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Die Rückkehr der Camper zu den Plätzen in Niederkrüchten

Tourismus in Niederkrüchten : Die Rückkehr der Camper

Nach vier Wochen Pause sind nur noch wenige Campingplätze in Niederkrüchten geschlossen. Sie nehmen unter Pandemie-Bedingungen wieder Gäste auf. Für die Sommerferien gibt es bereits zahlreiche Anfragen.

Neun Wochen Verzicht aufs Campen: „Für Vollblutcamper ist das wie Knast“, erklären Gerda und Norbert Götze lachend. Als sich die Beiden am Freitagabend mit ihrem Wohnmobil zum Campingplatz Graskamp in Niederkrüchten-Overhetfeld aufmachten, waren sie überglücklich. „Es war herrlich, zu Hause vom Parkplatz loszufahren. In dem Moment begann unser kleiner Urlaub“, sagen sie.

Fast ein Dutzend Camping- und Zeltplätze gibt es auf Niederkrüchtener Gebiet. Alle mussten wegen der Corona-Pandemie für etwa vier Wochen schließen. Doch mit den Lockerungen seit 11. Mai können die Camper zurückkehren.

Bei den Campingplatzbetreibern halten sich Freude und Vorsicht die Waage. „Man blickt als Außenstehender kaum mehr durch“, meint  Gerhard Blut vom Camping Lelefeld. Wie seine Kollegen ist er Experte für die Corona-Verordnungen geworden. „Von Mitte März bis kurz vor Ostern durfte keiner kommen“, erläutert Blut. „Danach war es den Dauercampern erlaubt, über Tag zu kommen, um nach dem Rechten zu sehen.“ Danach wurden sie denjenigen gleichgestellt, die eine Zweitwohnung haben, durften auch übernachten.“

Jetzt gibt es Einschränkungen: Die Gäste müssen sich anmelden und auf dem Platz die Abstandsregeln  einhalten. „Ich nehme derzeit keine großen Gruppen an“, sagt Blut. „Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei oder drei Kindern sind besser zu handhaben.“ Sein Eindruck: „Die Camper freuen sich, dass sie wieder raus können.“ Die Fahrzeuge seien heute so modern, dass sie völlig unabhängig von Waschräumen und Kochhäusern sind. Dann funktioniere Campen auch unter Corona-Bedingungen sehr gut. Die langen Wochenenden über Vatertag und Pfingsten sind im Graskamp ausgebucht, für den Sommer gibt es noch keine Anfragen: „Soweit denken die Leute noch gar nicht“, sagt Gerhard Blut. Bei ihm werden die Übernachtungspreise nicht steigen.

„Für Urlaubsreisende bleibt der Campingplatz vorerst noch geschlossen“, schreibt Georg Bettinger auf der Homepage seines Campingforstes Laarer See. „Solange es keine klaren Regelungen gibt, bleiben wir für Urlauber zu“, sagt Dina Bettinger. „Jeden Tag kommen 50 bis 60 Anfragen von Urlaubsgästen.“ Was sie kritisiert: „Ich wünsche mir eine klare Linie und klare Informationen.“ Die Dauercamper, die seit 20. April wieder auf dem Platz sind, haben sich gefreut. „Wie geil ist das denn“, oder einfach nur „Danke“ waren die Reaktionen. Vor lauter Freude wurden mal ein Blümchen oder eine Flasche Sekt für Bettinger und sein Team verschenkt.

„Wir haben heute die neue Verordnung erhalten: Zehn Tage nachdem bekannt gegeben wurde, dass Touristen wieder reisen dürfen“, sagt  Bernd van de Weyer vom Campingplatz Graskamp. Wie seine Kollegen findet er die Kooperation mit der Gemeinde sehr gut. Trotz vieler Unklarheiten richten sich er und sein Team auf Corona-Camping ein: Sie haben jede zweite Toilette im Waschhaus gesperrt und für große Abstände zwischen den Waschbecken gesorgt. Der Campingplatz verfügt über drei Sanitätshäuser und ein WC-Haus. Van de Weyer hat eine kreative Lösung für die Benutzung der sanitären Anlagen gefunden: Er hängt Karten mit den Zahlen Drei, Zwei, Eins aus, die sich die Benutzer nehmen. So weiß der Nachfolgende, wie viele Menschen gerade die Sanitäranlage benutzen. „Aber die Leute passen schon selber auf“, sagt er. Das „Café Mittendrin“  öffnet van de Weyer erst einen Tag vor Christi Himmelfahrt. Auch er und seine Frau Susanne, die seit 2012 den sechs Hektar großen Platz betreiben, werden von Übernachtungsanfragen überrannt. Die Anrufer kommen aus Halle, der Eifel, dem Kölner und Aachener Raum und aus dem Ruhrgebiet.

Thomas Hoppe und Michaela Köppe aus Düsseldorf sind seit 13 Jahren Dauercamper. Das ganze Jahr über fahren sie am Wochenende auf den Platz – sogar Silvester feiern sie in Overhetfeld. Ihr fester Wohnwagen mit Vorzelt bietet alles, was sie benötigen, auf dem Platz leben sie völlig autark. „Der Shutdown war schon blöd“, sagen sie. „Vor allem, weil das Wetter so schön war, war es hart.“ Zwischendurch sind sie auf den Platz gefahren, um nach dem Rechten zu sehen.  Sowohl die Dauercamper Hoppe und Köppe als auch die Wohnmobilisten Götze lieben es, auf dem Campingplatz zu sein: „Dieser Platz ist am schönsten“, meinen sie. „Schöner geht’s nicht“, meint Susanne Götze.