Viersen Die Mauer am Grenzweg ist gefallen

Viersen · König Manfred Schrobenhauser stammt bekanntlich aus Schwerin - und erlebte gestern am Grenzweg ein Stück Geschichte zum zweiten Mal: Am Ende fiel die Mauer.

 Die Königsburg am Grenzweg wurde von König Manfred Schrobenhauser, seinen Ministern und der Fahnengruppe als Königszug verteidigt. 20 Minuten lang dauerte der Kampf.

Die Königsburg am Grenzweg wurde von König Manfred Schrobenhauser, seinen Ministern und der Fahnengruppe als Königszug verteidigt. 20 Minuten lang dauerte der Kampf.

Foto: Wolfgang Kaiser

Normalerweise ist das Polizeifahrzeug einer der wenigen geschützten Plätze - aber am Ende der Kampfhandlungen war Jürgen Latzke, Präsident der St.-Konrad-Schützengilde Grenzweg, gestern Mittag selbst dort nicht mehr sicher: Er, der eigentlich als neutraler Beobachter und Kommentator die traditionelle Burgstürmung am Grenzweg begleitet hatte, wurde von einigen Edelweiß- und Mac-Alt-Schützen aus dem Wagen geholt und unter Schlachtgesang erst ans Ufer der und dann vollends in die Niers manövriert. Das gab allerdings keinen präsidialen Unmut, sondern es sah durchaus so aus, als freue er sich nach der anstrengenden Arbeit über die Erfrischung.

Zuvor hatten die Zuschauer rund 20 Minuten lebhafter Auseinandersetzung gesehen: Die Königsburg am Grenzweg wurde von König Manfred Schrobenhauser, seinen Ministern und der Fahnengruppe als Königszug in diesem Jahr ohne die sonst übliche Verstärkung durch den Löschzug Clörath der Feuerwehr verteidigt - denn eine neue Landesregelung verbot den Einsatzkräften die Beteiligung an dieser Übung. Trotzdem stand der Verteidigungsgruppe reichlich Wasser zur Verfügung, das sie dann auch einsetzte. Die Auseinandersetzungen begannen mit einem friedlichen Signal: Die Zaubermäuse ließen bunte Luftballons steigen, konnten den König aber nicht zur kampflosen Übergabe bewegen. Daher rückten zuerst die Tellschützen an - angefeuert von "Attacke"-Rufen der Betreuerin Yvonne Polarski. Ihr Wasser- und Mehlbomben-Angriff machte den Auftakt, danach wurde es richtig eklig: "Pferdeäppel!" - lautete der verzückte Ruf eines Angreifers. Sie wurden mit vergorenem Gras zu Wurfgeschossen gedreht und zielsicher an und über die Burg - eine Nachbildung des Brandenburger Tores - geschleudert.

Die Nierstalblumen brachten eine neue Note in den diesjährigen Angriff: Sie hatten sich als Indianerinnen mit Kriegsbemalung verkleidet. Zwei von ihnen schlichen in die Burg und entführten Minister Werner Janssen - es ging einmal durch die Niers, und er wurde an den Marterpfahl auf der anderen Seite des Flusses gebunden. Die Squaws boten den Austausch gegen "zwei Kisten rosa Sekt" an - was der König aber nicht akzeptierte.

Unter "Die Mauer muss weg"-Rufen begann danach der Generalangriff von Buuren, Edelweiß, Mac Alt und den anderen Gildegruppen - mit allem, was eklig, nass oder staubig war. Schließlich gelang es den vereinten Kräften, das Tor aufzusprengen. Trotz Beregnung von innen holten die Angreifer - einige Edelweiß-Schützen und Brave Jonges - König Manfred aus der Burg und begleiteten ihn zielsicher in die Niers. Dort traf er seinen Minister wieder - es gab jedoch keine Auseinandersetzung über das nicht gezahlte Lösegeld, sondern lieber ein Gemeinschaftsbad mit allen. Auch der zweite Minister Steve teilte das Schicksal seines königlichen Vaters in der Niers.

Königin Birgit wollte sich eigentlich unerkannt auf die Seite schleichen, das gelang ihr allerdings nicht. Selbst das kurzfristige Interview mit unserer Zeitung brachte nur Aufschub: "Es war eine super Verteidigung, aber ich bin einverstanden, dass die Mauer weg ist", kommentierte sie noch. Dann wurde sie von einigen Angreifern charmant - "Kein Handy oder so in der Tasche?" - in die Niers bugsiert. Diese trugen dann allerdings auch dafür Sorge, dass die Königin wieder sicher aus dem Wasser steigen konnte.

Letztes Opfer der vereinten Gilde-Streitkräfte wurde - wie schon beschrieben - Präsident Latzke. Danach zogen reichlich durchnässte Angreifer und Verteidiger entlang des Grenzweges in die heimischen Badezimmer zur heißen Dusche - der tröstende Spruch einer Mutter zu einem frierenden Tellschützen: "Wenn du jetzt läufst, wird Dir wieder warm."

(RP)
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