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Viersen: Die Nachwehen des Sturms

Viersen : Die Nachwehen des Sturms

"Friederike" hat den Kletterwald in Süchteln massiv beschädigt — der Betreiber schließt einen Umzug nicht aus. Noch ist unklar, wie viele Tiere aus dem Wildgehege entlaufen sind. Die Wälder bleiben noch Wochen gesperrt

Am Tag eins nach Sturmtief Friederike teilt Jörg Brockes, Betreiber des "Kletterwald Niederrhein" in Süchteln, das Schicksal mit vielen Bäumen auf dem Gelände: Der 44-Jährige ist geknickt. Mit wächsernem Gesichtsausdruck fasst der Nettetaler die Situation zusammen: "70 Prozent der Bäume liegen oder sind massiv beschädigt. Von unseren sieben Parcours sind nur noch zweieinhalb zu nutzen. ,Friederike' hat uns deutlich schlimmer getroffen als ,Kyrill' vor elf Jahren."

Foto: Köhlen Stephan

Auf einer Fläche von knapp 28.000 Quadratmetern konnten die Besucher seit der Gründung des Kletterwaldes mehr als 100 Kletterelemente nutzen, von Netzbrücken bis zu Schaukeln. Jetzt hängen einzelne Netzbrücken im Geäst, liegen Schaukeln am Boden. In den nächsten Tagen soll die Standfestigkeit der übrig gebliebenen Bäume geprüft werden. Doch ob der Kletterwald überhaupt an dem Standort weiter existieren kann, ist ungewiss. "Ich werde das Gespräch mit der Stadt Viersen suchen", kündigte Brockes an. "Vielleicht gibt es auf den städtischen Flächen um den Kletterwald die Möglichkeit, neue Parcours anzulegen." Die Süchtelner Höhen will er nicht verlassen. "Entweder, das ist hier möglich - oder das war es."

Gegen Sturmschäden ist der 2006 gegründete Kletterwald zwar versichert. "Aber die Versicherung zahlt maximal 150.000 Euro", berichtet Brockes. "Der Schaden liegt allerdings deutlich darüber." Er beschäftigt in seinem Betrieb fünf vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter. "Als ich das Chaos hier gesehen habe, war ich in einer Art Schockzustand", sagt Jörg Brockes.

Vom Kletterwald bis zum Wildgehege sind es eigentlich nur wenige Minuten. Doch jetzt versperren Bäume den Weg, ein Strommast ist umgeknickt, die Leitung hängt auf dem Boden. Und am großen Drehkreuz ist kein Weiterkommen: Umgestürzte Bäume versperren den Eingang. Eigentlich ist der Wildpark das Zuhause von zwölf Wildschweinen, einem halben Dutzend Damwild und 30 Kamerunschafen. Doch an diversen Stellen haben abgeknickte Bäume den Zaun beschädigt. Bereits vor zwei Wochen türmte ein Hirsch, als bei einem Sturm der Zaun eine Lücke bekam. "Mit einem verlässlichen Überblick über den Tierbestand rechnet die Stadt nicht vor Mitte nächster Woche", sagte Stadtsprecher Frank Schliffke.

Stadtförster Rainer Kammann sagte gestern nach einer Erkundung, der Spaziergang durch den Wald oder Grünanlagen sei lebensgefährlich. "Man kann es einem Baum oder Ast nicht ansehen, ob er im nächsten Moment umstürzt oder abbricht." Bis der Wald wieder zugänglich ist, können bis zu vier Wochen vergehen.

Die Aufräumarbeiten werden heute mit allen verfügbaren Mitarbeitern der städtischen Betriebe fortgesetzt. Ab nächster Woche sollen private Unternehmen unterstützen. Die Aufräumarbeiten im Stadtgebiet werden bis Ende nächster Woche dauern. In Dülken wurde ein nicht bewohntes Haus am Bleichpfad so schwer beschädigt, dass es abgerissen werden muss.

(mrö)