Die Retter der Südstadt in Viersen

Stadt Viersen : Die Retter der Südstadt

Es war einmal ein Stadtteil in Viersen, der zum Problemviertel werden drohte. Das zeigte schon ein Blick auf die Klingelschilder der heruntergekommenen Häuser. Durchgestrichene Namen, mit Edding beschriftete Papiere, mit Tesafilm befestigt.

Die Viersener Südstadt war auf dem besten Wege, zu einem sozialen Brennpunkt zu verkommen.

Dass es dazu nicht kam, liegt an viel Fördergeld, das in die Südstadt floss. Das liegt aber vor allem an den Menschen, die sich für ihr Quartier eingesetzt haben.

Die scheidende Quartiersmanagerin Stephanie Schoenen und ihre Nachfolgerin Selina Genç-Charpantidis. Foto: Martin Röse

Oft sagen Bilder ja mehr als viele Worte. Entsprechend drängten sich die Gäste beim bestens besuchten Neujahrsempfangs des Südstadt-Büros in einem Zelt hinter dem Gebäude: Eine Ausstellung mit zahlreichen Fotos aus den zurückliegenden zehn Jahren zeigte, wie sich die Südstadt in diesem Zeitraum gemausert hat – „und wie ich alt geworden bin“, seufzte ein Bewohner.

Sabine Anemüller zeichnete die Einzelhändlerin Iris Einköters-Achten für ihr ehrenamtliches Engagement für die Südstadt aus. Foto: Martin Röse

„Weit über 100 Maßnahmen wurden von den Bürgern im Rahmen des Verfügungsfonds mit einer Förderung von 150.000 Euro umgesetzt“, sagte Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) bei ihrer Ansprache, „85 private Eigentümer haben ihre Immobilie mit Mitteln des Hof- und Fassadenprogramms aufgewertet“. Rund fünf Millionen Euro flossen in die Sanierungen. Und auch die Stadt investierte fleißig: Knapp 12.000 Quadratmeter Straßen-, Wege- und Platzfläche wurden allein von 2015 bis 2019 aufgewertet, ebenso fast 4000 Quadratmeter öffentliche Grünfläche – nicht zuletzt mit Hilfe des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“.

Viele Leute kamen zum Südstadt-Empfang ins Büro an der Großen Bruchstraße. Foto: Martin Röse

Das ist Ende vergangenen Jahres offiziell ausgelaufen, die Förderung für bauliche Veränderungen beendet und auch die Immobilienberatung, die gut 280 Hausbesitzer in Anspruch nahmen, das Hof- und Fassadenprogramm werden nicht mehr fortgeführt, kündigte die Bürgermeisterin an. Es waren viele Menschen da, die ihr zuhörten: Beispielsweise Elli Fiedler und Yvonne Serwas, die sich von der ersten Stunde an im Arbeitskreis „Verkehr und mehr“ engagierten. Viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die die Südstadt über Jahre betreuten wie Fachbereichsleiter Harald Droste. Und natürlich Stephanie Schoenen, die in den vergangenen Jahren die Quartiersarbeit managte. Zwar gibt’s keinen Fördertopf mehr, um sie weiter zu beschäftigen. Doch die Quartierarbeit wird fortgeführt, aus städtischen Geldern. Schoenes Nachfolgerin Selina Genç-Charpantidis stellte sich den Gästen vor.

Schaut sich die Ausstellung zur Veränderung der Südstadt an: CDU-Bürgermeisterkandidat Christoph Hopp. Foto: Martin Röse

Die Förderung für die Südstadt ist zwar ausgelaufen – weil das „Problemkind“ auf die Beine gekommen ist und nun selbst laufen kann. Aber ein bisschen Hilfe gibt es noch: So wird die Stadt den Verfügungsfonds für bürgergetragene Projekte aus Haushaltsmitteln fortführen. Und auch ein niedrig schwelliges Angebot für Menschen, die den Weg in den Beruf (zurück-)finden wollen, kann in Zusammenarbeit mit dem Verein Brückenbau fortgeführt werden, ebenso soll die Südstadt als Standort für Einzelhändler und Unternehmer gestärkt werden – dabei hilft die Hochschule Niederrhein.

Eine Unternehmerin zeichnete Sabine Anemüller stellvertretend für die engagierten Einzelhändler aus: Iris Einköters-Achten vom Lichtstudio Einköters. Es war der hoffentlich letzte Empfang im Südstadt-Büro. Nach der Fertigstellung der Anne-Frank-Gesamtschule wird dort der Nachfolger, der „Treffpunkt Mitte“, eröffnen.

Auch dabei: CDU-Bürgermeisterkandidat Christoph Hopp, der designierte FDP-Bürgermeisterkandidat Frank a Campo, SPD-Landratskandidatin Annalena RönsbergJürgen Moers, Vorsitzender des Schulausschusses, Anne Bieler, Vorsitzende des Kulturausschusses, SPD-Fraktionsvorsitzender Manuel García Limia und Sozialdezernentin Çigdem Bern. Martin Röse