihnen der zufällige Fund eines kleinen bemalten Steines ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Nicole Poppels erzählte von einer Patientin im Krankenhaus, die dort einen ausgelegten Stein fand und sich sehr darüber freute. „Jetzt fühle ich mich besser. Den Stein gebe ich nicht mehr her“, habe sie gesagt, erinnnert sich die Schwalmtalerin.

Dass man die so unterschiedlich gestalteten Steine ins Herz schließen kann, weiß auch Lina Poppels: Die begeisterte junge Reiterin sammelt besonders gern Steine, die Pferde zeigen. Und nimmt sie  schon mal mit ins Bett. Denn Steine seien nicht kalt. Das spürt jeder, der einen Stein in die Hand nimmt: „Manche sind echte Handschmeichler“, sagt Bettina Leweke. 

Die Steinemaler vom Grenzland wollen auf jeden Fall weitermachen. „Man bekommt so viel zurück“, sagt Frank Poppels. Sie überlegen jetzt. wie sie weitere Mneschen erreichen können. „Man könnte etwa mit Hephata oder Altenheimen zusammenarbeiten“, meint Sandra Schwarz    Auch ein Stand auf einem Weihnachtsmarkt, etwa in Waldniel, wäre eine Möglichkeit. Sandra Schwarz kann sich auch vorstellen, die bemalten Steine auf einer Frühchen-Station finden zu lassen.

Info Zapuh bietet ambulante hospizliche Begleitung und Rat für Schwerstkranke, Hochbetagte und Demenzkranke. Ruf: 02163 5749177.